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Freitag, 24. Januar 2014

Andenken.

Coucou,

wisst ihr, man tut Sachen und weiß danach nicht, warum. Man möchte Dinge und kann sie trotzdem nicht erreichen, weil das Schicksal es nicht gut mit einem meint. Dieser Blog war mein Baby. Mein persönliches Tagebuch, in das ich alles hineinschreiben konnte, was ich wollte. Völlig anonym und unverfroren konnte ich die Eileen sein, die ich bin. Das kann ich auch immer noch, mein Baby ist noch da. Aber irgendwas ist anders. Ich habe auch drüber nachgedacht, ob ich mein Marmeladenglas löschen sollte, mich dann aber dagegen entschieden.

Es ist ein Dreivierteljahr her, als man zum letzten Mal was von mir gehört hat. Ich lebe noch, das mal zum Anfang. Und es geht mir gut. In meinem Leben hat sich nicht viel verändert und gleichzeitig hat sich alles verändert. Ich würde sagen, ich bin erwachsener geworden. Ich bin immer noch mit meinem Freund Tobi zusammen und immer noch die Verrückte, die am liebsten den ganzen Tag in der Tanzschule verbringt. Das hat sich also nicht geändert.

Vor einem Dreivierteljahr befand ich mich gerade in Rumänien. Harter Job. Wenn ich so drüber nachdenke, waren alle unsere Freiwilligendienste (Work&Travel) harte Jobs, aber wir sind froh, dass wir sie erleben durften. Was ist dann passiert?



Nach den drei Wochen in Rumänien hatten wir erst mal eine Auszeit von zwei Wochen, die wir zu Hause in Deutschland verbracht haben. Es war wunderschön, so nach fast einem Jahr in der weiten Welt endlich mal wieder nach Hause zu kommen. In diesen zwei Wochen habe ich mir selbst auch strengstens verboten, irgendwas anderes zu machen als zu verarbeiten. Ich habe nichts geschrieben, ich habe nur nachgedacht. Ich bin viel tanzen gegangen, um mich zu beruhigen. Außerdem haben Tobi und ich uns die Mammutaufgabe gestellt, allen lieben Menschen, bei denen wir in gesamt Europa Zeit verbringen durften, ein Dankeschön zu schicken, das hat dann auch die vollsten zwei Wochen in Anspruch genommen. Tobi ist den lieben, langen Tag durch die Gegend gefahren und hat Geschenke gekauft und ich saß zu Hause und habe in mehreren Sprachen Briefe verfasst, Videos von uns beiden geschnitten, die Geschenke eingepackt und Fotos entwickeln lassen. Abends haben Tobi und ich uns dann immer hingesetzt, die Videos gedreht und uns Gedanken gemacht, wem wir was schicken könnten. Es war eine riesengroße Arbeit und hat uns viel Geld, Zeit und Nerven gekostet, aber das war es wirklich wert!

Von einigen bekamen wir dann auch ziemlich bald darauf eine Antwort, wir müssten sie besuchen kommen und wären jederzeit herzlich willkommen, aber das habe ich schon alles nicht mehr mitbekommen, denn für mich ging es nach den zwei Wochen vier Monate nach Valencia, Spanien. Neben meiner eigentlichen Arbeit in einem Kinderheim habe ich dort auch meine ehemalige Gastfamilie und unsere Schule, in der wir gearbeitet haben, besucht. Und natürlich auch die Tanzschule von damals, in der ich in jeder freien Minuten zu finden war. Sie haben mir dort Flamenco beigebracht, wofür ich sehr dankbar bin. Das sieht leichter aus als es ist und kostet einen sehr viel Übung und Körperbeherrschung.

Auch in Spanien habe ich keinen einzigen Tag gebloggt und ich muss gestehen, ich habe es nicht vermisst. Ich habe dort ein klein wenig die Mentalität der Spanier angenommen. Feuer im Blut, aber Ruhe in der Seele. Ich war dort so ausgeglichen wie noch nirgendwo anders, mir hat es an nichts gefehlt, abgesehen von Tobi, der in Deutschland geblieben ist und die vier Monate noch gearbeitet hat. Es ging mir dort gut, obwohl bei mir zu Hause die Welt zusammen gebrochen ist. Das Schicksal ist eben gnadenlos und schlägt manchmal liebend gerne zu.

Es war gerade die Hälfte von meinem Spanienaufenthalt um, als mich ein Anruf aus Deutschland erreichte: „Ihre Mutter wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Es geht ihr sehr schlecht. Ist es Ihnen möglich, herzukommen?“ – „Was ist passiert?“ Aber eigentlich wollte ich es gar nicht wissen, denn mein Verdacht bestätigte sich auch noch. Unsere Vergangenheit hat uns eingeholt. Meine Mama konnte nicht mehr. Natürlich musste ich zu ihr, ich muss immer bei ihr sein, wenn etwas ist, wir brauchen uns gegenseitig. Es gab nichts zu diskutieren, ich bin zurück nach Deutschland und war für sie da. Und sie für mich. Und Tobi für uns. .
Auch in dieser schweren Zeit gab es keine verfügbaren Nerven für mein Baby, ich wusste einfach nicht, was ich machen sollte, so weitermachen wie bisher kam mir zu banal vor. Dennoch bin ich wieder zurück nach Spanien gereist. Ich fühlte mich feige und egoistisch deswegen, aber ich habe meinen Freiwilligendienst mechanisch zuende geführt, mein Zertifikat bekommen und ab nach Hause. Es ging allen besser, aber die seelischen Narben bleiben. Auch meine.

Es war ursprünglich geplant, dass Tobi und ich zusammen in Rostock studieren. Aber als ich dann gerade frisch gebacken aus Spanien wiederkam, konnte ich Rostock nicht mehr sehen. Ich wollte weg von zu Hause und gleichzeitig auch meine Mama nicht alleine lassen, die mit mir jedoch ellenlange Diskussionen geführt hatte, dass ich mein Leben nicht aufgeben sollte, um ihres zu beschützen. Also sind Tobi und ich zusammen weggezogen, weit weg. Wir leben jetzt in Leipzig und studieren hier auch beide. Mein Studiengang hat keinen NC, also konnte ich nachträglich noch hineinrutschen, aber Tobi musste für seinen extrem kämpfen, hat es aber geschafft. Wir haben hier eine Wohnung gefunden, tolle neue Leute kennen gelernt und ich habe eine Tanzschule für mich entdeckt. Mein Studium macht mir Spaß, mit mir zusammen studiert Romy, und zwar genau das Gleiche, wir haben uns so kaputt gelacht, als wir uns im Vorlesungssaal zum ersten Mal gesehen haben. Ich habe Französisch, Spanisch und Italienisch – genau wie Romy auch. Ich wusste zwar, dass sie auch hier in Leipzig gelandet ist, aber bin trotzdem völlig gedankenversunken zur Vorlesung gegangen, um die Überraschung meines Lebens zu bekommen. Außerdem habe ich noch Rumänisch, voll gut, dann verlern ich wenigstens nicht sofort alles, was ich mir dort eingeprägt habe.

Da Romy und ich jetzt so ziemlich auf einen Haufen sind und uns jeden Tag sehen, haben wir beschlossen, unsere Babys zu verbinden, sie ist genauso eine Schreiberin wie ich. Sie hatte zwar bisher nie einen Blog, aber sie wird hier ab und zu ein paar Posts als Gastautorin verfassen. Wir haben uns natürlich einen ungünstigen Zeitpunkt für den Start ausgesucht, nächste Woche fangen unsere Prüfungen an und ich muss noch so viel lernen, aber in Angriff nehmen wollen wir das Ganze schon. Wir wollen diesen Blog, dieses Marmeladenglas zu zweit wieder aufleben lassen, ich will mein Baby nicht wegschmeißen. Und zu zweit ist vieles einfacher, dann muss ich nicht mehr ganz so viel Angst haben oder mich verstecken.
Romy ist ein bisschen offener als ich, wahrscheinlich wird sie der repräsentative Teil und ich der organisatorische. Wir wissen es noch nicht, wie wir das aufziehen wollen, aber wir möchte zu zweit etwas erreichen, was uns Spaß macht.

So viel von meiner Seite. Ich bin also nicht tot, sondern noch motivierter als vorher, etwas aus meinem Leben zu machen und nichts dem Zufall zu überlassen. Mein Name ist Eileen, ich lebe und ich bin glücklich.

Mittwoch, 24. April 2013

Elfte Etappe: Cluj/Rumänien

Ich habe eigentlich Stoff für 30 Posts, mir geht einfach so viel durch den Kopf. Die vor uns liegenden nur noch zweieinhalb Wochen sind das Ende unserer Freiwilligentour quer durch Europa. Und angesichts dem, was alles hinter uns liegt, habe ich beschlossen, ein paar Sachen anders zu machen. Ich werde jetzt erst mal nur über unseren neuen Aufenthaltsort berichten, es wird noch ein Florenz-Post kommen und einige Erfahrungsberichte zu der letzten Woche. Fotos habe ich keine gemacht, ich konnte es einfach nicht, und selbst wenn, dann hätte ich die euch sicherlich erspart.


http://www.weheartit.com/

Wir sind jetzt also in Cluj-Napoca, Rumänien. Eigentlich ist es eine schöne Stadt, nach außen hin. Aber ich finde sie hässlich, denn wenn man die schönsten Gebäude wegnimmt, kommt das Elend ans Licht. Generell ist hier alles ziemlich zeitgemäß entwickelt, die Stadt hat Kirchen, ein modernes, schick aussehendes Rathaus, Bibliotheken, Schulen, mehrere Universitäten, an denen auch deutsche Fächer und Studienrichtungen angeboten werden, viele Partnerstädte, Kinos, Theater, Opern, Museen, Sprachzentren, Forschungsstationen und solide Arbeitsplätze. Alles schön, wenn man ankommt. Aber ich habe nur drei Tage gebraucht, um das Mustersystem zu durchschauen.
Gestern waren wir zum ersten Mal im regierungsunabhängigen Informationszentrum für Roma und haben uns dort einen Vortrag über die Lebensbedingungen der in der ganzen Stadt verstreut lebenden Minderheiten angehört. Du gehst optmistisch rein und kommst schockiert wieder raus, leider wahr. Dieses Zentrum (Centrul de Resurse pentru Comunitatile de Romí) versucht, die Lebensstandards der Roma zu verbessern und ist für die nächsten knapp drei Wochen unser Arbeitsplatz.
Heute waren wir zum ersten Mal in Someseni, wo die Roma in ihrer Siedlung leben. Nur kurz, aber trotzdem schlimm. Den Rauch von der Müllkippe daneben riecht man noch vier Kilometer davon entfernt. Ich habe danach wirklich geweint und war so verdammt froh, dass Tobi bei mir ist.

Wir wohnen hier in einer kleinen Jugendherberge, was ich ziemlich gut finde. Sicherlich hätte ich es nicht schlimm gefunden, auch hier eine Gastfamilie zu haben, aber erstens steckt mir noch die gesamte letzte Woche in den Knochen und wahrscheinlich wäre ich dann für jede Familie nicht so wirklich ansprechbar gewesen, was die dann bestimmt komisch gefunden hätten (eine Gastfamilie ist meistens offen zu einem selbst, verlangt aber auch unbewusst, dass man sich selbst auch öffnet und an deren Leben teilnimmt), und zweitens hätte ich hier in dieser Stadt eher Angst, bei einer Familie zu landen, die nur sich selbst im Kopf hat und sich nicht dafür interessiert, was wir machen, warum wir es machen, was das Ziel ist und wen es betrifft. Unsere Chefin hat uns nämlich erzählt, dass die meisten normalen Durchschnittsbürger von Cluj eher wegsehen und vorbeigehen. Laut einer Umfrage wissen viele nicht einmal dass es ein Zentrum für Roma oder auch andere Minderheiten gibt. Sie wollen das nicht wissen, sie wollen nur ihren Frieden und genug Geld zum Leben. Über jede Spende freut sich das Zentrum. Wenn das mal keine nette Menschheit ist!

In dieser ersten Woche haben wir erst mal jeden Tag Rumänisch-Crash-Kurs. Wirklich von morgens bis abends, noch bis Freitag. So langsam ist Rumänisch jetzt schon schlimm, aber auch interessant. Und außerdem ist es eine romanische Sprache, und ob man es glaubt oder nicht, gibt es viele Parallelen mit dem Spanischen und noch viele mehr mit dem Französischen. Also hat Tobi mal wieder mehr zu kämpfen als ich, worüber er sich nicht gerade freut. ;)
Jeden Abend nach dem Rumänisch-Kurs besuchen wir immer unsere Chefin, die uns jeden Zipfel des Roma-Zentrums zeigt. Ganz schön viel auf einmal, aber irgendwie muss das so schnell wie möglich in meinen Kopf, denn Jenaya, unsere Chefin (sie kann glücklicherweise Englisch) meinte bei unserem ersten Treffen, dass wir wie gerufen kommen würden und sofort anfangen könnten, wenn unsere Entsendeorganisation nicht noch tausend Sprach- und Kennlern-Kurs vorschreiben würde.


Quelle: Google

Freizeit haben wir wahrscheinlich nur am Wochenende und das auch nicht sonderlich viel. Dieses Wochenende zum Beispiel hat Jenaya mit noch zwei Kollegen ein Gespräch mit dem Bürgermeister und will uns mitnehmen. Sie möchte versuchen, ihn zu überzeugen, dem Zentrum für sein neustes Projekt Geld zu geben, was er laut ihr aber wahrscheinlich ablehnen wird. Jenaya regt sich jeden zweiten Tag über diesen "machthungrigen", "idiotischen", "niemals hinsehenden" und "geldgeilen" Bürgermeister auf, ich bin ja gespannt auf Samstag, was das für eine Person ist. 

Sonntag, 21. April 2013

Du bist so typisch Mensch, richtig widerlich.

Der Kopf tut weh.
Die Augen brennen.
Die Musik ist laut.
Laut, lauter, so laut es geht.
Um nicht mehr zu denken.
Nein, denn es klappt nicht.
Um die Tränen verschwinden zu lassen.
Lass die Wut ihren Platz einnehmen.
Blinde Wut gegen alles.
Hass gegen die ganze Welt.
Mach die Musik lauter.
Laut, lauter, so laut es geht.
Denn es ist leichter, alle zu hassen,
als nur sich selbst zu hassen.
als zu wissen, man hat versagt.

http://www.weheartit.com/

Samstag, 23. Februar 2013

Planänderung.

Gestern kam ein schwedischer Vertreter unserer Auslandsorganisation vorbei und wollte mit uns sprechen. Ich war schon völlig schockiert: Haben wir irgendwas falsch gemacht? Der Typ, Björk, ein sehr netter Schwede, hat uns dann sofort beruhigt, dass alles gut wäre, aber der Hammer kam dann trotzdem noch. Unser Arbeitsplan wird geändert.

Ursprünglich wäre es jetzt folgendermaßen weitergegangen:

  • nächste Woche Kiew/Ukraine
  • übernächste Basel/Schweiz
  • danach Lyon/Frankreich
  • Cardiff/Wales
  • Florenz/Italien
  • zurück nach Deutschland 

Dann wäre es Anfang April, wir hätten ungefähr eine Woche Zeit gehabt, um uns wieder in unserem deutschen Leben zurückzufinden, und dann wäre es für mich zurück nach Spanien gegangen, für meinen Freiwilligendienst. Der würde bis August dauern. Jetzt ist alles anders.
Unsere Workshops und auch mein Freiwilligendienst hängen zusammen, das wird alles von ein und der selben Organisation gefördert, geplant und präsentiert. Deshalb haben die extrem viel Spielraum, was sie mit uns machen können. Und nun wurden wir noch für ein weiteres Projekt genommen. Es ist auch wieder ein Freiwilligendienst, das bedeutet, wir bekommen dafür kein Geld, wie das jetzt bei den Workshops der Fall ist. Unser neuer Plan sieht folgendermaßen aus:
  • zwei Wochen Kiew/Ukraine (weil die Leute dort absoluten Personalnotstand ausgerufen haben, do wie ich das jetzt verstanden habe)
  • eine Woche Basel/Schweiz
  • zwei Wochen Lyon/Frankreich (auf Frankreich freu ich mich seit dem Anfang!)
  • eine Woche Cardiff/Wales
  • eine Woche Florenz/Italien (aha, Italien schaffen wir also doch noch, die brauchen da auch Leute!)
Dann sind wir für eine einwöchige Busfahrt eingetragen, die aber nicht direkt etwas mit Arbeit zu tun hat, eher mit Geschichte, Gedenken und Stille. Wo fährt dieser Bus hin? Ganz ehrlich, so etwas wollte ich schon immer mal machen, aber allein trau ich mich einfach nicht: Konzentrationslager , oder das, was von ihnen übrig geblieben ist, anschauen.
Angefangen in Mailand geht es nach Mauthausen, Dachau, Flossenbürg, Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau (davor fürchte ich mich ehrlich gesagt), Belzec, Treblinka, Sachsenhausen, Ravensbrück, Neuengamme, Bergen-Belsen (auch davor habe ich Angst, vor allem weil ich spontan ein Exemplar "Das Tagebuch der Anne Frank" mitgenommen habe, wahrscheinlich werde ich es dort lassen) und es endet in Buchenwald. Meistens stehen natürlich nur noch Gedenkstätten oder Friedhöfe, aber es wird wahrscheinlich trotzdem eine ganz neue Erfahrung werden.

Und wenn man denkt, härter kann es nicht kommen (ich werde weinen, ich kenne meine schwachen Nerven, deshalb würde ich so eine "KZ-Rundfahrt" niemals alleine machen, ein Glück kommt Tobi mit), dann haut Björk noch einen größeren Hammer heraus!

Denn danach sind wir für drei Wochen in Cluj/Rumänien. Ich weiß, man hört viele Horrorgeschichten über die Lebensbedingungen der "Zigeuner" am Rande der Mülldeponie und ich muss Euch sagen: genau das wird unsere Arbeit sein. Björk meinte, dass es heftiger wird als Irland und Kroatien zusammen, weil wir mit sehr viel Elend konfrontiert werden. Nicht zu vergessen die Konzentrationslager. Dabei dachte ich eigentlich, dass mich nach Irland erst mal so schnell nichts mehr erschüttern kann. Oh doch! Wir wurden gefragt, ob wir damit einverstanden sind. Tobi und ich haben uns angesehen und uns war sofort klar, dass wir das machen wollen. Wenn man Menschen helfen kann, wieso sollte man es nicht tun? Es wird hart, elendig und furchtbar, das hat er uns auch klar gemacht, aber wir wollen nicht die Augen davor schließen, sondern verändern und darauf aufmerksam machen.

Ganz genau kenn ich unsere Arbeit in Cluj/Rumänien noch nicht, aber so viel vorneweg: Rumänien ist das zweitärmste Land der EU und dort lebt eine "Minderheit" von Sinti und Roma, abwertend "Zigeuner" genannt, obwohl ich das Wort Zigeuner eigentlich immer süß und schön fand, nachdem ich als Kind "Der Glöckner von Notre Dame" gesehen hatte, da ist das Wort Minderheit viel schlimmer. Klar wurden Zigeuner auch im "Glöckner von Notre Dame" gejagt, verbannt, verraten, gehasst, schikaniert, verhöhnt und eingesperrt, aber ich fand dieses Volk viel sympathischer als die ganze Pariser Stadtbevölkerung, obwohl sie sicherlich gestohlen, gelogen und sich gewaltsam das genommen haben, was ihnen ihrer Meinung nach zusteht.
In Rumänien wurden "Zigeuner" noch nie vollkommen integriert, sie gelten eher als Plage. Wahrscheinlich ist das noch vom Zweiten Weltkrieg hängen geblieben, meine Fresse. Sicherlich haben die Rumänen auch gar kein Geld dazu, das Elend am Rande der Müllkippe von Cluj zu bekämpfen. Aber wenn wir dort sind, schreib ich alles genau auf, allein schon mal für mich selbst, um zu verarbeiten.

Nach diesen drei Wochen ist es Ende April, wo ich eigentlich schon längst in Spanien sein müsste, aber das wurde alles nach hinten verlegt. Wir haben dann zwei Wochen Auszeit bekommen und werden definitiv zurück nach Deutschland, nach Hause, fahren, damit ich mich richtig auf meinen Freiwilligendienst, der dann nur noch fünf Monate dauern wird, vorbereiten kann. Zurück geht es nach Valencia/Spanien. Ich freu mich. Vorher müssen wir allerdings Stärke beweisen.

Dienstag, 12. Februar 2013

Selbstinszenierung.

Ich bin eigentlich total kaputt, denn wir sind gestern in Seinäjoki/Finnland angekommen (es ist verdammt kalt hier oben, dadurch dass ich bisher eher an Mittelmeerwärme gewöhnt war!), aber ich hätte nie gedacht, dass mein Blog einmal einen Geburtstag schafft, deshalb nehm ich mir jetzt etwas mehr Zeit für ihn. Obwohl ich hier im Ausland durch die viele Arbeit zwar relativ wenig, aber immerhin etwas regelmäßig zum Bloggen komme, lass ich mir die Zeit nicht nehmen, andere Blogs zu lesen. Ganz vorne dran stehen natürlich meine neun Lieblinge links in meiner Sidebar, die ich regelrecht stalke, weil ich einfach so begeistert von diesen Blogs und natürlich auch deren Autorinnen bin. Natürlich stöber ich auch gerne andere Blogs neugierig durch, das ist einfach inspirierend und vor allem auch beruhigend, wenn man total unter Strom steht.

Bei meinen Lieblings-Blogs an zweiter Stelle steht die Luisa Lion von Style Roulette. Ihr folge ich noch nicht so lange, denn ich habe sie leider erst sehr spät entdeckt und dann erst mal eine Weile gebraucht, um ihren gesamten Blog, also alle Posts von über zwei Jahren, durchzulesen, denn wenn ich etwas gut finde, will ich alles davon aufsaugen ;)
Vor einiger Zeit hat sie einen kleinen Film gepostet, in dem sie selbst auch mitspielt. Es ist eine Dokumentation über das Thema Selbstinszenierung.



Ich empfehle jedem, sich dieses lehrreiche Filmchen einmal anzusehen, mich hat es zumindest sehr zum Nachdenken gebracht und deshalb werde ich jetzt meinen ellenlangen Senf dazu mal aufschreiben! Das Ganze ist sehr subjektiv und meine eigene Meinung, es stört mich also nicht, wenn das jemand anders sieht.

Was ist Selbstinszenierung? Jede freie Minute habe ich darüber nachgedacht, schon die gesamte letzte Woche. Jeder Mensch inszeniert sich im Prinzip selbst, das war mir vorher gar nicht so bewusst gewesen. Aber schon allein, wie man sich anzieht, wie man aussieht, wohin man geht, was man macht, was man sagt und vor allem wie man es sagt. Die einen erhalten mehr Aufmerksamkeit, die anderen weniger.
In dem Film ist das Thema ziemlich wissenschaftlich und vor allem eher kritisch aufgegriffen, was mir persönlich gut gefallen hat. Eigentlich mag ich es nicht, wenn Menschen aus jeder Kleinigkeit eine Wissenschaft machen, aber es kommt dabei immer ein bisschen darauf an, worum es geht. Einige Sachen sind ja wirklich ein kleines Phänomen, vor allem, wenn sie durch Medien verstärkt werden können. So auch das Thema "Selbstinszenierung".


Je mehr ich darüber nachdenke, desto faszinierender und spannender finde ich dieses Phänomen, wie es im Film ja auch mehrmals genannt wird. Vielleicht sollte ich nochmal überdenken, was ich ab Oktober studieren will ;)

Es steht für mich die Frage im Raum, ob so viel "Selbstinszenierung" überhaupt nötig ist oder ob wir alle nur an Aufmerksamkeitsdefiziten leiden. "Der Drang zur Selbstinszenierung" klingt ja auch ein wenig, als ob es wie ein Wettbewerb ist. Der, der die meiste Aufmerksamkeit bekommt, der hat es am leichtesten, der wird von der beeinflussten Masse auf Händen getragen. Alle machen natürlich mit, denn jeder will etwas vom Kuchen haben. Hm, Gruppenzwang konnte ich noch nie leiden. Aber so kommt die Grundaussage des Films bei mir an.

In dieser Dokumentation werden drei Personen vorgestellt, die sich auf ihre eigene Art selbst inszenieren. Das ist Luisa als erfolgreiche Modebloggerin, Kickboxer Julian, der sich eine internationale Karriere wünscht, und Noah, die als Moderatorin Erfolg haben möchte. Sie werden in ihrem alltäglichen Leben von Kamerateams begleitet, damit man einen Einblick bekommt, was sie tun, um ihrem Ziel näher zu kommen. Als ob es so einfach wäre, dass heutzutage jeder berühmt werden kann.

Von diesen frei Personen am sympathischsten ist mir immer noch Luisa, und das nicht nur, weil ich ihren Blog verfolge und toll finde, sondern weil sie für mich die Einzige von den dreien ist, die ihr eigenes Ding durchzieht und sich nicht verbiegen lässt.
Das ist mit einem Blog ja auch viel einfacher, denn da kann man sich austoben und im Prinzip machen, was man will. Niemand schreibt einem vor, was man zu posten hat, ob es letztendlich bei den Lesern ankommt, erfährt man zwar erst hinterher, aber dadurch, dass man vorher nie sicher sein kann, ob das gut ist, was man macht, finde ich, wirkt das Ganze noch ein bisschen realer. Luisa ist ihr eigener Herr, sie inszeniert sich, wann sie es will, wie sie es will und wo sie es will. Ob nun über ihren Blog, über Youtube oder Facebook, das spielt keine Rolle. Ihre Leser mögen sie wahrscheinlich, weil sie das tut, was ihr Spaß macht. Dass das nun zufälligerweise ganz vielen anderen gefällt, ist eben Glückssache. Wobei sie es meiner Meinung nach mehr als verdient hat! Sie bloggt seit über zwei Jahren über Mode und Fashion und hat sich bereits eine ziemlich große Fangemeinde aufgebaut und viel Einfluss erlangt, so dass sie mit Modefirmen zusammen arbeiten darf und zu Modeevents eingeladen wird. Da steckt natürlich viel harte Arbeit hinter, das kommt nicht alles von heute auf morgen. Aber ich bewundere sie dafür, dass sie das geschafft hat und nun in der Modewelt ziemlich weit oben mitmischt. Ich wünsche ihr natürlich noch viel mehr.

Kickboxer Julian lässt sich coachen und erhält Trainingseinheiten, um professionell zu wirken und besser anzukommen. Dadurch schlüpft er in eine Rolle, die bei mir nicht unbedingt positiv ankommt. Man soll authentisch wirken, trotzdem professionell, aber man soll man selbst bleiben. Schwierig. Einige bekommen das hin, zum Beispiel würde ich das bei Lady GaGa so sehen, obwohl sie mir tierisch auf den Keks geht, aber Julian wurde in eine Schublade gestopft. Meine Meinung ist natürlich nur subjektiv, jeder nimmt ja etwas anderes wahr, auf jeden wirkt so etwas ganz unterschiedlich. Ich bin eben so gewickelt, dass ich mich niemals coachen lassen würde. Lernen, natürliche Emotionen rüberzubringen, kann man eigentlich nur ganz alleine, wenn es echt wirken soll. Julians Ehrgeiz in allen Ehren, aber wenn er in der Branche ganz nach oben will, wird seine Inszenierung im Prinzip von irgendwelchen Managern oder Firmen vorgeschrieben. Er lässt sich ziemlich verbiegen, wie soll er dann noch echt und als er selbst rüberkommen? Wer weiß, andere würden mich jetzt wahrscheinlich vollmotzen, wie ich nur so etwas sagen kann, weil der Junge auf sie doch ganz anders wirkt. Meine Meinung gehört zu meiner eigenen Selbstinszenierung.

Noah, die Fernsehmoderation, ist für mich der größte Streitpunkt von den dreien. Wenn man etwas moderiert, schlüpft man sowieso in die größte Rolle der Selbstinszenierung. Ob die echt ist, darüber würde ich persönlich eher streiten. Man hat einen Text, den man zu sagen hat, das Aussehen wird bestimmt, jeder Schritt und jede Sekunde wird durchgeplant. Selbst ihr Styling wird von anderen entschieden, Maskenbildnerin trifft es hier wortwörtlich. Geht es nur um Äußerlichkeiten, um gut anzukommen?
Ich guck nicht besonders viel Fernsehen und Talkshows eigentlich nur, wenn mich das Thema interessiert. Aber ich achte bei den Moderatoren vielmehr darauf, was sie sagen als darauf, dass die   rote Hose nicht mit der Farbe des Lippenstiftes übereinstimmt. Wahrscheinlich bin ich da ein bisschen verschoben. Früher in der Schule sollten wir Talkshows analysieren, ich hatte meistens das Thema verfehlt. Irgendwie glaube ich sogar, dass die meisten Menschen darauf achten, wie jemand etwas sagt, wie seine Körperhaltung dazu ist, seine Gestik, seine Mimik. Und daraus ergibt sich dann ja, ob er das, was er sagt, auch vertritt. Wenn man sich mit seinem Aussehen und seiner Körpersprache gut fühlt, wirkt man automatisch selbstbewusster. Ist das alles, was einen guten Moderatoren ausmacht? Kann es im Prinzip egal sein, was er sagt, wenn er dabei nur gut aussieht und schön lächeln kann? Das kann ich gar nicht glauben. Make-Up verändert gewisse Werte und die gesamte Person natürlich nicht, also man hat dann immer noch seinen eigenen Stil, aber ich persönlich würde ja schon wahnsinnig werden, wenn man mir vorschreibt, welches Make-Up, welchen Lidschatten, welchen Lippenstift und welches Haarspray ich nehmen soll, damit ich angeblich viel besser wirke. Wenn man mich wie eine Barbiepuppe anpinselt und ich mich damit nicht wohl fühle, wie soll das dann bitte authentisch wirken? Oder ist das jetzt der Trend, dass man sich verkleidet, eine Maske aufsetzt?

Das meine ich nicht nur so, weil ich Luisas Blog und sie selbst als Person schon total ins Herz geschlossen habe, sondern weil ich einfach mit so viel hochgepushtem Glitterkram, perfektionierten Fassaden und Schauspielerei, um echt zu wirken, nichts anfangen kann. Wenn in der heutigen Welt wirklich der Drang zur Selbstinszenierung herrscht und sich die meisten irgendwo hinstopfen lassen, um auch mitmischen zu können und Aufmerksamkeit zu bekommen, gleichzeitig aber alle sie selbst bleiben sollen, um echt zu wirken, dann ist das für mich gefährliches Glatteis. Wenn ich wirklich das Bedürfnis danach hätte, würde ich vielleicht auch das Projekt eines Modeblogs starten, denn da ist man wenigstens sein eigener Herr und muss niemandem gehorchen, obwohl im Film die Rede davon ist, dass man heute in der medialen Welt sich den Regeln der Medien unterwerfen muss, um anzukommen. Muss das wirklich sein?
Das Internet war mir schon immer suspekt. Auch damals vor einem Jahr, als ich angefangen habe zu bloggen, da war es sogar noch schlimmer. Mein Blog ist nur mein Tagebuch, das sieht man ja sehr deutlich an der Leserzahl. Ganz ehrlich, ich brauche das nicht. Ich schreibe, weil es mir gut tut, weil ich so viele Dinge am besten verarbeiten kann und weil ich für die klassische Tagebuch-Variante leider nicht die nötige Zeit habe. Natürlich inszeniere ich mich auf die Art auch irgendwie selbst, denn all das ist immerhin mein Leben und ich teile es mit der Öffentlichkeit. Das war aber nie das Ziel meines Blogs. Es ist mir im Prinzip egal, wer sich das durchliest und seinen Senf dazu gibt und wer es eben bleiben lässt. Versteht mich nicht falsch, ich freue mich immer über ehrliche, sachliche und lehrreiche Kommentare, aber die Follower-Zahl hat nicht einen ganz so hohen Stellenwert. Ich könnte wahrscheinlich nie berühmt sein, weil ich es nicht mag, total im Mittelpunkt zu stehen, ich brauche kein Rampenlicht. Ich habe mir mit diesem Blog ein kleines Bisschen meine eigene Welt aufgebaut, er ist jetzt ein Jahr alt. Weiterentwickelt habe ich mich in dieser Zeit schon, auch wenn es für viele wahrscheinlich nicht zu sehen ist. Ich habe ständig von Veränderungen geschrieben, aber viele werden sich fragen: Ja, was hat sie denn nun verändert? Gar nichts, bis auf ein bisschen Design. Das mag vielleicht stimmen, aber ihr wisst nicht, wie es in mir aussieht. Es war mir von Anfang an klar, dass dieser Blog mein Marmeladenglas wird, das eben nicht nur für mich zugänglich ist, sondern auch noch für viele andere. Aber das entscheidet jeder selbst. Ich bettle nicht um Kommentare und Leser in sozialen Netzwerken, ich habe zwar Blog-Zug, allerdings funktioniert das zur Zeit bei mir eh nicht, ich schreibe hin und wieder Kommentare und freue mich auch über Antworten, aber ich lebe ein bisschen mein eigenes Blogger-Leben, abgeschirmt von der "sich inszenierenden" Außenwelt.

Medien können gefährlich sein. Je nachdem, wie man mit ihnen umgeht, wer mit ihnen umgeht und wo man mit ihnen umgeht. Ich glaube, ich habe für mein Leben lang den totalen Knacks zu diesem Thema wegbekommen, deshalb schaffe ich es ja eben auch nicht, das anonyme Dasein zu verlassen. Vor einem Jahr habe ich dennoch wirklich lange überlegt, ob ich nicht doch vielleicht das Projekt eines Mode- und Fashionblogs starten möchte. Getraut habe ich es mich dann doch nicht, und zwar aus zwei Gründen. Zum Einen bin ich immer noch nicht so weit, dass ich vergessen kann, was damals passiert ist, ich möchte also nach wie vor anonym bleiben und nicht mein Gesicht zeigen und da wird die eigene Inszenierung ja schon automatisch drastisch blockiert, denn wenn niemand weiß, wie ich aussehe, wie soll ich dann auf andere wirken, wie sollen mich andere dann wahrnehmen? Und zum zweiten habe ich schlicht und einfach zu wenig Zeit, um regelmäßig über Mode, Beauty und Fashion zu posten. Da ist meine derzeitige Arbeit im Ausland, die wirklich ganz schön schlaucht und nicht zu unterschätzen ist, da ist meine Tanzschule in Deutschland, für die ich Leib und Seele aufopfere und voll bei der Sache bin, und da ist auch mein späteres Studentenleben, das im Oktober beginnt und das ich erfolgreich meistern möchte. Wenn man aber mit einem Modeblog Aufmerksamkeit erregen und vor allem viel beeinflussen will, muss man präsent sein und immer Neues posten, am besten mehrmals pro Woche, das habe ich schon gelernt. Ich kann es mir aber nicht leisten, mein derzeitiges Leben davon ein bisschen abhängig zu machen. Dafür bin ich zu neugierig für das Ausland und zu sehr Tänzerin durch und durch.

Als ich angefangen habe, bin ich da ein wenig spröde rangegangen. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, warum ich das tue, wenn es doch keinen interessiert. Dass es für mich selbst ist, es hat eine Weile gedauert, bis ich das kapiert habe. Und mittlerweile interessiert es mich eben auch nicht mehr, ob und wen es interessiert. Ich bin echt nicht so der Aufmerksamkeitstyp, ich brauche eigentlich keine Selbstinszenierung, obwohl sich ja jeder Mensch irgendwie selbst inszeniert, die einen mehr, die anderen weniger. Dass jede Begegnung mit einem anderen Menschen davon geprägt ist, glaube ich gut und gerne. Auch jedes Foto, jedes Video, jedes Lied, jeder Vortrag, jedes Outfit, jede Stimme, jedes Gefühl und jedes Buch. Das sind Mittel, um auf Menschen zu wirken.
Dass man damit Erfolg, unzählige Klicks, positives Feedback, Einladungen zu irgendwelchen Events und in Luisas Fall Mode geschenkt bekommt, ist ein schöner Nebeneffekt, sollte allerdings nicht das Ziel sein, denn das geht schief, so viel habe ich auch schon begriffen. Man kann nicht von Anfang an erwarten, dass alle gut finden, was man macht. Ich finde Menschen, die nur ihr Ding machen wollen, also das, was ihnen Spaß macht, und sich lediglich darüber freuen, dass sie so viel Aufmerksamkeit bekommen, sie aber nicht unbedingt gesucht haben, irgendwie viel sympathischer als Menschen, die von Anfang an darauf angelegt waren, so viele Klicks/Leser/Publikum/Follower wie möglich zu bekommen. Das macht doch dann auch keinen Spaß mehr!?
Wenn ich andere Blogs betrachte, achte ich zuallererst darauf. Tut der Blogger/die Bloggerin das, weil es ihm/ihr Spaß macht oder will er/sie bloß im großen Raum der Aufmerksamkeit mitmischen? Wenn ja, dann gefallen sie mir nicht, egal, worüber sie posten. Sollte das nicht der Fall sein und sie bloggen, weil es ihr Herzblut ist, weil sie es lieben, weil sie nicht ohne können, dann kommt die Sympathie bei mir automatisch.


Ich finde, Selbstinszenierung ist total vielfältig. Sie kann nerven, wie für mich persönlich bei Lady GaGa oder anderen überdrehten Leuten, die fälschlicherweise als Star bezeichnet werden, sie kann faszinieren wie bei meinen Lieblingsblogs, bzw. deren Autorinnen (auch die Luisa ist ganz vorne dabei), sie kann gefallen wie bei meinem Freund, sie kann überraschen wie bei mir selbst, da ich nie gedacht hätte, dass ich es erstens mal ein Jahr schaffe, über mein Leben zu schreiben, dass ich mich zweitens mittlerweile sogar im Ausland mehr oder weniger selbst inszeniere und dass ich drittens sogar meine Vergangenheit immer mehr von mir wegschieben kann. All das hat mir mein Blog gegeben und gezeigt, durch ihn entwickelt sich mein Leben weiter. Ich kann Luisa also schon verstehen, wenn sie sagt: "Mein Blog ist mein Leben." Ab einem bestimmten Punkt ist das so.
Es ist spannend, was das Internet alles mit einem anstellen kann. Auf Youtube konkurrieren Unterhalter wie Freshtorge oder Ytitty, auf Facebook rangelt sich jeder um die meisten Likes, selbst unter Bloggerinnen beginnt leider schon Neid, Arroganz und Gleichgültigkeit. Wenn man aus dem gleichen Grund etwas tut, sollte man sich doch zumindest helfen, negative unsachliche Kommentare sind da total fehl am Platz. Eigentlich muss man das nicht so verbissen sehen. Es herrscht kein Druck, sich selbst zu inszenieren. Ich denke, wenn man das aus Spaß macht, hat man immer noch mehr Erfolg als Leute, die es aus Trotz, Druck oder Neid machen.


Und deshalb, liebe Luisa, liebe ich Deinen Blog! :)

Ich habe leider etwas länger gebraucht als geplant. In den nächsten Tagen dann wieder meine Zusammenfassung zu Finnland und natürlich auch mein Fazit zu Irland!

Montag, 31. Dezember 2012

Mein Jahr 2012!

Coucou!

Es ist nahezu erschreckend, wie schnell 2012 vergangen ist. In diesem Jahr ist viel passiert, viele Dinge, mit denen ich mich verändert habe, auch einige, für die ich mich verändern musste, insgesamt alles sehr durchwachsen. Im Februar 2012 habe ich mit dem Bloggen angefangen, mein elektronisches Tagebuch, wie ich es nenne, denn für die klassische Variante fehlt mir die Zeit. Aller Anfang ist schwer, denn ich kapier erst mit der Zeit, was man alles mit Blogs anstellen kann.
Ich bin selbst neugierig, was in diesem Jahr alles in meinem Leben passiert ist, deshalb hier mein Jahresrückblick 2012:

F E B R U A R

Im Februar hab ich noch ganz artig die Schulbank gedrückt und hatte weiß Gott unwichtigere Probleme als heute. Damals ging es hauptsächlich um die Angst vor Mathe ("Bitte, liebes Mathebuch, werde erwachsen und löse all deine Probleme selbst!"), den Prüfungsstress, die vielen Hausaufgaben ("Irgendwann klatsch ich das Zeug in die Ecke, ich schwör's!") und um meine Tanzerei, die mich schon jahrelang begleitet und es auch weiterhin tun wird. Außerdem war meine Schwester aus Frankreich für zwei Wochen bei mir.


M Ä R Z

Wir wurden mit Stoff zubombardiert, haben aber trotzdem nur Däumchen gedreht in der Schule, so kam es mir zumindest vor. Am Anfang meiner Bloggerei habe ich mich noch relativ häufig an meiner Vergangenheit festgehalten, die ich doch eigentlich loslassen möchte (Vorsatz für 2013!). Aus diesem Grund gibt es sehr viele Jammer-Posts, bei denen ich schon häufig überlegt habe, ob ich sie löschen soll, oder nicht. Letztendlich hab ich es doch nicht getan, da jeder im Leben mal jammert, und das gehörte in der Zeit nun mal zu meinem Leben dazu.


A P R I L

Unsere Mottowoche war ein voller Erfolg und mit Ach und Krach hab ich mich durch meine Prüfungen in Deutsch, Mathe, Englisch und Sozi gemeistert. Abitur ist kein Zuckerschlecken und meine Tanzschule wollte ich schließlich auch nicht vernachlässigen. Was war ich erleichtert, als ich das alles nun endlich geschafft hatte. Außerdem hatten wir unser wichtiges Volleyballturnier und ich habe mit Tobi ein paar Tage Oster-Urlaub gemacht.

Endlich hatte der Stress ein Ende! Ich glaube, ich war nie die Musterschülerin, obwohl ich meistens gute Noten hatte. Aber dafür habe ich viel zu oft meine Meinung gesagt, mir es mit vielen Lehrern verscherzt und in zu vielen Fächern Probleme. Da hat man es automatisch schwerer.
M A I

Die letzte Prüfung in Französisch wurde geschafft, die hab ich sogar am besten hingekriegt. Somit hatte ich nun mein Abi in der Tasche, denn die Ergebnisse erfuhren wir schon Ende Mai. Ich habe mein Abitur mit einem unglaublichen Durchschnitt von 1,9 geschafft. Und das, obwohl ich in Mathe so eine unterentwickelte Funzel bin.

Ich trinke nicht viel Alkohol, aber mal kann man schon ordentlich die Sau rauslassen. Und als wir alle mit allen Prüfungen durch waren, haben wir das auch als erstes gemacht ;-)
J U N I

Feiern! Schulzeit vorbei!


Der Abiball war wundervoll, mein rotes Kleid ein Traum. Jedes Mal, wenn ich meinen Schrank öffne, strahlt es mich an und dann denke ich glücklich an diesen einen Abend zurück, an dem ich meine Schulzeit endgültig hinter mir lassen konnte. Aber was haben wir alle geheult. Und einige vermiss ich extrem, denn das Leben verstreut uns in alle Richtungen. Abschied nehmen hieß es auch von meiner Amerikanerin Kathy, deren Austauschjahr zuende war. Wie wichtig Skype werden kann, merkt man erst in solchen Fällen, obwohl ich mein Leben nie vom Internet abhängig machen wollen würde.
Das Jubiläum meiner Tanzschule fiel blöderweise auf den gleichen Tag des Abiballs, aber auch das habe ich irgendwie hingekriegt. Diese Tanzschule ist mein zweites Zuhause.

J U L I

Sommerfeeling! Obwohl der Sommer dieses Jahr etwas mau ausgefallen ist. Ich war mit S., Anni, R., J., Tobi und Vivi beim Fusion-Festival. Eine Erfahrung, die man unbedingt mal erlebt haben sollte!
Ansonsten hieß es Vorbereitungen treffen für alles, was Tobi und mich im Leben erwartete. Wir arbeiteten uns noch ein bisschen Geld zusammen, bevor es im August losging.
Ich hatte zwei Wochen Tanztrainingslager und außerdem meinen 19. Geburtstag, der genau in diese zwei Wochen fiel. Zu der obligatorischen Party wurde ich verpflichtet, als ich wiederkam, und obwohl ich nicht verstehe, was man an einer 19, die wirklich nichts Halbes und nichts Ganzes ist, feiern soll, wurde es trotzdem eine geniale Geburtstagsparty.


A U G U S T

Tobi flog nach England, um dort für vier Monate zu arbeiten, in der gleichen Zeit absolvierte ich einen Tanzlehrgang, der mich fast das Leben kostete und von dem ich mich immer noch erholen muss. Ich ging bis an meine Grenzen, es wurde mit jedem Tag anstrengender und kräftezehrender.

S E P T E M B E R

Ich bin nach London geflogen, um mit Tobi seinen Geburtstag zu feiern. Seine Gastschwester Rachel, die ständig versucht hatte, ihn anzubaggern, hat das ziemlich angekotzt, aber es wurde trotzdem ein schönes Wochenende. Mein Tanzlehrgang ging immer weiter und noch dazu kam, dass sich die meisten Teilnehmerinnen am liebsten die Augen auskratzen wollten.
Einen noch tieferen Kratzer bekam dieser Monat mit Annes Tod. Sie lag mit einer Lungenembolie im Krankenhaus - und hat es nicht geschafft. Was habe ich um meine Freundin geweint.


Und ich habe zwei Katzenbabys gefunden, die ihr neues Zuhause bei Tobis Familie gefunden haben. Holly und Eddie haben sich richtig gut eingelebt, sind rotzfrech und zuckersüß!

O K T O B E R

Tobi hatte Urlaub und kam zurück zu mir. Annes Beerdigung wurde zum traurigen Tiefpunkt dieses Monates, für den aber auch alle aus ihren Ecken zurückgekommen sind. Die Beerdigung war wunderschön, aber auch extrem traurig. Ich denke noch oft zurück an diesen grausamen Tag, der mir ständig zeigt, wie ungerecht das Leben ist.

N O V E M B E R

Einen Monat ohne Bloggen. Das hat mir gefehlt. Zu den Gründen möchte ich nicht mehr viel sagen, sie sind nachzulesen. Und Gejammer, dass es mir so schlecht ging, bringt auch nichts. Ändern, chérie, Nicht rumheulen.



D E Z E M B E R

Ich bin eher der Kuchen-back- als der Plätzchen-back-Typ, aber mit diesem Werk war ich sogar relativ zufrieden. Und lecker waren sie auch!
Weihnachtsstress hielt sich zum Glück in Grenzen, oder vielmehr hab ich mir einfach keinen Stress gemacht. Das Weihnachtsfest selbst wurde auch schön ruhig und besinnlich bei Tobis Familie. Und nun haben wir Silvester, das ich auch mit Tobi und anderen Freunden, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe, verbringen werde. 


S O N G S   O F   T H E   Y E A R : 

Ich hatte dieses Jahr nur sehr wenige Ohrwürmer, was eigentlich ziemlich untypisch für mich ist. Normalerweise hab ich jede Woche einen neuen.


Foster the People - Pumped up Kicks

Dieses Lied erinnert uns alle ewig an unsere Schulzeit, schweißt uns zusammen, verbindet uns, auch wenn uns Tausende von Kilometern trennen, ist für uns da, ist einfach eine Maßanfertigung für unseren Abiturjahrgang. "Abi - Kein Thema!"

Nolwenn Leroy - Nolwenn Ohwo!

Mein Gott, hab ich mal wieder gute Laune, muss ich jedes Mal denken, wenn ich das höre! Und Nolwenn Leroy ist sowieso eine extrem unglaublich überirdisch geniale Frau, sie fasziniert mich.

Asaf Avidan feat. The Mojos - One Day / Reckoning Song (Wankelmut-Remix)

Das ist ja bei den Meisten entweder furchtbar genial oder furchtbar schrecklich, etwas dazwischen gibt es nicht, zumindest ist mir das noch nicht zu Ohren gekommen. Ich gehöre eindeutig zu der ersten Sorte von Verrückten. Es ist einfach genauso schräg wie genial.

Rihanna - Diamonds (In the Sky)

Ich hasse Rihanna! Ich kann ihre Stimme nicht ertragen. Aber bei diesem Lied wurde ihre Stimme ja bis zur Unkenntlichkeit verändert, wie ich finde, von daher ist es schön.

Marteria, Yasha & Miss Platnum - Lila Wolken

Erinnerungen, Erinnerungen, Erinnerungen, Erinnerungen, Erinnerungen, Erinnerungen, Erinnerungen, Erinnerungen, Erinnerungen, Erinnerungen, Liebe. Punkt.

The Script feat. Will.I.Am - Hall of Fame

Ich freu mich schon extrem auf Kokowääh 2, einer der Filme, die ich 2013 unbedingt angucken möchte. Gefolgt von "Der Hobbit", "Jesus liebt mich" und noch so vielen anderen, dass ich wahrscheinlich gar keine Zeit dafür haben werde, so oft ins Kino zu gehen. Aber dann müssen sich alle anderen wenigstens nicht mehr den Kopf darüber zerbrechen, was sie mir denn zum Geburtstag schenken sollen, die DVDs davon tun es auch ;-)


V O R S Ä T Z E   F Ü R   2 0 1 3 :

- zunehmen!
- wieder richtig lange Haare haben!
- Silvester mit den gleichen Leuten feiern!
- back to Paris!

Ich wünsche Euch einen guten Rutsch und ein erfolgreiches neues Jahr 2013!

Lots of Love,
Eure Eileen

Dienstag, 18. Dezember 2012

Im Leben zählt nicht, was du hast, sondern wen.

Coucou,

unglaublich, dass man manchmal nur einen Tag brauchen muss, um alle Weihnachtsgeschenke zusammen oder zumindest Bastelideen zu haben. Meine Mama, Tobis Schwester, seine Eltern, sein kleiner Bruder Max, ein paar Freunde und natürlich Tobi selbst bekommen etwas von mir, obwohl Tobi und ich uns eigentlich einig waren, uns dieses Jahr einmal nichts zu schenken. Aber da ich weiß, dass er das nicht einhält, halte ich das eben auch nicht ein. Nach dem Einkaufsbummel hab ich kurz in der Tanzschule vorbeigeschaut und hab meiner Chefin ein bisschen beim Vorbereiten der Kurspläne für das nächste Jahr geholfen, selbst tanzen lässt sie mich noch nicht. Und ich habe auch leider keine Anfängerkurse mehr, weil ich ja dann bald nicht mehr da bin. Vielleicht krieg ich im Januar noch einen Crashkurs, aber da muss man sehen, wie es mir geht.
Außerdem war ich heute bei Vivi, Flori und endlich auch mal wieder bei Tobis Familie, die hab ich in den ganzen vier Monaten schließlich nur drei oder vier Mal gesehen. Letztendlich bin ich dort den ganzen Nachmittag geblieben und erst vorhin wieder nach Hause gekommen, jetzt ab unter die Dusche (mit Tobi !? :P) und dann ab ins Bett. Glücklicherweise ist Tobis Mama eine begnadete Köchin und hat mich den ganzen Abend mit leckerem Essen vollgestopft, bis ich nicht mehr konnte. So viel auf einmal soll zwar nicht so gut sein, und ich hab auch extreme Bauchschmerzen, aber dieses Gefühl, Hunger zu haben, ist endlich weg. Ich komm schon wieder auf die Beine :)



Gute Nacht!
Lots of Love,
Eure Eileen