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Samstag, 27. April 2013

Never again!

Ich wollte ja eigentlich ein bisschen mehr zu der einen Woche des Schreckens schreiben. Wo wir waren, was genau wir gemacht haben, wie sich das angefühlt hat. Es funktioniert aber nicht. Was habe ich geheult! Was bin ich jetzt noch entsetzt, wenn ich daran denke. Wenn man sich eine Woche lang jeden Tag den gleichen Horror angeguckt hat, dann hätte mir schon vorher klar sein müssen, dass ich es danach nicht schaffe, aufzuschreiben. Eine Sache habe ich vollbracht: Meine Ausgabe vom Tagebuch der Anne Frank liegt jetzt auf Annes und Margots Grab.

http://www.weheartit.com/

So eine Rundfahrt ist kein Zuckerschlecken für die Seele, man sollte sich das genau überlegen. Ich war da relativ naiv, den Preis hab ich jetzt zu zahlen. Man vergisst es nicht, man bekommt die Bilder und Vorstellungen nicht mehr aus dem Kopf, man kann es nicht beschreiben.

ES GIBT KEINE WORTE DAFÜR, DIE ES AUCH NUR ANSATZWEISE BESCHREIBEN. UND VORSTELLEN KÖNNEN WIR UNS DAS IN UNSEREM ALTER SOWIESO NICHT MEHR!

Sonntag, 14. April 2013

Eine Woche Stillschweigen.

Morgen müssen wir leider auch Florenz wieder verlassen, was werde ich sie alle vermissen! Ich habe gerade eigentlich gar nicht mal viel zu sagen, aber ich muss was schreiben, denn morgen beginnt unsere KZ-Rundfahrt. Ich habe keine Angst, aber ein bisschen mulmig wird einem da schon. Vor allem, wenn man sich erinnert an Filme, Bücher oder Grabsteine.
Wir müssen zuallererst nach Mailand fliegen, von dort aus geht es mit dem Bus los nach Mauthausen. Ich werde die Woche über kein Internet haben, aber sollte ich danach eine Weile nicht bloggen, hat das den einfachen Grund, dass mir zu viele Dinge durch den Kopf gehen und ich nicht weiß, was ich zuerst aufschreiben soll. Und vor allem, weil es danach ja heftig in Rumänien weiter geht...

Quelle: Google

Samstag, 16. März 2013

Geisterstadt.

Vorletzten Donnerstag, als wir noch in der Ukraine waren, hieß ein Tagestrip Tschernobyl. Ich habe mich ehrlich gesagt ein klein wenig gefürchtet, dort hin zu fahren, schon allein wegen der radioaktiven Strahlung - Physik war noch nie meine Stärke, wenn sie dort Menschen hinlassen, scheint es ja nicht mehr ganz so gefährlich zu sein.
Tschernobyl ist eine Geisterstadt. Es wohnt dort niemand mehr. Um die Stadt herum sieht man vereinzelte Häuser, es sind nicht mehr als 400 Bewohner, haben wir uns sagen lassen. Die Führung war glücklicherweise auf Englisch, also konnte ich folgen, als wir durch die leere Stadt spaziert sind, sogar am Atomkraftwerk vorbei. Fotografieren war verboten, warum auch immer. Aber ich glaube, ich hätte sowieso keine Bilder gemacht.

Ich hatte Angst, als wir dort waren. Ich kam mir so klein und verloren vor. Es ist alles mit Gras, Moos, Sträuchern und Unkraut überwuchert, die Häuser teilweise eingestürzt, halb verrottet und verlassen, Bauwerke nicht mehr zu erkennen und schon total verrostet. Eine kaputte Autoscooterbahn war noch voller Schnee. Es war, als ob man durch ein verlassenes Industriegebiet ging und nicht durch eine Stadt, in der früher einmal tausende von Menschen gelebt haben. Es war eine wertvolle Erfahrung, aber ich war dann auch froh, als wir wieder in den Bus steigen konnten. Obwohl eigentlich nicht viel dabei war, habe ich trotzdem ganz ängstlich jede Regung um mich herum registriert. Und beim Anblick des Skeletts eines toten verkrüppelten Hundes konnte ich auch einen Schrei nicht unterdrücken.

Sonntag, 16. Dezember 2012

Ich hatte keine Kraft mehr. Es tut mir leid.

Coucou,

es gibt nichts zu sagen, ich weiß es selber. Über einen Monat habe ich nicht gebloggt. Und in diesem Monat habe ich mich irgendwie verändert, zumindest wird mir das gesagt.
Ich habe meinen Tanzlehrgang, der mit jedem Tag stressiger wurde abgeschlossen und alles andere so weit verarbeitet, dass ich jetzt erst mal so einigermaßen weitermachen kann. Jetzt habe ich erst mal bis Mitte Januar frei. Ein knapper Monat, in dem ich vielleicht ab und zu mal in der Tanzschule zu finden bin, aber ansonsten nichts mache, weil ich einfach erst mal Pause brauche, um wieder zu Kräften zu kommen. Dieser Tanzlehrgang ging fast an meine Grenzen, körperlich und auch seelisch. Ich bin klapperdürr, wiege erschreckende 42 Kilo und habe eine Ernährungsberaterin aufgesucht, wie ich am besten ganz schnell wieder zunehmen kann. In meinem Kopf herrscht leeres Chaos. Jeden Tag bis zum Umfallen tanzen zu müssen macht irgendwann die Psyche kaputt, selbst wenn man noch so gerne tanzt und nicht ohne kann. Ich bin letztendlich Fünfte geworden, habe also nicht das Treffen gewonnen. Alle sind neidisch auf die Gewinnerinnen, ich nicht. Ich brauche eine Auszeit, von allem. Essen, trinken, Tobi, alle anderen haben mich gefälligst in Ruhe zu lassen.
Ich wusste, dass es anstrengend wird, als ich im August diesen Lehrgang begonnen habe, aber so kräftezehrend habe ich mir das niemals vorgestellt. Noch dazu kam dieser psychische Druck, den sich die meisten Teilnehmerinnen gerne gemacht haben. Mobbing stand an der Tagesordnung. Meine liebe Freundin Nina wurde sogar einmal in der Umkleide eingeschlossen, damit sie ihre Prüfung verpasst hat, glücklicherweise durfte sie die nachholen. Ich mache mir Vorwürfe, dass ich das nicht mitbekommen habe.

Teilweise kam ich abends nach Hause, habe mechanisch etwas zu essen in mich hinein gestopft und bin dann ins Bett gefallen. Irgendwann war ich an Kopfschmerzen gewöhnt, Kaffee war mein ständiger Begleiter. Als einmal meine Tage ausblieben, war ich noch nicht einmal überrascht. Ein anderes Mal hat meine Mama mich ohnmächtig in der Küche inmitten von einem Haufen Scherben gefunden, ich war anscheinend beim Versuch, etwas zu essen, umgekippt. Sie wollte mir verbieten, in die Tanzschule zu fahren, eisern hab ich weitergekämpft. Und es nicht geschafft. Vielleicht bin ich an einer Universität doch besser aufgehoben als in einer Tanzschule.
Tobi ist aus England zurück, der ist in den letzten Wochen fast wahnsinnig geworden, weil er sich Sorgen gemacht hat. Zweimal haben wir uns über Skype gestritten: "EILEEN, ICH FAHR SOFORT LOS ZUM FLUGHAFEN, DU KANNST SO NICHT WEITERMACHEN." - "DU BLEIBST, WO DU BIST. UND ICH MACH WEITER." - "VERGISS ES, DIE MACHEN DICH KAPUTT." - "WAS VERSTEHST DU SCHON DAVON?" ... Es tut mir leid, Tobi. Ich liebe dich. Jetzt hab ich ihn wieder. Er macht sich aber immer noch verrückt vor Sorgen. Keine Angst, ich schaff das schon, ich geh nicht zugrunde.


Lange Rede, kurzer Unsinn. Aus diesem Grund habe ich in der letzten Zeit nicht gebloggt, weil ich einfach nicht mehr konnte. Jetzt geht es langsam wieder bergauf. Trotzdem danke für diese neue Lebenserfahrung.

Lots of Love,
Eure Eileen

Samstag, 6. Oktober 2012

Briefe, die nie gelesen werden. Dennoch schreibe ich sie.

Coucou!

Ich habe so große Angst vor Montag! Ich bin jetzt schon total zittrig, wenn ich daran denke! Jeder sagt mir, dass ich stark bin und das schaffen werde, aber ich kenn mich. Ich weiß, wie sehr ich heulen werde, wenn ich Annes Bild und daneben die Urne stehen sehen werde. So eine Urne anzuschauen ist bestimmt komisch, ich komme mit dem Gedanken nicht klar, dass dort drin ein Mensch sein soll, das ist unwirklich. Dann ist Anne endgültig weg, das schmerzt.



Ich schreibe wirklich schon Briefe an sie. Selbst wenn ich eigentlich überhaupt keine Zeit habe, wenn ich total unter Strom stehe und tanzen muss bis zum Umfallen, trotzdem schreibe ich manchmal bis in die Nacht Briefe an sie, vier sind schon fertig. Vielleicht darf ich ja etwas mit in die Urne hineinlegen, sie hat nämlich einmal einen Schlüsselanhänger bei mir vergessen, einen kleinen Marienkäfer. Der muss in die Urne rein, ich wünsche ihr viel Glück auf ihrem Weg ins Jenseits oder wo auch immer tote Menschen hingehen, keine Ahnung. Ich habe über so etwas noch nie nachdenken müssen, jetzt erschlägt mich das alles.



Ich habe für Montag eine Freistellung bekommen, die anderen Mädchen haben schon längst angefangen zu lästern. Ich glaube, wenn ich trotz meiner ganzen Fehltage bisher (es sind schon zwei, oh mein Gott, ihr Schlampen!) bei diesem Tanzlehrgang gut abschneide, werde ich von allen noch mehr gehasst als sie es sowieso schon tun. Selbst wenn die todkrank sind, schleppen die sich zum Lehrgang, denn es geht denen nur ums Gewinnen.
Die Einzige, die nett zu mir ist, ist Nina, mit der konnte ich schon immer gut, wir tanzen immer die Partnerübungen zusammen. Alle anderen lassen immer mehr ihre andere Seite heraus. Jeder will hier gewinnen, und zwar alleine. Also sind einige der Meinung, dass man sich natürlich auch nicht mehr helfen muss. Es ist anstrengend, sich den ganzen Tag Rumgezicke anhören zu müssen. Klar will ich auch gewinnen, Paula Abdul treffen wäre einfach DER Hammer, aber ich hasse diesen Zickenkrieg und beteilige mich auch nicht daran. Deshalb bin ich natürlich nicht durchsetzungsfähig und werde diesen Lehrgang niemals bestehen, irgendwas müssen sie ja finden, was es an mir auszusetzen gibt. Gefolgt von meinen dünnen, wasserstoffblonden Haaren (es ist zwar dunkelblond, aber egal), meinen kurzen Röcken, meiner ruhigen Art (dass ich zurzeit nach Annes Tod nicht so gern auf die Pauke hauen möchte, interessiert diese arroganten Weiber aber auch nicht) und meinem Freund, den es ja angeblich nicht gibt, weil sie ihn noch nicht gesehen haben. Es ist völliger Irrsinn, wenn man versuchen will, ihnen die Wahrheit zu erklären. Auf gut Deutsch gesagt bin ich also nur eine kleine, an Aufmerksamkeitsdefiziten leidende Schlampe, die nichts auf die Reihe kriegt. Richtig geraten.



Heute kommt Kathy in Hamburg an, morgen kommen Tobi und J. aus England zurück, V., I., mein Schwesterchen aus Frankreich, die gestern angekommen ist, und ich holen sie zusammen vom Flughafen ab, alle da. Tobi habe ich zwar "gerade" gesehen, aber ich leide jetzt schon wieder unter Liebesentzug. Ich brauche ihn.
Und J. wiederzusehen, wäre auch mal wieder schön, mein bester Freund ist genauso unersetzbar wie durchgeknallt.

Am Mittwoch hatten wir ja alle frei und es war sogar einigermaßen schönes Wetter. Wir haben uns an der Ostsee getroffen, Steffie, R. und Kathi hatten Gitarren mit. Singen und Lagerfeuer am Strand machen ist sooo schön. Sari war da, Linchen, Christian, Flori, D., F., Simón, V., I., L., meine allerbeste S. natürlich und noch ein paar andere Leute, die Anne kannten und mochten. Einige hatte ich noch nie gesehen, aber in so einer Situation rücken natürlich alle zusammen. Wenigstens was.




Wir vermissen Anne sehr. Warum ist das Leben so ungerecht?

Lots of Love,
Eure Eileen

Montag, 1. Oktober 2012

"Ich weiß, wie ihr euch fühlt." - Sei still, halt einfach die Klappe, du hast keine Ahnung.

Coucou!

Tja, was soll ich sagen? Am besten gar nichts. Es hat sich nichts verändert, aber alles ist anders. Das Schicksal meint es mal wieder nicht gut mit uns. Aber der Reihe nach. Als letztes war ja das Rachel-Problem aktuell, mein Gott, erscheint mir das jetzt bedeutungslos. Das wird ein langer Post, es gibt viel zu verarbeiten. Ich muss das alles loswerden und aufschreiben und ich brauche viele schöne Bilder für die Seele. Lasst mich, ihr versteht meine Welt eh nicht!
Ich weiß, ich wiederhol mich, aber da oben ist ein [x] für die, die es nicht wissen wollen.



Rachel hat immer noch nicht aufgegeben, aber Tobi bleibt ziemlich hart, das fühlt sich in meiner Seele irgendwie gut an, denn er will mich und keine andere, warum auch immer. Tja, Applaus Hure. Aber du bist ihm nicht gut genug. Du bist ja so geil und jeder steht auf dich. Nur er nicht. Er will mich.
Bin ich so gut? Ich sei die Beste, sagte er schlicht. Ich weiß ja nicht.
Am 8. September hatte er Geburtstag, endlich sind wir beide 19. Ja, Tobi ist ein paar Monate jünger als ich, na los, es gibt genug, dich sich ihre Mäuler darüber zerreißen, also tut es bitte auch, der Ordnung halber. Und für mein Image.
Nein, so ist das nicht gemeint, aber es regt mich trotzdem auf. Vielleicht versteht das ja einer.



Ich habe mal wieder nicht nachgedacht und frei nach dem Kurschlussreaktionsprinzip gehandelt. Dadurch, dass ich zu seinem Geburtstag ziemlich fertig war - der Tanzlehrgang, die Entfernung, die Eifersucht, die Anstrengung, die Sehnsucht - das wurde mir alles ein bisschen zu viel und ich hatte eine gelegentlich mal auftretende Austick-Phase, die sich zu einem explodierenden Pulverfass entwickelt hat. Sie fing damit an, dass ich mittlerweile nur noch 45 kg wiege und endete damit, dass ich mein gesamtes Studiumskonto leergepumpt habe und nach London geflogen bin. Tobi hatte Geburtstag, ich vermisste ihn, ich konnte nicht anders, ich musste es tun. Ergebnis: kein Geld mehr, Mama völlig sauer, wütend, besorgt und vorwurfsvoll, weil ich ihr kein Wort gesagt hatte. Sie ist fast wahnsinnig geworden, weil ich mich erst wieder Stunden später aus England gemeldet habe, Tobi auch nicht sonderlich begeistert (wobei er sich gefreut hat, mich zu sehen), er wusste von nichts, außerdem einen verlorenen Tag beim Tanzlehrgang, eine zickige und wütende Rachel und noch eine ganze Menge Stress und Ärger.



Ich weiß, das versteht keiner, aber ich musste es tun, ich konnte nicht anders. Ich habe mit ihm also seinen Geburtstag in London gefeiert, er hat mich mit zu seinem Arbeitsplatz genommen und mir seine Gastfamilie vorgestellt. Und Rachel habe ich auch kennen gelernt, wirklich eine arrogante Barbie-Puppe mit zehn Tonnen Schminke im Gesicht. Meine Fresse, war die sauer.

Meine Mama war doppelt sauer. Sie kommt von der Arbeit nach Hause und findet eine leere Wohnung vor. Kein Zettel, keine Nachricht. Und ich war nicht zu erreichen, weil ich im Flugzeug keinen Empfang hatte. Wenn ich unüberlegt handel, denke ich nur an die Hälfte, das kommt davon.

Als ich aus England wiederkam, hat Mama mich vom Flughafen abgeholt und mir die gesamte Autofahrt über Vorträge gehalten. Ja Mama, ich weiß, dass ich Mist gebaut habe, ich weiß auch, dass du dir Sorgen machst, aber ich bin mittlerweile 19 und nicht mehr dein kleines Küken.

Den einen Tag vom Tanzlehrgang, den ich verloren habe, war schwer, wieder aufzuholen und ich bin mittlerweile jeden Tag froh, wenn ich nach Hause komme und mich einfach nur auf die Couch packen kann. Vor allem zum Essen. Womit wir beim nächsten Problem wären: 45 Kilo. Als ich das auf der Waage gesehen habe, wäre ich vor Schreck fast umgefallen. Das geht ja gar nicht! Ich muss dringend essen. Disziplin, Madame. Ich fühle mich auch irgendwie komisch, ein bisschen schlapp, ausgepowert und kaputt. Dieser Tanzlehrgang zerrt ganz schön an den Kräften. Das wusste ich zwar vorher, aber hinterher ist man ja bekanntlich immer schlauer.

Damit könnte ich theoretisch noch leben, aber der nächste Hammer, der nun folgt, damit kann ich nur schwer leben, obwohl ich es muss.

Anne ist tot.




Ich weiß echt nicht, was ich dazu sagen soll, es ist noch so unwirklich und weit weg, das hat wahrscheinlich noch niemand realisiert. Es ist, als ob die Zeit stehen geblieben ist und sich nichts mehr bewegt.









Nichts hat sich verändert. Was nicht stimmt, weil sich alles verändert hat. Sie ist nicht mehr.




Sie wurde Ende August ins Krankenhaus eingeliefert, das hatte ich ja noch geschrieben, es sah nach einer Lungenentzündung aus. Anderthalb Wochen musste sie sich aufregen, wie öde und langweilig das Krankenhausleben doch ist, dann durfte sie endlich wieder nach Hause.
Am nächsten Abend war sie wieder wie immer, wir waren zusammen bei Freunden, das war zwar keine Party oder so, aber trotzdem hätten wir sie niemals mitnehmen dürfen!
Am nächsten Tag ist sie zusammengebrochen und wieder ins Krankenhaus eingeliefert worden. Disgnose: Lungenembolie. Ich frage mich, was die Ärzte bei ihrem ersten Aufenthalt gemacht haben. Karten gespielt? Geld verwettet? Däumchen gedreht?
Zwei Operationen, die zweite hat Anne nicht überlebt.




Ich habe das in der Mittagspause von meinem Tanzlehrgang erfahren, S. hat mich angerufen, das war der Schock des Tages. Wie geht man damit um? Ich habe erst mal weitergetanzt, ich brauchte irgendwas zu tun. Aber dann, wenn man nichts mehr zu tun hat? Zu Hause bin ich in Tränen ausgebrochen. Doch nicht unser Annchen! Ich konnte mich noch nicht einmal richtig von ihr verabschieden. Ich mache mir Vorwürfe, dass ich sie nicht öfter besucht habe, weil ich durch den Lehrgang total unter Strom stand, aber hätte, wenn und könnte...
Zwei Dinge stehen fest: Wir hätten sie niemals zu den anderen mitnehmen dürfen, wir haben versagt, wir haben nicht auf sie aufgepasst. Und hätten die Ärzte bei ihrer ersten Krankenhauszeit ihren Job richtig gemacht, würde Anne vielleicht noch leben. Soviel zur Theorie.
Ich könnte ehrlich gesagt immer noch heulen, dabei ist es schon eine Woche her. Alle unsere Freunde sind aus allen Ecken zurück gekommen, um diese schweren Stunden durchzustehen, letztes Wochenende ist sogar Steffie aus Tansania wieder eingeflogen und Linchen aus Russland zurück gekommen. Bei mir ist zurzeit I., die ihr FSJ unterbrochen hat. Zu Hause wollte sie nicht schlafen.
Tobi und J. kommen zur Beerdigung aus England und sogar unsere Amerikanerin Kathy aus Denver kommt wieder her. Meine Schwester aus Frankreich kommt auch, die muss ich am Freitag vom Flughafen abholen.

Am 8. Oktober ist die Beerdigung, das wird hart. Ich war noch nie auf einer Beerdigung, weil es bisher in meinem Leben niemanden gab, den man unter die Erde bringen musste, glücklicherweise. Aber ich hatte gehofft, ich kann bei meiner ersten Bestattung mit etwas weniger Heftigem anfangen. Doch nicht Anne! Das ist nicht fair, sie wollte doch noch so viel machen! In drei Wochen wäre sie 19 geworden.
Sie hat mir bei so vielem geholfen, ich konnte mich noch nicht einmal bedanken! Ich fühle mich so schlecht. Ich bin traurig, ich mache mir Vorwürfe, ich könnte den ganzen Tag heulen, ich will unsere Anne zurück haben!
Ich muss das alles aufschreiben, um zu verarbeiten, um nicht verrückt zu werden. Ich muss irgendwas tun, sonst geh ich kaputt. Ich dreh noch durch!

Ich habe schon angefangen, Briefe zu schreiben, zwei sind schon fertig. Das hilft irgendwie, ich wollte Anne doch noch so viel erzählen.








Sie wird immer einen Schlüssel zu meinem Herzen haben, ich habe sie dort mittlerweile eingeschlossen und die Schlüssel weggeworfen. Sie kommt dort nie wieder heraus.
Anne, ich liebe dich, wir lieben dich alle. Es tut uns leid, dass wir es nicht besser konnten, wir fühlen uns, als hätten wir dich zerstört. Niemand kann das wieder gut machen. Niemand kann beschreiben, wie schrecklich wir uns fühlen. Niemand kann es ändern, niemand kann es erklären. 

Die Zeit bleibt stehen, ich will in die Kirche gehen und Millionen von Teelichtern für Anne anzünden, dabei bin ich gar nicht gläubig. Ich denke, ich werde es in dieser Woche trotzdem machen, I. und S. kommen bestimmt mit.


Ich habe seit anderthalb Wochen nicht mehr als 20 Stunden geschlafen, jede Nacht immer ein bisschen, die meiste Zeit war ich wach und hab vor mich hin gequietscht. Ohne heulen bin ich wohl kein Mensch. Ein Wunder, dass ich bei dem ganzen Stress, der mich zurzeit so umgibt, noch nicht zusammen gebrochen bin.



Ich muss ans Meer, Ostseeluft um mich herum. bestimmt machen wir das morgen alle zusammen, ist ja Feiertag. Lagerfeuer am Strand, Gitarren mit, Salz in den Augen, Meeresgeruch im Haar, Sterne, ... ohne Anne...
Jetzt weine ich schon wieder...


Hilft nichts, da müssen wir durch.


Lots of Love,
Eure traurige Eileen

Dienstag, 4. September 2012

Sieh es ein, Süße. Mein Freund steht nicht auf Nutten.

Coucou!

Schlechte Zeiten, ganz schlechte Zeiten. Ich werde verrückt vor Angst, Eifersucht, Unwissenheit und Tränen. Am liebsten würde ich meine Tasche packen und nach England fliegen, völlig egal, woher ich das Geld dafür nehme.


Was ist passiert?

Tobis Gastschwester in London versucht immer noch wie verrückt, ihn anzuflirten. Er ist genervt, denn sie ist ein gottverdammtes Miststück und küsst ihn, wenn er schläft. Er wird wach und schmeißt sie raus, aber sie hat für's Erste ihr Ziel erreicht.
Er hat mir davon über Skype erzählt, er ist wütend und will eigentlich die Gastfamilie wechseln. Dann wäre aber sein jetziger Job in Gefahr.

"Rachel wird immer weitergehen, bis sie das bekommt, was sie will. Sie berührt mich ständig im Vorbeigehen und streift meine Hände. Sie versucht, sich auszuziehen, wenn ich in ihrer Nähe bin. Sie kommt einfach so in mein Zimmer und fängt an, Dinge zu erzählen, die ich gar nicht wissen will. Meinetwegen, wie viele Männer sie schon im Bett hatte, wie geil die das immer fanden, und so weiter. Ne größere Schlampe hab ich noch nie getroffen. Es ist offensichtlich, was sie will. Sex. Aber Eileen!? Ich werde nicht nachgeben! Das musst du mir glauben! Ich werde nie im Leben mit dieser ignoranten und arroganten Person irgendetwas anfangen, dafür liebe ich mein Mädchen in Deutschland viel zu sehr. Vertrau mir."



Oh, wie süß. Ich vertraue ihm grenzenlos, aber es fühlt sich so seltsam an. Das darf es nicht, deshalb hab ich es durchgestrichen. Angst.
Wer weiß, was diese Rachel sich als nächstes einfallen lässt!? Was soll ich machen? Am liebsten würde ich Tobi bitten, dass er zurück nach Hause kommt, aber das kann ich nicht von ihm verlangen. Er hat Völkerstämme in Bewegung gesetzt, um diesen Job in London zu erhalten, ich kann ihm das nicht nehmen. Und selbst wenn er das jetzt hier liest, Tobi, du darfst auf keinen Fall nach Hause kommen, auch wenn ich noch so sehr leide. Ich bin egal, es ist deine Zukunft. Und werd nicht sauer, weil ich das jetzt in dieser Form aufgeschrieben habe, es tut mir leid.



Aber noch was Positives: Ich wurde heute indirekt gelobt! Ich könnte zerplatzen vor Stolz! Eine der Tanzmanagerinnen sagte zu nach einer Übungsstunde zu ihrer Kollegin: "Diese Eileen ist ein sehr vielversprechendes Talent, sie erzählt beim Tanzen eine Geschichte, das gefällt mir. Ich denke, dass sie es unter die fünf Besten schafft."

Oh, wow! Ich bin happy! Das macht einen so unglaublich stolz! Dann hat sich die harte Arbeit also gelohnt! Jetzt nur nicht nachgeben. Weitermachen. Selbst wenn es noch so anstrengend wird.



Lots of Love,
Eure Eileen

Dienstag, 14. August 2012

Schattenleiche will ich nicht sein - durchhalten.

Coucou!

Gerade mal der zweite Tag und in meinem Kopf ist schon alles fast zu anstrengend. Tanzlehrgang schlaucht ganz schön, trotzdem hab ich bisher immer noch die Kraft, jeden Abend joggen zu gehen, bevor ich mit Tobi skype. Und das habe ich auch weiterhin vor, einfach als tägliche Abregung.
Wird mir das zu viel? Nein, ich schaff das. Ich weiß, was ich will. Paula Abdul treffen! Nur die zwei Besten dürfen das, das wird zwar ausgelost, aber nur unter den besten Fünf. Ich muss gut sein, um das zu bekommen. Und zwar richtig gut.




Mir ist aufgefallen, dass ich bei dem ganzen Stress wieder zu wenig esse. Heute habe ich gefrühstückt und mittags ein Croissant gegessen. Abends einen Salat. Ich habe einfach keinen Hunger, dabei brauch ich die Energie, um diese vier Monate durchzuhalten. Ich muss mich anscheinend mal wieder zum Essen zwingen. Das ist schon mal passiert, ich kenn das schon. Nichts Besonderes, kein Grund zur Aufregung. Einfach nur essen, wenn Zeit ist. Je mehr, desto besser. Ich werde wahrscheinlich nie magersüchtig, denn bei mir ist es umgekehrt. Ich muss nicht dünner werden, ich muss essen. Sonst werde ich eine Schattenleiche. Das will keiner, am allerwenigsten ich selbst. Essen, essen, essen, essen.
Die Waage sagt: 49,6 kg. Oh Schreck, vor zwei Wochen waren es noch 50,8 kg. Ich muss essen! Andere Mädchen würden sich freuen, doch die sind alle krank, ich bin eher angewidert und erschrecke mich jedes Mal, wenn die Zahl kleiner ist. Zunehmen ist angesagt.




Wenn man so unter Strom steht, muss man irgendetwas finden, womit man den Druck bewältigen kann. Der Druck, gut zu sein, der Druck, zu überzeugen, der Druck, Fortschritte zu machen, der Druck, nicht noch mehr abzunehmen, der Druck, für andere da zu sein, wenn sie einen brauchen, der Druck, zu essen, der Druck, normal zu wirken, der Druck, keine Angst zu haben, der Druck, mit der Sehnsucht nach Tobi klarzukommen und der Druck, ihn nicht zu belasten. Er hat gerade selbst genug zu tun.


So eine Herzfunktion sollte mein Handy auch mal haben, dann könnte ich ihm das schicken.
Es wäre zumindest die Wahrheit.
Es geht ihm gut in England, seine Gastfamilie ist nett, sein Zimmer total in Ordnung, seine Arbeit noch nicht besonders umfangreich, er wird ja auch erst einmal eingearbeitet, und die Leute um ihn herum sehr freundlich. Das Einzige, was ihn stört, ist, dass seine Gastmutter eine 21-jährige Tochter hat, die ihn die ganze Zeit anbaggert und sichtlich genervt ist, weil er nicht darauf eingeht. Ich vertraue ihm grenzenlos, aber ein bisschen angespannt bin ich in so einer Situation trotzdem. Also kommt auch noch der Druck, ganz ruhig zu bleiben und nicht die eifersüchtige Zicke zu sein, hinzu.







Ich wusste, dass es schwer werden würde. Ich wusste, dass der Lehrgang anstrengend wird, ich wusste, dass ich Tobi überdurchschnittlich vermissen werde, ich wusste, dass ich Probleme mit mir selbst haben werde. Wie fremd ich mir doch manchmal bin, das ist so ein Moment.




Ich habe gerade keine Kraft mehr, um das zu tun, was ich gesagt habe: meine Geburtstagsgeschenke in mehreren Posts vorzustellen. Ich muss mich erst mal an meinen neuen extremen Lebensabschnitt gewöhnen. Ich muss lernen, mit dem Stress umzugehen, dann kann ich auch weiterhin tun, was ich tun möchte. Das Einzige, was ich jetzt noch tun werde, ist mit Tobi skypen, er verdient die Wahrheit. Ich kann für heute nicht mehr, gute Nacht.



Aber ich beschwere mich nicht!
Lots of Love,
Eure Eileen

Donnerstag, 12. Juli 2012

"Alles wird gut", flüsterte ich meinem Spiegelbild zu.

Coucou!

(to) admire – bewundern
(to) apologize – sich entschuldigen
(to) be afraid – Angst haben
(to) be confused – verwirrt sein
(to) be jealous – eifersüchtig sein
(to) be replaced – ersetzt werden
(to) be strong – stark sein
(to) be ugly – hässlich sein
(to) begin over again – nochmal neu anfangen
(to) break down – zusammen brechen
(to) change – ändern
(to) collapse – zusammenbrechen
(to) conceal – verschweigen
(to) cry – weinen
(to) die – sterben
(to) dream – träumen
(to) escape – fliehen
(to) fail – versagen
(to) fake – fälschen
(to) feel alone – (sich) einsam fühlen
(to) fight – kämpfen
(to) fly – fliegen
(to) give up – aufgeben
(to) hate – hassen
(to) hold out – durchhalten
(to) hug – umarmen
(to) kiss – küssen
(to) lie – lügen
(to) live – leben
(to) loose somebody – jemanden verlieren
(to) love someone – jemanden lieben
(to) make mistakes – Fehler machen
(to) miss someone – jemanden vermissen
(to) pretend – so tun als ob
(to) remember – sich erinnern
(to) run away – weglaufen
(to) shatter – zerbrechen
(to) smile – lächeln
(to) stay strong – stark bleiben
(to) suffer – leiden
(to) trust – vertrauen
(to) try to be perfect – versuchen, perfekt zu sein
(to) wish – wünschen


Ich wurde angenommen. Ab August mach ich einen viermonatigen Tanzlehrgang mit meiner Tanzschule, dann dürfen wir in Berlin, Frankfurt, Hamburg und München auftreten. Und ab März geht's ab nach Spanien.

Mit tanzen Geld verdienen - so schön ist das Leben!

Lots of Love,
Eure Eileen