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Samstag, 27. April 2013

Never again!

Ich wollte ja eigentlich ein bisschen mehr zu der einen Woche des Schreckens schreiben. Wo wir waren, was genau wir gemacht haben, wie sich das angefühlt hat. Es funktioniert aber nicht. Was habe ich geheult! Was bin ich jetzt noch entsetzt, wenn ich daran denke. Wenn man sich eine Woche lang jeden Tag den gleichen Horror angeguckt hat, dann hätte mir schon vorher klar sein müssen, dass ich es danach nicht schaffe, aufzuschreiben. Eine Sache habe ich vollbracht: Meine Ausgabe vom Tagebuch der Anne Frank liegt jetzt auf Annes und Margots Grab.

http://www.weheartit.com/

So eine Rundfahrt ist kein Zuckerschlecken für die Seele, man sollte sich das genau überlegen. Ich war da relativ naiv, den Preis hab ich jetzt zu zahlen. Man vergisst es nicht, man bekommt die Bilder und Vorstellungen nicht mehr aus dem Kopf, man kann es nicht beschreiben.

ES GIBT KEINE WORTE DAFÜR, DIE ES AUCH NUR ANSATZWEISE BESCHREIBEN. UND VORSTELLEN KÖNNEN WIR UNS DAS IN UNSEREM ALTER SOWIESO NICHT MEHR!

Sonntag, 14. April 2013

Eine Woche Stillschweigen.

Morgen müssen wir leider auch Florenz wieder verlassen, was werde ich sie alle vermissen! Ich habe gerade eigentlich gar nicht mal viel zu sagen, aber ich muss was schreiben, denn morgen beginnt unsere KZ-Rundfahrt. Ich habe keine Angst, aber ein bisschen mulmig wird einem da schon. Vor allem, wenn man sich erinnert an Filme, Bücher oder Grabsteine.
Wir müssen zuallererst nach Mailand fliegen, von dort aus geht es mit dem Bus los nach Mauthausen. Ich werde die Woche über kein Internet haben, aber sollte ich danach eine Weile nicht bloggen, hat das den einfachen Grund, dass mir zu viele Dinge durch den Kopf gehen und ich nicht weiß, was ich zuerst aufschreiben soll. Und vor allem, weil es danach ja heftig in Rumänien weiter geht...

Quelle: Google

Samstag, 23. Februar 2013

Planänderung.

Gestern kam ein schwedischer Vertreter unserer Auslandsorganisation vorbei und wollte mit uns sprechen. Ich war schon völlig schockiert: Haben wir irgendwas falsch gemacht? Der Typ, Björk, ein sehr netter Schwede, hat uns dann sofort beruhigt, dass alles gut wäre, aber der Hammer kam dann trotzdem noch. Unser Arbeitsplan wird geändert.

Ursprünglich wäre es jetzt folgendermaßen weitergegangen:

  • nächste Woche Kiew/Ukraine
  • übernächste Basel/Schweiz
  • danach Lyon/Frankreich
  • Cardiff/Wales
  • Florenz/Italien
  • zurück nach Deutschland 

Dann wäre es Anfang April, wir hätten ungefähr eine Woche Zeit gehabt, um uns wieder in unserem deutschen Leben zurückzufinden, und dann wäre es für mich zurück nach Spanien gegangen, für meinen Freiwilligendienst. Der würde bis August dauern. Jetzt ist alles anders.
Unsere Workshops und auch mein Freiwilligendienst hängen zusammen, das wird alles von ein und der selben Organisation gefördert, geplant und präsentiert. Deshalb haben die extrem viel Spielraum, was sie mit uns machen können. Und nun wurden wir noch für ein weiteres Projekt genommen. Es ist auch wieder ein Freiwilligendienst, das bedeutet, wir bekommen dafür kein Geld, wie das jetzt bei den Workshops der Fall ist. Unser neuer Plan sieht folgendermaßen aus:
  • zwei Wochen Kiew/Ukraine (weil die Leute dort absoluten Personalnotstand ausgerufen haben, do wie ich das jetzt verstanden habe)
  • eine Woche Basel/Schweiz
  • zwei Wochen Lyon/Frankreich (auf Frankreich freu ich mich seit dem Anfang!)
  • eine Woche Cardiff/Wales
  • eine Woche Florenz/Italien (aha, Italien schaffen wir also doch noch, die brauchen da auch Leute!)
Dann sind wir für eine einwöchige Busfahrt eingetragen, die aber nicht direkt etwas mit Arbeit zu tun hat, eher mit Geschichte, Gedenken und Stille. Wo fährt dieser Bus hin? Ganz ehrlich, so etwas wollte ich schon immer mal machen, aber allein trau ich mich einfach nicht: Konzentrationslager , oder das, was von ihnen übrig geblieben ist, anschauen.
Angefangen in Mailand geht es nach Mauthausen, Dachau, Flossenbürg, Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau (davor fürchte ich mich ehrlich gesagt), Belzec, Treblinka, Sachsenhausen, Ravensbrück, Neuengamme, Bergen-Belsen (auch davor habe ich Angst, vor allem weil ich spontan ein Exemplar "Das Tagebuch der Anne Frank" mitgenommen habe, wahrscheinlich werde ich es dort lassen) und es endet in Buchenwald. Meistens stehen natürlich nur noch Gedenkstätten oder Friedhöfe, aber es wird wahrscheinlich trotzdem eine ganz neue Erfahrung werden.

Und wenn man denkt, härter kann es nicht kommen (ich werde weinen, ich kenne meine schwachen Nerven, deshalb würde ich so eine "KZ-Rundfahrt" niemals alleine machen, ein Glück kommt Tobi mit), dann haut Björk noch einen größeren Hammer heraus!

Denn danach sind wir für drei Wochen in Cluj/Rumänien. Ich weiß, man hört viele Horrorgeschichten über die Lebensbedingungen der "Zigeuner" am Rande der Mülldeponie und ich muss Euch sagen: genau das wird unsere Arbeit sein. Björk meinte, dass es heftiger wird als Irland und Kroatien zusammen, weil wir mit sehr viel Elend konfrontiert werden. Nicht zu vergessen die Konzentrationslager. Dabei dachte ich eigentlich, dass mich nach Irland erst mal so schnell nichts mehr erschüttern kann. Oh doch! Wir wurden gefragt, ob wir damit einverstanden sind. Tobi und ich haben uns angesehen und uns war sofort klar, dass wir das machen wollen. Wenn man Menschen helfen kann, wieso sollte man es nicht tun? Es wird hart, elendig und furchtbar, das hat er uns auch klar gemacht, aber wir wollen nicht die Augen davor schließen, sondern verändern und darauf aufmerksam machen.

Ganz genau kenn ich unsere Arbeit in Cluj/Rumänien noch nicht, aber so viel vorneweg: Rumänien ist das zweitärmste Land der EU und dort lebt eine "Minderheit" von Sinti und Roma, abwertend "Zigeuner" genannt, obwohl ich das Wort Zigeuner eigentlich immer süß und schön fand, nachdem ich als Kind "Der Glöckner von Notre Dame" gesehen hatte, da ist das Wort Minderheit viel schlimmer. Klar wurden Zigeuner auch im "Glöckner von Notre Dame" gejagt, verbannt, verraten, gehasst, schikaniert, verhöhnt und eingesperrt, aber ich fand dieses Volk viel sympathischer als die ganze Pariser Stadtbevölkerung, obwohl sie sicherlich gestohlen, gelogen und sich gewaltsam das genommen haben, was ihnen ihrer Meinung nach zusteht.
In Rumänien wurden "Zigeuner" noch nie vollkommen integriert, sie gelten eher als Plage. Wahrscheinlich ist das noch vom Zweiten Weltkrieg hängen geblieben, meine Fresse. Sicherlich haben die Rumänen auch gar kein Geld dazu, das Elend am Rande der Müllkippe von Cluj zu bekämpfen. Aber wenn wir dort sind, schreib ich alles genau auf, allein schon mal für mich selbst, um zu verarbeiten.

Nach diesen drei Wochen ist es Ende April, wo ich eigentlich schon längst in Spanien sein müsste, aber das wurde alles nach hinten verlegt. Wir haben dann zwei Wochen Auszeit bekommen und werden definitiv zurück nach Deutschland, nach Hause, fahren, damit ich mich richtig auf meinen Freiwilligendienst, der dann nur noch fünf Monate dauern wird, vorbereiten kann. Zurück geht es nach Valencia/Spanien. Ich freu mich. Vorher müssen wir allerdings Stärke beweisen.

Sonntag, 16. Dezember 2012

Ich hatte keine Kraft mehr. Es tut mir leid.

Coucou,

es gibt nichts zu sagen, ich weiß es selber. Über einen Monat habe ich nicht gebloggt. Und in diesem Monat habe ich mich irgendwie verändert, zumindest wird mir das gesagt.
Ich habe meinen Tanzlehrgang, der mit jedem Tag stressiger wurde abgeschlossen und alles andere so weit verarbeitet, dass ich jetzt erst mal so einigermaßen weitermachen kann. Jetzt habe ich erst mal bis Mitte Januar frei. Ein knapper Monat, in dem ich vielleicht ab und zu mal in der Tanzschule zu finden bin, aber ansonsten nichts mache, weil ich einfach erst mal Pause brauche, um wieder zu Kräften zu kommen. Dieser Tanzlehrgang ging fast an meine Grenzen, körperlich und auch seelisch. Ich bin klapperdürr, wiege erschreckende 42 Kilo und habe eine Ernährungsberaterin aufgesucht, wie ich am besten ganz schnell wieder zunehmen kann. In meinem Kopf herrscht leeres Chaos. Jeden Tag bis zum Umfallen tanzen zu müssen macht irgendwann die Psyche kaputt, selbst wenn man noch so gerne tanzt und nicht ohne kann. Ich bin letztendlich Fünfte geworden, habe also nicht das Treffen gewonnen. Alle sind neidisch auf die Gewinnerinnen, ich nicht. Ich brauche eine Auszeit, von allem. Essen, trinken, Tobi, alle anderen haben mich gefälligst in Ruhe zu lassen.
Ich wusste, dass es anstrengend wird, als ich im August diesen Lehrgang begonnen habe, aber so kräftezehrend habe ich mir das niemals vorgestellt. Noch dazu kam dieser psychische Druck, den sich die meisten Teilnehmerinnen gerne gemacht haben. Mobbing stand an der Tagesordnung. Meine liebe Freundin Nina wurde sogar einmal in der Umkleide eingeschlossen, damit sie ihre Prüfung verpasst hat, glücklicherweise durfte sie die nachholen. Ich mache mir Vorwürfe, dass ich das nicht mitbekommen habe.

Teilweise kam ich abends nach Hause, habe mechanisch etwas zu essen in mich hinein gestopft und bin dann ins Bett gefallen. Irgendwann war ich an Kopfschmerzen gewöhnt, Kaffee war mein ständiger Begleiter. Als einmal meine Tage ausblieben, war ich noch nicht einmal überrascht. Ein anderes Mal hat meine Mama mich ohnmächtig in der Küche inmitten von einem Haufen Scherben gefunden, ich war anscheinend beim Versuch, etwas zu essen, umgekippt. Sie wollte mir verbieten, in die Tanzschule zu fahren, eisern hab ich weitergekämpft. Und es nicht geschafft. Vielleicht bin ich an einer Universität doch besser aufgehoben als in einer Tanzschule.
Tobi ist aus England zurück, der ist in den letzten Wochen fast wahnsinnig geworden, weil er sich Sorgen gemacht hat. Zweimal haben wir uns über Skype gestritten: "EILEEN, ICH FAHR SOFORT LOS ZUM FLUGHAFEN, DU KANNST SO NICHT WEITERMACHEN." - "DU BLEIBST, WO DU BIST. UND ICH MACH WEITER." - "VERGISS ES, DIE MACHEN DICH KAPUTT." - "WAS VERSTEHST DU SCHON DAVON?" ... Es tut mir leid, Tobi. Ich liebe dich. Jetzt hab ich ihn wieder. Er macht sich aber immer noch verrückt vor Sorgen. Keine Angst, ich schaff das schon, ich geh nicht zugrunde.


Lange Rede, kurzer Unsinn. Aus diesem Grund habe ich in der letzten Zeit nicht gebloggt, weil ich einfach nicht mehr konnte. Jetzt geht es langsam wieder bergauf. Trotzdem danke für diese neue Lebenserfahrung.

Lots of Love,
Eure Eileen

Montag, 1. Oktober 2012

"Ich weiß, wie ihr euch fühlt." - Sei still, halt einfach die Klappe, du hast keine Ahnung.

Coucou!

Tja, was soll ich sagen? Am besten gar nichts. Es hat sich nichts verändert, aber alles ist anders. Das Schicksal meint es mal wieder nicht gut mit uns. Aber der Reihe nach. Als letztes war ja das Rachel-Problem aktuell, mein Gott, erscheint mir das jetzt bedeutungslos. Das wird ein langer Post, es gibt viel zu verarbeiten. Ich muss das alles loswerden und aufschreiben und ich brauche viele schöne Bilder für die Seele. Lasst mich, ihr versteht meine Welt eh nicht!
Ich weiß, ich wiederhol mich, aber da oben ist ein [x] für die, die es nicht wissen wollen.



Rachel hat immer noch nicht aufgegeben, aber Tobi bleibt ziemlich hart, das fühlt sich in meiner Seele irgendwie gut an, denn er will mich und keine andere, warum auch immer. Tja, Applaus Hure. Aber du bist ihm nicht gut genug. Du bist ja so geil und jeder steht auf dich. Nur er nicht. Er will mich.
Bin ich so gut? Ich sei die Beste, sagte er schlicht. Ich weiß ja nicht.
Am 8. September hatte er Geburtstag, endlich sind wir beide 19. Ja, Tobi ist ein paar Monate jünger als ich, na los, es gibt genug, dich sich ihre Mäuler darüber zerreißen, also tut es bitte auch, der Ordnung halber. Und für mein Image.
Nein, so ist das nicht gemeint, aber es regt mich trotzdem auf. Vielleicht versteht das ja einer.



Ich habe mal wieder nicht nachgedacht und frei nach dem Kurschlussreaktionsprinzip gehandelt. Dadurch, dass ich zu seinem Geburtstag ziemlich fertig war - der Tanzlehrgang, die Entfernung, die Eifersucht, die Anstrengung, die Sehnsucht - das wurde mir alles ein bisschen zu viel und ich hatte eine gelegentlich mal auftretende Austick-Phase, die sich zu einem explodierenden Pulverfass entwickelt hat. Sie fing damit an, dass ich mittlerweile nur noch 45 kg wiege und endete damit, dass ich mein gesamtes Studiumskonto leergepumpt habe und nach London geflogen bin. Tobi hatte Geburtstag, ich vermisste ihn, ich konnte nicht anders, ich musste es tun. Ergebnis: kein Geld mehr, Mama völlig sauer, wütend, besorgt und vorwurfsvoll, weil ich ihr kein Wort gesagt hatte. Sie ist fast wahnsinnig geworden, weil ich mich erst wieder Stunden später aus England gemeldet habe, Tobi auch nicht sonderlich begeistert (wobei er sich gefreut hat, mich zu sehen), er wusste von nichts, außerdem einen verlorenen Tag beim Tanzlehrgang, eine zickige und wütende Rachel und noch eine ganze Menge Stress und Ärger.



Ich weiß, das versteht keiner, aber ich musste es tun, ich konnte nicht anders. Ich habe mit ihm also seinen Geburtstag in London gefeiert, er hat mich mit zu seinem Arbeitsplatz genommen und mir seine Gastfamilie vorgestellt. Und Rachel habe ich auch kennen gelernt, wirklich eine arrogante Barbie-Puppe mit zehn Tonnen Schminke im Gesicht. Meine Fresse, war die sauer.

Meine Mama war doppelt sauer. Sie kommt von der Arbeit nach Hause und findet eine leere Wohnung vor. Kein Zettel, keine Nachricht. Und ich war nicht zu erreichen, weil ich im Flugzeug keinen Empfang hatte. Wenn ich unüberlegt handel, denke ich nur an die Hälfte, das kommt davon.

Als ich aus England wiederkam, hat Mama mich vom Flughafen abgeholt und mir die gesamte Autofahrt über Vorträge gehalten. Ja Mama, ich weiß, dass ich Mist gebaut habe, ich weiß auch, dass du dir Sorgen machst, aber ich bin mittlerweile 19 und nicht mehr dein kleines Küken.

Den einen Tag vom Tanzlehrgang, den ich verloren habe, war schwer, wieder aufzuholen und ich bin mittlerweile jeden Tag froh, wenn ich nach Hause komme und mich einfach nur auf die Couch packen kann. Vor allem zum Essen. Womit wir beim nächsten Problem wären: 45 Kilo. Als ich das auf der Waage gesehen habe, wäre ich vor Schreck fast umgefallen. Das geht ja gar nicht! Ich muss dringend essen. Disziplin, Madame. Ich fühle mich auch irgendwie komisch, ein bisschen schlapp, ausgepowert und kaputt. Dieser Tanzlehrgang zerrt ganz schön an den Kräften. Das wusste ich zwar vorher, aber hinterher ist man ja bekanntlich immer schlauer.

Damit könnte ich theoretisch noch leben, aber der nächste Hammer, der nun folgt, damit kann ich nur schwer leben, obwohl ich es muss.

Anne ist tot.




Ich weiß echt nicht, was ich dazu sagen soll, es ist noch so unwirklich und weit weg, das hat wahrscheinlich noch niemand realisiert. Es ist, als ob die Zeit stehen geblieben ist und sich nichts mehr bewegt.









Nichts hat sich verändert. Was nicht stimmt, weil sich alles verändert hat. Sie ist nicht mehr.




Sie wurde Ende August ins Krankenhaus eingeliefert, das hatte ich ja noch geschrieben, es sah nach einer Lungenentzündung aus. Anderthalb Wochen musste sie sich aufregen, wie öde und langweilig das Krankenhausleben doch ist, dann durfte sie endlich wieder nach Hause.
Am nächsten Abend war sie wieder wie immer, wir waren zusammen bei Freunden, das war zwar keine Party oder so, aber trotzdem hätten wir sie niemals mitnehmen dürfen!
Am nächsten Tag ist sie zusammengebrochen und wieder ins Krankenhaus eingeliefert worden. Disgnose: Lungenembolie. Ich frage mich, was die Ärzte bei ihrem ersten Aufenthalt gemacht haben. Karten gespielt? Geld verwettet? Däumchen gedreht?
Zwei Operationen, die zweite hat Anne nicht überlebt.




Ich habe das in der Mittagspause von meinem Tanzlehrgang erfahren, S. hat mich angerufen, das war der Schock des Tages. Wie geht man damit um? Ich habe erst mal weitergetanzt, ich brauchte irgendwas zu tun. Aber dann, wenn man nichts mehr zu tun hat? Zu Hause bin ich in Tränen ausgebrochen. Doch nicht unser Annchen! Ich konnte mich noch nicht einmal richtig von ihr verabschieden. Ich mache mir Vorwürfe, dass ich sie nicht öfter besucht habe, weil ich durch den Lehrgang total unter Strom stand, aber hätte, wenn und könnte...
Zwei Dinge stehen fest: Wir hätten sie niemals zu den anderen mitnehmen dürfen, wir haben versagt, wir haben nicht auf sie aufgepasst. Und hätten die Ärzte bei ihrer ersten Krankenhauszeit ihren Job richtig gemacht, würde Anne vielleicht noch leben. Soviel zur Theorie.
Ich könnte ehrlich gesagt immer noch heulen, dabei ist es schon eine Woche her. Alle unsere Freunde sind aus allen Ecken zurück gekommen, um diese schweren Stunden durchzustehen, letztes Wochenende ist sogar Steffie aus Tansania wieder eingeflogen und Linchen aus Russland zurück gekommen. Bei mir ist zurzeit I., die ihr FSJ unterbrochen hat. Zu Hause wollte sie nicht schlafen.
Tobi und J. kommen zur Beerdigung aus England und sogar unsere Amerikanerin Kathy aus Denver kommt wieder her. Meine Schwester aus Frankreich kommt auch, die muss ich am Freitag vom Flughafen abholen.

Am 8. Oktober ist die Beerdigung, das wird hart. Ich war noch nie auf einer Beerdigung, weil es bisher in meinem Leben niemanden gab, den man unter die Erde bringen musste, glücklicherweise. Aber ich hatte gehofft, ich kann bei meiner ersten Bestattung mit etwas weniger Heftigem anfangen. Doch nicht Anne! Das ist nicht fair, sie wollte doch noch so viel machen! In drei Wochen wäre sie 19 geworden.
Sie hat mir bei so vielem geholfen, ich konnte mich noch nicht einmal bedanken! Ich fühle mich so schlecht. Ich bin traurig, ich mache mir Vorwürfe, ich könnte den ganzen Tag heulen, ich will unsere Anne zurück haben!
Ich muss das alles aufschreiben, um zu verarbeiten, um nicht verrückt zu werden. Ich muss irgendwas tun, sonst geh ich kaputt. Ich dreh noch durch!

Ich habe schon angefangen, Briefe zu schreiben, zwei sind schon fertig. Das hilft irgendwie, ich wollte Anne doch noch so viel erzählen.








Sie wird immer einen Schlüssel zu meinem Herzen haben, ich habe sie dort mittlerweile eingeschlossen und die Schlüssel weggeworfen. Sie kommt dort nie wieder heraus.
Anne, ich liebe dich, wir lieben dich alle. Es tut uns leid, dass wir es nicht besser konnten, wir fühlen uns, als hätten wir dich zerstört. Niemand kann das wieder gut machen. Niemand kann beschreiben, wie schrecklich wir uns fühlen. Niemand kann es ändern, niemand kann es erklären. 

Die Zeit bleibt stehen, ich will in die Kirche gehen und Millionen von Teelichtern für Anne anzünden, dabei bin ich gar nicht gläubig. Ich denke, ich werde es in dieser Woche trotzdem machen, I. und S. kommen bestimmt mit.


Ich habe seit anderthalb Wochen nicht mehr als 20 Stunden geschlafen, jede Nacht immer ein bisschen, die meiste Zeit war ich wach und hab vor mich hin gequietscht. Ohne heulen bin ich wohl kein Mensch. Ein Wunder, dass ich bei dem ganzen Stress, der mich zurzeit so umgibt, noch nicht zusammen gebrochen bin.



Ich muss ans Meer, Ostseeluft um mich herum. bestimmt machen wir das morgen alle zusammen, ist ja Feiertag. Lagerfeuer am Strand, Gitarren mit, Salz in den Augen, Meeresgeruch im Haar, Sterne, ... ohne Anne...
Jetzt weine ich schon wieder...


Hilft nichts, da müssen wir durch.


Lots of Love,
Eure traurige Eileen

Dienstag, 4. September 2012

Sieh es ein, Süße. Mein Freund steht nicht auf Nutten.

Coucou!

Schlechte Zeiten, ganz schlechte Zeiten. Ich werde verrückt vor Angst, Eifersucht, Unwissenheit und Tränen. Am liebsten würde ich meine Tasche packen und nach England fliegen, völlig egal, woher ich das Geld dafür nehme.


Was ist passiert?

Tobis Gastschwester in London versucht immer noch wie verrückt, ihn anzuflirten. Er ist genervt, denn sie ist ein gottverdammtes Miststück und küsst ihn, wenn er schläft. Er wird wach und schmeißt sie raus, aber sie hat für's Erste ihr Ziel erreicht.
Er hat mir davon über Skype erzählt, er ist wütend und will eigentlich die Gastfamilie wechseln. Dann wäre aber sein jetziger Job in Gefahr.

"Rachel wird immer weitergehen, bis sie das bekommt, was sie will. Sie berührt mich ständig im Vorbeigehen und streift meine Hände. Sie versucht, sich auszuziehen, wenn ich in ihrer Nähe bin. Sie kommt einfach so in mein Zimmer und fängt an, Dinge zu erzählen, die ich gar nicht wissen will. Meinetwegen, wie viele Männer sie schon im Bett hatte, wie geil die das immer fanden, und so weiter. Ne größere Schlampe hab ich noch nie getroffen. Es ist offensichtlich, was sie will. Sex. Aber Eileen!? Ich werde nicht nachgeben! Das musst du mir glauben! Ich werde nie im Leben mit dieser ignoranten und arroganten Person irgendetwas anfangen, dafür liebe ich mein Mädchen in Deutschland viel zu sehr. Vertrau mir."



Oh, wie süß. Ich vertraue ihm grenzenlos, aber es fühlt sich so seltsam an. Das darf es nicht, deshalb hab ich es durchgestrichen. Angst.
Wer weiß, was diese Rachel sich als nächstes einfallen lässt!? Was soll ich machen? Am liebsten würde ich Tobi bitten, dass er zurück nach Hause kommt, aber das kann ich nicht von ihm verlangen. Er hat Völkerstämme in Bewegung gesetzt, um diesen Job in London zu erhalten, ich kann ihm das nicht nehmen. Und selbst wenn er das jetzt hier liest, Tobi, du darfst auf keinen Fall nach Hause kommen, auch wenn ich noch so sehr leide. Ich bin egal, es ist deine Zukunft. Und werd nicht sauer, weil ich das jetzt in dieser Form aufgeschrieben habe, es tut mir leid.



Aber noch was Positives: Ich wurde heute indirekt gelobt! Ich könnte zerplatzen vor Stolz! Eine der Tanzmanagerinnen sagte zu nach einer Übungsstunde zu ihrer Kollegin: "Diese Eileen ist ein sehr vielversprechendes Talent, sie erzählt beim Tanzen eine Geschichte, das gefällt mir. Ich denke, dass sie es unter die fünf Besten schafft."

Oh, wow! Ich bin happy! Das macht einen so unglaublich stolz! Dann hat sich die harte Arbeit also gelohnt! Jetzt nur nicht nachgeben. Weitermachen. Selbst wenn es noch so anstrengend wird.



Lots of Love,
Eure Eileen

Mittwoch, 6. Juni 2012

Entscheidungsfreudig war ich noch nie.

Coucou!


Ich habe nachgedacht. Eine halbe Ewigkeit, so kommt es mir jedenfalls vor, und doch ging die Zeit so schnell vorbei. Preisfrage: Was wird aus diesem Blog? Die Entscheidung ist gefallen. Er wird keinesfalls gelöscht, ich schreibe weiter, aber ich werde ein paar Dinge verändern. Sobald ich meine neue Kamera habe, werde ich eigene Bilder veröffentlichen. Alles, was mich beschäftigt: Klamotten, Schuhe, Kosmetik, Bücher, einfach mein Leben.
Ich muss mich an diese Entscheidung gewöhnen, denn sie fällt mir schwer. Was ist passiert?
In meinem alten Leben - als ich noch in L. gewohnt habe, da hatte ich eine Freundin in meiner Klasse, die anfangs ziemlich in Ordnung zu sein schien. Nicht so verlogen und ignorant wie die anderen. Dachte ich. Wir haben ziemlich viel zusammen gemacht, ich habe ihr vertraut. Und ihr sehr viel erzählt. Irgendwann wurde mir ein kleiner Zettel zugesteckt von einem Mädchen, das ich nicht mal kannte. Dadrauf stand: Dein Leben geht ja voll ab, hab selten so gefeiert. Die Aufmerksamkeit brauchst du wohl.
Ich hab überhaupt nicht kapiert, was los war. Von mehreren Seiten bekam ich den Tipp, doch mal das Internet durchzustöbern, und das habe ich gemacht. Das böse Erwachen: meine "Freundin" hat eine Seite erstellt, die in der ganzen Schule bekannt war. Auf dieser Seite veröffentlichte sie Lügen und Unwahrheiten über mich, außerdem persönliche Daten wie Adresse und Telefonnummern. Ich bekomme heute noch diverse E-Mails von Leuten, die meine neue Mail-Adresse, die in irgendeiner Form mit der alten, die ich natürlich gelöscht habe, verlinkt war, herausbekommen haben. Es hält sich in Grenzen, deswegen werde ich nicht noch mal alles löschen, es nervt einfach nur.
Auf dieser Seite konnte die ganze Schule mein falsches Leben lesen. Meine Mutter würde von Hartz IV leben und sich häufig auf den Straßenstrich stellen, um was dazu zu verdienen. Ich hatte angeblich schon alle Typen von der Nachbarschule im Bett gehabt, selbst die aus der 6. und 7. Klasse, weil ich es einfach gebraucht habe. Ja, is' klar. Mit vierzehn, sicher. Es gab viele Fotomontagen, wirklich schlechte Fälschungen, doch sie wurden behandelt wie Originale. Da war ich dann natürlich die größte Schlampe der Schule.
Alle Leute von meiner Schule haben sich darüber das Maul zerrissen, jeder konnte das kommentieren, alle haben mein Leben zerfetzt. Da wurde so viel kaputt gemacht, durch Lügen und Betrug. Ich habe so oft geheult, weil ich das nicht mehr aushielt. Es gab nicht einen Tag, an dem ich nicht darauf angesprochen wurde: "Du bist schon so ein kleines Miststück, nicht wahr?" - "Für alles zu haben? Ja, so siehst du auch aus." - "Na Süße, zu wenig Aufmerksamkeit?" - "Schon scheiße, wenn man nur zwei Titten als Charakter hat, oder Schlampe?" - "Wechsel mal deinen Charakter, Hure ist total out." - "Wenn Schlampen leuchten würden, wärst du Las Vegas."




Das waren noch die harmlosesten Sprüche. Weh tat es trotzdem. Wir mussten eine neue Telefonnummer haben, ich bekam ein neues Handy und löschte meine E-Mail-Adresse. Umgezogen sind wir auch, zwei Straßen weiter. Das war alles teuer und wir hatten eigentlich sowieso kein Geld, aber Ärger bekam ich von meiner Mama nicht, ich konnte ja schließlich nichts für. Sie meinte nur, dass ich in Zukunft vorsichtiger sein sollte, wem ich mein Vertrauen schenke und wem nicht. Daran halte ich mich bis heute. Vertrauen ist wertvoll.
Wir sind aus L. weggezogen, weil ich die Beschimpfungen nicht mehr aushielt. Ich hatte Angst, zur Schule zu gehen, ich wollte nicht mehr. Meine Mama ist zur Polizei gegangen, doch das Einzige, was erreicht werden konnte, war, dass die Seite gelöscht wurde. Die Beschimpfungen blieben.




Aus diesem Grund hasse ich Internet. Ich habe Facebook, aber außer einem Profilbild habe ich noch nie ein Foto von mir hochgeladen. Ich hasse Facebook und regel irgendwelche Dinge lieber per Mail, SMS oder Anruf. Meine jetzigen Freunde, die ich hier in meinem neuen Leben gefunden habe, fragen mich vorher, wenn sie ein Bild hochladen wollen, wo ich mit drauf bin, weil sie es mitbekommen haben, dass ich ein gestörtes Verhältnis zum Thema Internet habe. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar.
Deshalb fällt es mir schwer, diesen Blog umzustalten, auch wenn ich es vielleicht gerne möchte. Wahrscheinlich werde ich trotzdem nicht mein Gesicht zeigen, ich will nicht, dass Leute aus L. mich wiedererkennen, wobei es unwahrscheinlich ist, dass sie diesen Blog jemals zu Gesicht bekommen. Es tut mir leid, aber ich hasse es.


Lots of Love,
Eure Eileen

Montag, 9. April 2012

Entzugserscheinungen, völlig verrückt!

Coucou!

Ich bin ja mal wieder sehr widersprüchlich. Einerseits ohne Internet leben wollen, andererseits nach drei Tagen ohne Bloggen gleich mehrmals am Tag posten. Ach, egal. Das ist meine Sache.
Meine Mama und ich waren Eis essen. Es ist zwar nicht das Wetter dafür, aber das ist meinem eisverwöhnten Magen ziemlich Banane, der würde auch im tiefsten Winter bei -20 °C dazu nicht Nein sagen. Ich bin ja komisch.
Jetzt sind wir wieder alle bei R., um uns weiter aufs Abi vorzubereiten. Die kommen aber alle zu spät, Tobi und ich sind die Ersten. Na ja, ich darf mich nicht beklagen, heute geht's hauptsächlich noch mal um Mathe. Mein Spazialgebiet, na klasse. Aber Flori hat sehr viel Geduld!

Ahh, jetzt kommen S. und Wiebke, es geht los!
Lots of Love,
Eure Eileen

Freitag, 16. März 2012

Diese Stimme, die schreit: "Versagerin!"

Coucou, meine Lieben!

Das Beten hat nichts genützt. Meine Mathelehrerin war gestern da und natürlich haben wir den Test geschrieben, unsinnigerweise, denn eigentlich hat die gesamte Klasse schon genug Noten. Aber vielleicht legen es einige ja darauf an, anderen zu schaden. Ich stelle mir oft vor, wie viele Lehrer zu Hause sitzen und sich schadenfroh die Hände reiben über das grauenvolle Schicksal, das der 0-8-15-Schüler mal wieder erleiden muss.
Ich habe für den Mathetest wie wild mit Tobi gelernt, er kann das echt gut, er hat 12 Punkte in seiner Klausur geschrieben. Und er kann mir das auch gut erklären, besser als meine Mathelehrerin jedenfalls. Aber ich war trotzdem total unsicher. Die Aufgaben waren ziemlich dämlich, wir durften außerdem keinen CAS benutzen, sondern mussten das Ganze auch noch zu Fuß ausrechnen, das überfordert mich immer total. Es hat also wieder nichts genützt. Selbst der kleine Glücksbringer, den Tobi mir gegeben hatte, half nicht viel. Oje.

Ich bin aber auch eine Versagerin.

Meine Vergangenheit hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Wie wahr, wie wahr.
Ich bin eine Versagerin. Das Wort scheint auf ewig eingebrannt in meinem Kopf zu sein. Und ich kriege es da nicht mehr raus. Mein Leben lang habe ich es gehört und es selbst gelebt, denn wie soll ein kleines dummes Mädchen begreifen, was richtig und was falsch ist, wenn es seiner Umgebung nicht trauen kann?
Ich verachte die Zeit in L. Ich denke, das kann man schon aus früheren Posts herauslesen. Sie ist prägend für mein weiteres Leben, aber ich verachte sie abgrundtief. Denn sie hatte niemals etwas Gutes für mich übrig. Deshalb glaube ich auch nicht an Gott, denn er ist für mich noch nie dagewesen. Und das, obwohl ich eigentlich evangelisch bin und konfirmiert wurde.
Man sagt ja, man sollte niemals etwas bereuen, wenn man in diesem Moment glücklich gewesen ist. Ich war in L. aber nicht glücklich. Deshalb verachte ich es. Bereuen kann ich es nicht, denn das würde für mich bedeuten, als ob ich meiner Mama die Schuld dafür gebe, und das wäre sehr unfair dem gegenüber, was sie alles für mich tut.

Gestern hatte ich außerdem Sport. Es war extrem anstrengend und eigentlich auch total brutal, unser Sportlehrer ist ziemlich ruppig.
Ich habe mit Tobi Sport und zurzeit machen wir im Semester Hockey. Gehört definitiv nicht zu meinen Lieblingssportarten. Ich habe es nur genommen, weil ich nicht Athletik machen wollte. Tobi und ich machen in Sport alles, was paarweise gemacht werden muss, zusammen, das macht das Ganze ein bisschen erträglicher. Er hilft mir, denn wenn ich etwas nicht besonders mag, bin ich automatisch nicht besonders gut drin. Das war schon immer so.
Wir hatten heute schon wieder Leistungskontrolle, die bombardieren uns mit Noten. Es ging heute um etwas, das man nicht üben kann. Entweder man kann es oder man kann es nicht. Ich habe 8 Punkte und bin im Prinzip sehr zufrieden damit. Damit kann ich nach Hause gehen.
8 Punkte sind die goldene Mitte, nicht wirklich gut, aber okay. Mehr brauche ich in Hockey nicht, denn man muss da wirklich aufpassen, dass man den ganzen Spaß überlebt. Ist natürlich leicht übertrieben, aber nur leicht. Die Jungs finden Hockey natürlich große Klasse, endlich einmal nur draufhauen.


Aber den nächsten Film habe ich noch für Euch, den ich sehr liebe und immer wieder gerne gucke.

Grüne Tomaten

Ein wundervoller Film fürs Herz. Bei Youtube gibt es keinen brauchbaren Trailer, deshalb kann ich Euch nicht verlinken, aber man kann sich den gesamten Film auf deutsch ansehen. Ohne Sperrung, Wahnsinn. Ich weiß, ich war selbst sehr überrascht. Schaut Euch "Grüne Tomaten" doch einfach mal an ;)

Es geht um Selbstvertrauen, Freundschaft, Mut und Gerechtigkeit im Sinne von Rassismusbekämpfung.

Die Hausfrau Evelyn ist nur spärlich mit Selbstbewusstsein ausgestattet und außerdem am Anfang der Wechseljahre. Ihr Ehemann Ed nimmt sie kaum noch wahr, sie ist mit ihrer Ehe unglücklich und besucht sehr viele Beratungskurse, die ihr aber auch nicht weiter helfen.
Einmal pro Woche fahren Ed und Evelyn ins städtische Altersheim, um Eds Tante zu besuchen, die Evelyn aber niemals sehen will. Diese wartet immer ganz ruhig und artig im Aufenthaltsraum, wo sie sich eines Tages mit der Seniorin Ninny Threadgoode anfreundet, die ihr die Geschichte einer jungen Frau in den 1920er und 1930er Jahren (in Alabama und Georgia) erzählt.

Idgie Threadgoode ist ein eigenwilliges, stures und widerspenstiges Mädchen, das niemanden an sich heran lässt außer seinen großen Bruder Buddy. Dieser ist in die schöne Ruth Jamison verliebt. Auch Ruth hat Gefühle für ihn, doch noch bevor etwas daraus werden konnte, verunglückt Buddy bei einem Zugzusammenprall tödlich. Idgie ist am Boden zerstört und total verbittert. Sie schottet sich ab und erst nach Jahren gelingt es Ruth, eine innige Freundschaft zu ihr aufzubauen. Ruth ist immer die Bravere der Beiden, Idgie die Draufgängerin. Sie pokert stundenlang mit den Jungs aus dem örtlichen Club, trinkt Alkohol und angelt.
Bald darauf heiratet Ruth und zieht nach Georgia, wo Idgie sie Jahre später einmal besucht. Dort erfährt sie, dass Ruth von ihrem Ehemann Frank Bennett geschlagen wird. Nach dem Tod von Ruths Mutter ist Ruth bereit für ein neues Leben und schreibt Idgie. Diese, inzwischen überaus selbstbewusst, forsch und burschikos, rückt mit zwei Männern an und nimmt die schwangere Ruth kurzerhand mit. Gemeinsam betreiben sie in Alabama das "Wistle Stop Café", in dem es gebratene grüne Tomaten gibt. Sie müssen sich unter anderem gegen Rassismus wehren, da es einigen Stadtbewohnern nicht passt, dass Idgie und Ruth erstens Afroamerikaner bedienen und dass zweitens solche auch noch im Café arbeiten. Der Barbecue-Meister Big George und seine Familie gehören zu Idgies engsten Freunden und arbeiten auch im Café. Sie sind dunkelhäutig.
Außerdem kreuzt auch Frank Bennett auf, der Ruth das Kind wieder wegnehmen will, welches sie Buddy genannt hat. Nach seinem Auftauchen ist er spurlos verschwunden. Ein Sheriff sieht sich vor Ort um, um Spuren zu finden. Als man Frank Bennetts Auto aus dem Fluss zieht, wird Idgie Threadgoode wegen Mordes an Frank Bennett angeklagt.
Bei der Gerichtsverhandlung wird Idgie freigesprochen. Sie bekam unerwartet Hilfe vom Pfarrer, der bei einem Meineid nicht auf eine Bibel, sondern verborgen auf eine Ausgabe von Moby Dick schwört.
Ruth stirbt 1939 an Krebs, was ein bitterer Verlust für Idgie und Buddy jr. ist. Das Café schließt, "und im selben Moment hört das Herz der Stadt zu schlagen auf."

Im Laufe der Geschichte, die sich über eine längere Zeitspanne hinzieht, entwickelt Evelyn immer mehr Selbstbewusstsein. Sie sagt ihrem Mann ordentlich die Meinung, fängt wieder an zu arbeiten und wehrt sich. Ihr Vorbild ist Idgie, die unerschrocken ihren Weg geht.

Als Evelyn das nächste Mal ins Altersheim geht, erfährt sie, dass Ninny zurück nach Hause gegangen ist. Ninny wohnt in Wistle Stop, wo Evelyn hinfährt und Ninny mit zu sich und Ed nimmt. In Wistle Stop erzählt Ninny ihr den Rest der Geschichte, das, was wirklich passiert ist.

Der aggressive Ehemann Frank Bennett ist an jenem Abend, als er versuchte, Ruths Kind zu stehlen, von der afroamerikanischen Köchin Sipsey mit einer gusseisernen Bratpfanne erschlagen worden. Big George verarbeitet die Leiche schließlich zu Barbecue, welches auch der Sheriff lobt. Idgie lenkte den Mordverdacht auf sich, um die Köchin zu schützen, welche vor Gericht mit der Konstellation "Täter schwarz, Opfer weiß" keine Chance gehabt hätte.

Ninny und Evelyn stehen zusammen vor Ruths Grab, wo Idgie, die heute noch lebt, einen kleinen Zettel hinterlassen hat. Oft könnte man denken, dass Ninny eventuell Idgie sei, aber sie ist nur eine Schwägerin von ihr. Das Ende ist offen.

"Weißt du, wir hatten hier mal einen wunderschönen See. Darin konnte man baden und wir haben hier geangelt. Dann, eines Abends im November passierte etwas ganz Eigenartiges. Es landete ein Schwarm Enten direkt auf dem See. Und plötzlich fiel die Temperatur so stark, dass der gesamte See mir nichts, dir nichts zufror. Da flogen die Enten wieder weg und haben den See mitgenommen. Und jetzt liegt er irgendwo in Georgia."
Buddy Threadgoode


Das war's. Mehr habe ich heute nicht zu sagen. Morgen ist Tanzaufführung, deshalb werde ich heute mal früher als sonst ins Bett gehen. Außerdem kommt Tobi nachher noch von der Arbeit und schläft bei mir :)

Also gute Nacht, Ihr Lieben!
Eileen

Sonntag, 11. März 2012

Ich konnte drei Aufgaben in Mathe: Name, Klasse, Datum ...

Coucou!

Ich bin wieder zu Hause. Und H. ist gut in Frankreich angekommen. Ich habe im Zug geweint. Ich gebe zu, das tue ich oft, deshalb war ich darüber nicht besonders überrascht gewesen. Aber ich habe mir in diesem Moment Tobis Anwesenheit gewünscht.
Ich bin mit dem Zug von H. nach L. gefahren, denn eine Tante von Tobi hat die gesamte Familie zu sich eingeladen, nur mal so. Es wurde also noch ein schönes Wochenende, auch ohne meine Schwester. Das wird total merkwürdig, wenn sie ab morgen nicht mehr neben mir in der Schule sitzt.

Wenn Du Dir eine übernatürliche Fähigkeit aussuchen könntest, welche würdest Du wählen? - Mich unsichtbar machen können.

Hm. Sonntag. Wochenende also bald vorbei. Heute sind wir nach Hause gefahren, dann habe ich mit Tobi noch ein bisschen gelernt, weil wir am Donnerstag Mathe-Test schreiben. Davor fürchte ich mich jetzt schon, aber Tobi geht da immer sehr zuversichtlich und geduldig heran.


Jetzt geht's gleich ab ins Bettchen, Tobi liegt da schon und wartet auf mich. Es ist 23.54 Uhr. Der Tag hat also noch 6 Minuten. Jetzt noch 5. Und so weiter ;)

Gute Nacht, xoxo!