Joyeuses Pâques würde man hier sagen, und das ist nicht das Einzige, was in Frankreich anders ist. Ich hatte vorher noch nie ein Osterfest in Frankreich erlebt, deshalb ist es für mich ziemlich fremd und vor allem auch leicht skurril, fast wie Weihnachten in Frankreich, woran man sich als Deutsche auch erst mal gewöhnen muss. In Deutschland ist Ostern ja voll kirchlich. Klar, da ist irgendwie Jesus auferstanden, da rennen alle außer ich in die Kirche und beten, da läuten den ganzen Tag die Glocken, da werden Ostereier gesucht, Osterfeuer gemacht und den ganzen Tag gegessen. Zumindest waren meine vergangenen Osterfeste in Deutschland immer so. Nun zu Frankreich. In die Kirche rennt hier irgendwie niemand. Die Glocken hört man Sonntag morgen, danach sind sie still. Ostereier suchen gibt es hier zwar auch, aber viele Kinder suchen hier - ohne Witz! - Schokolade MIT MEERESFRÜCHTEN ODER MUSCHELN. Wenn man das nicht kennt, kann das schon mal eigenartig wirken. Tobi und ich durften auch suchen, jedoch hat Tobi die getrockneten Meeresfrüchte, die Victor versteckt hat, leicht schockiert angesehen und wusste nicht, was er damit machen sollte. Zum Essen hat er dann aber nichts mit Ozean und Meer gemacht, sondern Lamm, genauer gesagt "Gigot d'agneu", was irgendwie alle Franzosen zu Ostern essen. Den Osterhasen kennt man hier nicht, hier ist eher alles voller Hühner. Osterfeuer wird hier auch nicht so wirklich gemacht, aber unsere drei Mitbewohner haben uns mit aufs Land genommen, wo wir dann ein Feuer gemacht haben. Die drei fanden das so schön, dass sie das nun jedes Jahr zu Ostern machen wollen. Ich liebe es, verschiedene Kulturen und Länder zusammen zu bringen! :)
Ich wünsche Euch und Euren Lieben ein frohes Osterfest und einen fleißigen Osterhasen! :)
Quelle: Google
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Für uns geht's morgen schon wieder weiter. Leider müssen wir Frankreich verlassen...
Es gibt nicht viele Künstler oder Musiker, von denen ich restlos begeistert bin, so dass ich bis zum Umfallen alles von ihnen haben muss. Wenn es um Musik geht, höre ich vieles quer Beet. Vor allem muss man sagen, dass es keinen Künstler gibt, von dem mir ausnahmslos alles gefällt. Die große Ausnahme bildet Nolwenn Leroy. Ich habe sie schon vor drei Jahren entdeckt, während meines Frankreich-Aufenthaltes. Und dann ging der Zauber los. Einer meiner Wünsche wäre es, sie einmal live zu sehen, vielleicht schaff ich das im November/Dezember, da hat sie einige Konzerte in Paris, Lyon oder Marseille. Sie ist einfach unglaublich. Ich kann sie nicht beschreiben. Ich besitze alle ihre Alben, auch wenn die in Deutschland teilweise schwer zu kriegen sind, aber wenn es um sie geht, hab ich Kampfgeist. Ich bin total stolz, was sie schon alles erreicht hat, mittlerweile sogar schon in den USA. Hiergeht's zu ihrer Facebookseite und hier zu ihrer normalen Webseite. Beides stalke ich. Il n'y a pas beaucoup des artistes ou musiciens, dont je suis complètement enthousiaste, donc il faut que j'aie tous les albums. En fait j'aime beaucoup des choses sans un système. Surtout il faut dire qu'il n'y a aucun(e) artiste dont j'aime tout. La grande exception est Nolwenn Leroy. Ja l'ai déjà trouvé il y a trois ans, quand j'étais en France pour six mois. Et puis ca commencait comme par enchantement. C'est un de mes grands souhaits de la voir live en concert, peut-être j'arrive à faire ca en novembre ou decembre, quand il y a quelques concerts à Paris, Lyon ou Marseille. Elle est justement uncroyable. Je ne peux pas la décrire. J'ai tous leurs albums, même si c'est dificile de les obtenir en Allemagne. Mais quand il s'agit d'elle, j'ai de l'esprit combatif. Je suis très fière, qu'est-ce qu'elle a déjà réussi, entretemps déjà même aux États-Unis. Ici vous arrivez sa site de Facebook et ici sa site normale dans l'internet.
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Zur Person:
Nolwenn Leroy stammt aus der Bretagne, genauer gesagt aus Saint-Renan (wo ich auch schon mal war! :D). Sie bekam schon früh Geigen- und Gesangsunterricht, und verbrachte ein Jahr in Ohio. 2002 gewann sie die zweite Staffel der französischen Casting-Show "Star Académy". Sie ist für mich der beste Beweis, dass auch Casting-Stars was Großes werden können, auch wenn man diese Casting-Show wahrscheinlich nicht mit deutschen Niveau vergleichen kann. Bei deutschen Casting-Shows krieg ich ehrlich gesagt regelmäßig das große Gruseln! Alles, was nach Nolwenns Sieg kam, war wie eine Bilderbuchgeschichte. Langsam wurde sie über den französischen Raum hinaus bekannt, Deutschland, Europa, Kanada, USA. Sie wird ein Weltstar, ich weiß es! :)
La personne:
Nolwenn Leroy est née à Saint-Renan (oú j'étais déjà aussi! :D), c'est en Bretagne. Elle recevait déjà très tôt des lecons de chant et du violon, et elle passait une année en Ohio, USA. 2002 elle gagnait la deuxième saison du casting-show francaise "Star Académy". Elle est pour moi la meilleure preuve, qu'il y a aussi pour des stars d'un casting la possibilité de devenir quelqu'un célèbre et aimé, même on ne peut pas comparer ce casting-show avecdes trucs comme ca en Allemagne. Si je dois être honnête, je suis vraiment terrifiée quand je regarde un casting-show allemand! Toutes les choses après la victoire de Nolwenn, c'est sorti d'un livre d'images. Peu à peu, elle est devenue connue à l'éspace francaise et aussi au-déla, Allemagne, Europe, Canada, les États-Unis. Elle deviendrait un star mondiale, je le sais! :)
Grundsätzlich mag ich alles von ihr, aber man hat natürlich so seine Lieblingslieder. Ich mag zum Beispiel "La Jument de Michao" sehr gerne, oder die Coverversion von "Moonlight Shadow".
En fait j'aime tous d'elle, mais on a des chansons préferées bien-sûr. J'aime bien par exemple "La Jument de Michao" ou la reprise de "Moonlight Shadow".
Freu dich, du bist in Spanien, heißt es bei irgendeinem Online-Reiseanbieter doch immer, jedoch freu ich mich jetzt, endlich wieder in Frankreich zu sein! Und ich bin für meinen Teil mehr als happy, denn ich darf hier als Tanzlehrerin arbeiten! Dazu aber später, erst werde ich wie gewohnt Basel in Switzerland auswerten.
S C H W E I Z - F A Z I T :
Es gab bisher nicht ein Land, das so schwer zu beschreiben war wie die Schweiz. Bei der Ukraine war es für mich auch schwierig, die passenden Worte zu finden, jedoch bin ich jetzt wirklich ziemlich überfordert und sitze schon seit einer halben Stunde, ohne zu wissen, was ich denn jetzt schreiben soll. In der Schweiz sind Unterschiede nicht klein, sondern gleich mal schluchten-like. Die Menschen sind verschlossen, aber gleichzeitig auch nicht, sie haben ihre eigene Art und hohe Erwartungen an das Leben, die Leute verdienen hier auch ziemlich viel. Es soll alles einfach und unkompliziert, aber gleichzeitig mit den besten Lebensstandards und total gut organisiert ablaufen. Das Land ist sehr sauber und es wird darauf auch einen großen Wert gelegt. Und es ist zu merken, dass viele Schweizer keinen großen Wert auf Deutschland legen, ich kann es ihnen nicht verübeln. Unsere Doppelarbeit hat Spaß gemacht, war aber trotzdem so stressig, dass ich von der Schweiz bisher am allerwenigsten mitnehmen konnte, als im Vergleich zu anderen Ländern. Das ist schade, aber auch hier kann ich sagen: "Wir kommen wieder!" Allein schon, um unsere liebe Gastfamilie zu besuchen, die vor allem an den letzten beiden Tagen total aufgetaut ist. Jetzt sind wir also in Lyon und haben zum ersten Mal keine Gastfamilie, sondern leben in einer WG mit noch drei anderen Jugendlichen, von denen einer Amerikaner, einer Chinese und nur der dritte Franzose ist. Es funktioniert aber alles bestens, das sind total coole Leute.
L Y O N :
Früher war ich zwar schon mal in Lyon, doch das ist drei Jahre her und war leider nur ein Tagestrip. Es ist aber meiner Meinung nach definitiv eine Stadt, der man eigentlich genauso viel Aufmerksamkeit schenken sollte wie Paris. In Frankreich fühle ich mich sowieso überall heimisch, aber dass wir in so einem Zuckerstückchen von Stadt arbeiten dürfen, ist der Wahnsinn. Man wünscht sich hier jeden Tag, wenn man durch die Straßen geht, mindestens fünf Augenpaare mehr, ein Phänomen, das ich bisher erst bei Paris, Stockholm, Kiew und Valencia so intensiv wahrgenommen habe. Die ganze Stadt ist hell erleuchtet, im Dezember müssten wir mal hier sein, da findet nämlich die "Fête des Lumières" statt, wobei es jetzt auch schon faszinierend hell überall ist. Extrem spannend ist auch das Essen, noch einmal ein bisschen anders als beispielsweise in Paris oder Bordeaux. Tobi, der sich nicht viel aus Käse und Meeresfrüchten macht, würde wahrscheinlich am liebsten jeden Tag einen Mecces aufsuchen. Ich gebe zu, Meeresfrüchte und Fische sind auch nicht mein Ding, aber meine Devise lautet, dass wenigstens alles probiert wird. Und Victor, unser französischer Mitbewohner, kann wunderbar regionales Essen kochen. Lyon hat zwar ziemlich geschmacklose Vororte, aber eine herzzerreißend schöne Innenstadt, auch hier will ich wieder her! Die Welt hat schon viele Goldstücke zu bieten!
U N S E R E I N T E R N A T I O N A L E W G :
Also, wir wohnen wie gesagt zu fünft mit noch drei anderen Jungs zusammen in einer WG. Ich bin das einzige Mädchen und weiß noch nicht, wie ich das finden soll. Der Chinese heißt Kam Wing, oder so, und spricht nur Englisch. Sein Französisch ist noch ziemlich mager, wobei er dabei ist, es zu lernen. Er ist ein wenig aufdringlich und neugierig, aber ansonsten schwer in Ordnung und vor allem sehr hilfsbereit. Der Amerikaner heißt Evan und ist so ein Typisch-Ami, wie ihn sich jeder durchschnittsdeutsche Bundesbürger vorstellt: totaler Football- und Baseball-Fan, Mecces-Suchti (mit ihm zieht Tobi also immer los, wenn sie keinen Bock auf Garnelen mit Kroketten haben), völlig abgedreht, locker drauf, Camping-Freak, hilfsbereit, geduldig und tolerant. Ich glaube, mit Evan und Tobi haben sich echt zwei gefunden! ;) Und der dritte, der einzige Franzose, ist Victor. Er ist wie gesagt ein fantastischer Koch, leider totaler Kettenraucher, und - ohne Scheiß! - abergläubisch! Ich denke mir immer, irgendwelche Macken hat halt jeder, aber Victor ist schon fast nicht mehr normal, wenn er fast austickt, nur weil die Nachbarn eine schwarze Katze haben. Er ist der Sonnenschein der WG und die ganze Zeit voll am Strahlen, und ein "Typisch-Franzosen-Vorurteil/Klischee" stimmt sogar bei ihm: Es hat keinen Bock, richtig Englisch zu lernen, deshalb ist die Verständigung zwischen ihm und Kam Wing nicht ganz so genial, Evan kann ja wenigstens rudimentäres Französisch! So viel zu unserer Chaoten-WG, wobei alle vier Jungs wirklich sehr sauber und ordentlich sind. Die stellen sich sogar hin und bügeln, zum Totlachen. :D
U N S E R E A R B E I T :
Ich bin total begeistert! Wir arbeiten in der Schauspielschule "École nationale supérieure des arts et techniques du théâtre". Ohne Witz, wir sind in einer Schauspielschule! Tobi, der früher in der Schule in allen Theaterstücken die Hauptrolle hatte, gibt Theaterkurse auf Englisch und hat nebenbei einen Französisch-Sprachkurs, was ihn ziemlich ankotzt, denn "Französisch ist das Schwulste, was ich je gehört habe". Ähm, nein, du Vogel! :D Ich brauch keinen Sprachkurs! :) Ich durfte gleich loslegen. Und ich darf endlich wieder jemandem Tanzschritte beibringen! Es ist so wunderbar, wieder richtig regelmäßig zu tanzen, ich bin so glücklich! Tänzerin durch und durch eben, ich kann nicht anders. Viele machen Ballett, was das einzige ist, was ich nicht tanze, weil ich kein Püppchen sein möchte, aber nach den Ballettstunden kommen total viele dann zu mir, obwohl wir eine abstrakte Form von Streetdance machen. Es geht vor allem um Körperkontrolle. Jede Regung muss man spüren. Und dann geht es mit einem durch. Das ist tanzen! :) Meine Fresse, meine Füße zucken jetzt schon wieder! :D Wenn wir gerade keine Kurse haben, dann machen wir auch Unterricht mit, ich öfter als Tobi, denn der versteht vieles einfach noch nicht. Es geht um Schauspieltechniken, Selbstfindungskurse, natürlich auch normale Fächer wie Literatur, Englisch oder Politik. In Literatur werden sehr oft Bücher und Texte gelesen und dann rezensiert, nachgespielt oder interpretiert, zurzeit sind sie gerade bei Shakespeare's "Othello". Ich finde, meine schauspielerischen Künste sind nicht so berauschend, aber die Professoren finden es trotzdem gut, was ich tue, sie sagen, ich habe viel Körperkontrolle. Was die Tanzerei einem alles gibt, denke ich dann immer grinsend. Ich habe meine Hélène auch schon ein paar Mal getroffen, sie will auch noch öfter zu Besuch kommen, wenn ich schon mal in Frankreich bin, muss das sein! Obwohl es für sie nicht gerade um die Ecke ist. Also auch hier will ich nicht mehr weg, ich werde weinen. Ich weiß es ganz genau. ;)
Gestern kam ein schwedischer Vertreter unserer Auslandsorganisation vorbei und wollte mit uns sprechen. Ich war schon völlig schockiert: Haben wir irgendwas falsch gemacht? Der Typ, Björk, ein sehr netter Schwede, hat uns dann sofort beruhigt, dass alles gut wäre, aber der Hammer kam dann trotzdem noch. Unser Arbeitsplan wird geändert. Ursprünglich wäre es jetzt folgendermaßen weitergegangen:
nächste Woche Kiew/Ukraine
übernächste Basel/Schweiz
danach Lyon/Frankreich
Cardiff/Wales
Florenz/Italien
zurück nach Deutschland
Dann wäre es Anfang April, wir hätten ungefähr eine Woche Zeit gehabt, um uns wieder in unserem deutschen Leben zurückzufinden, und dann wäre es für mich zurück nach Spanien gegangen, für meinen Freiwilligendienst. Der würde bis August dauern. Jetzt ist alles anders. Unsere Workshops und auch mein Freiwilligendienst hängen zusammen, das wird alles von ein und der selben Organisation gefördert, geplant und präsentiert. Deshalb haben die extrem viel Spielraum, was sie mit uns machen können. Und nun wurden wir noch für ein weiteres Projekt genommen. Es ist auch wieder ein Freiwilligendienst, das bedeutet, wir bekommen dafür kein Geld, wie das jetzt bei den Workshops der Fall ist. Unser neuer Plan sieht folgendermaßen aus:
zwei Wochen Kiew/Ukraine (weil die Leute dort absoluten Personalnotstand ausgerufen haben, do wie ich das jetzt verstanden habe)
eine Woche Basel/Schweiz
zwei Wochen Lyon/Frankreich (auf Frankreich freu ich mich seit dem Anfang!)
eine Woche Cardiff/Wales
eine Woche Florenz/Italien (aha, Italien schaffen wir also doch noch, die brauchen da auch Leute!)
Dann sind wir für eine einwöchige Busfahrt eingetragen, die aber nicht direkt etwas mit Arbeit zu tun hat, eher mit Geschichte, Gedenken und Stille. Wo fährt dieser Bus hin? Ganz ehrlich, so etwas wollte ich schon immer mal machen, aber allein trau ich mich einfach nicht: Konzentrationslager , oder das, was von ihnen übrig geblieben ist, anschauen.
Angefangen in Mailand geht es nach Mauthausen, Dachau, Flossenbürg, Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau (davor fürchte ich mich ehrlich gesagt), Belzec, Treblinka, Sachsenhausen, Ravensbrück, Neuengamme, Bergen-Belsen (auch davor habe ich Angst, vor allem weil ich spontan ein Exemplar "Das Tagebuch der Anne Frank" mitgenommen habe, wahrscheinlich werde ich es dort lassen) und es endet in Buchenwald. Meistens stehen natürlich nur noch Gedenkstätten oder Friedhöfe, aber es wird wahrscheinlich trotzdem eine ganz neue Erfahrung werden.
Und wenn man denkt, härter kann es nicht kommen (ich werde weinen, ich kenne meine schwachen Nerven, deshalb würde ich so eine "KZ-Rundfahrt" niemals alleine machen, ein Glück kommt Tobi mit), dann haut Björk noch einen größeren Hammer heraus!
Denn danach sind wir für drei Wochen in Cluj/Rumänien. Ich weiß, man hört viele Horrorgeschichten über die Lebensbedingungen der "Zigeuner" am Rande der Mülldeponie und ich muss Euch sagen: genau das wird unsere Arbeit sein. Björk meinte, dass es heftiger wird als Irland und Kroatien zusammen, weil wir mit sehr viel Elend konfrontiert werden. Nicht zu vergessen die Konzentrationslager. Dabei dachte ich eigentlich, dass mich nach Irland erst mal so schnell nichts mehr erschüttern kann. Oh doch! Wir wurden gefragt, ob wir damit einverstanden sind. Tobi und ich haben uns angesehen und uns war sofort klar, dass wir das machen wollen. Wenn man Menschen helfen kann, wieso sollte man es nicht tun? Es wird hart, elendig und furchtbar, das hat er uns auch klar gemacht, aber wir wollen nicht die Augen davor schließen, sondern verändern und darauf aufmerksam machen.
Ganz genau kenn ich unsere Arbeit in Cluj/Rumänien noch nicht, aber so viel vorneweg: Rumänien ist das zweitärmste Land der EU und dort lebt eine "Minderheit" von Sinti und Roma, abwertend "Zigeuner" genannt, obwohl ich das Wort Zigeuner eigentlich immer süß und schön fand, nachdem ich als Kind "Der Glöckner von Notre Dame" gesehen hatte, da ist das Wort Minderheit viel schlimmer. Klar wurden Zigeuner auch im "Glöckner von Notre Dame" gejagt, verbannt, verraten, gehasst, schikaniert, verhöhnt und eingesperrt, aber ich fand dieses Volk viel sympathischer als die ganze Pariser Stadtbevölkerung, obwohl sie sicherlich gestohlen, gelogen und sich gewaltsam das genommen haben, was ihnen ihrer Meinung nach zusteht.
In Rumänien wurden "Zigeuner" noch nie vollkommen integriert, sie gelten eher als Plage. Wahrscheinlich ist das noch vom Zweiten Weltkrieg hängen geblieben, meine Fresse. Sicherlich haben die Rumänen auch gar kein Geld dazu, das Elend am Rande der Müllkippe von Cluj zu bekämpfen. Aber wenn wir dort sind, schreib ich alles genau auf, allein schon mal für mich selbst, um zu verarbeiten.
Nach diesen drei Wochen ist es Ende April, wo ich eigentlich schon längst in Spanien sein müsste, aber das wurde alles nach hinten verlegt. Wir haben dann zwei Wochen Auszeit bekommen und werden definitiv zurück nach Deutschland, nach Hause, fahren, damit ich mich richtig auf meinen Freiwilligendienst, der dann nur noch fünf Monate dauern wird, vorbereiten kann. Zurück geht es nach Valencia/Spanien. Ich freu mich. Vorher müssen wir allerdings Stärke beweisen.
Coucou! Geniales Wochenende, sag ich nur. Da haben meine Leute mal wieder was Tolles auf die Beine gestellt, auch wenn ich das eigentlich gar nicht haben wollte. Egal, es war einfach geil :-)
Wir sind jung und genießen unser Leben!
Ich liebe dieses Lied! Es passt.
Wisst Ihr, diese ganze Welt kann uns mal. Wir haben uns. Und wir werden uns immer haben. Wenn die Situation zunehmend versauter, bekiffter, besoffener und komischer wird, wenn alle denken: Scheiße Mann, mach dir Musik lauter, wir wollen an nichts anderes mehr denken. Wenn man der Realität und allen anderen bescheuerten Dingen um einem herum dezent den Mittelfinger zeigen kann, wenn der Bass am ganzen Körper vibiriert, wenn es Augenblicke gibt, in denen das Herz vor Glück kurz aussetzt, wenn die Nacht so wunderbar frei riecht, wenn man alles riskieren will, wenn man die Vernunft überhört, weil sie so leise spricht, wenn man nicht mehr weiß, wie man heißt, wenn das Herz nur noch voller verrückter Träume ist, wenn man sinnfreies Zeug plötzlich sinnvoll findet, wenn man einfach nur im Glücksgefühlsrausch schwebt und sein Leben genießt, dann spürt man nur noch das, was zählt. Aus diesem Grund liebe ich es, mit meinen Freunden zusammen zu sein und zu feiern.
Because one day, baby, we'll be old, oh baby we'll be old, and think of all the stories that we could have told.
That's why we want to tell these stories before we'll be too old.
Morgen beginnt mein Tanzlehrgang, und jetzt gleich bringen wir alle zusammen Tobi zum Flughafen, da er ja dann nach England fliegt. Ich bin traurig, bitte bleib einfach bei mir. Aber ich beschwere mich nicht, er soll leben, genauso wie er mich leben lässt, ohne zu maulen. Sein T-Shirt von der Party liegt noch auf meinem Bett. Es riecht nach ihm. Darf ich es behalten? Er fehlt mir jetzt schon. Pass auf dich auf, sagte ich zu ihm. Denn ich habe Angst um dich. Seine Antwort war ein Kuss.
Oh Mist, jetzt fang ich auch noch an zu heulen, das war nicht geplant. Und jetzt kommt er auch noch ins Zimmer und sieht es.
"Soll ich hier bleiben?", fragt er besorgt und nimmt mich in die Arme.
NEIN!
Das kann ich nicht von ihm verlangen. Geh schon. Er liest, was ich schreibe - und lächelt gequält. Ich bitte ihn, mich allein zu lassen, er geht. Jetzt weine ich wirklich. Zwei Monate sind nun mal länger als zwei Wochen. Jeden Abend Skype. Trotzdem. Kaum ist er mal nicht da, habe ich sofort Sehnsucht nach seiner Nähe, seiner Wärme, seinen Armen, seinen Küssen, seinen Augen, seinem Lachen, seiner Sanftheit, einfach nach ihm.
Es gibt Leute, die verstehen das nicht, die mir allen Ernstes einreden wollen, ich solle mich nicht so anstellen und nicht rumheulen. Es gibt eben schlechte Menschen, die so gerne auf Traumwelten und Gefühlen herumtrampeln. Es ist okay, ihr wisst es nicht besser. Ihr habt keine Ahnung, was dieser Mensch mir eigentlich bedeutet. Das Schlimme ist, dass ihr glaubt, alles zu wissen.
Wenn man ein Wozu des Lebens hat, erträgt man jedes Wie.
Das stimmt schon irgendwie. Ich werde es wieder so machen wie damals in Frankreich. Diese sechs Monate haben uns fast umgebracht. Wenn man heute im Nachhinein darüber nachdenkt, wird einem immer mehr klar, dass es wirklich so ist. Die Zeit in Frankreich war schön, aber ich konnte nicht mehr. Nicht ohne ihn. Ich habe Tage gezählt. Weil ich ihn so sehr brauche. Unsere Beziehung ist stark, denn sie hat das überlebt. Also wird sie die zwei Monate England auch überleben. Hoffe ich doch.
Das Wetter ist nicht mehr so schön, das macht mich irgendwie ein bisschen traurig. Hoffentlich wird es wieder besser. Ich muss nachher in die Schule, das ist die vorletzte Französischstunde vor der Prüfung, welche am 4. Juni ist, also nächsten Montag, oha. Aber ich habe keine Angst, nicht vor Französisch. Das ist eins der wenigen Dinge, wovor ich keine Angst habe. Außerdem muss ich noch einen Bericht schreiben über meinen Austausch. Der soll auch nächste Woche abgegeben werden, ein bisschen eher hätten die ja mal aus dem Quark kommen können, jetzt hab ich den Stress, denn Tanzschule hab ich ja schießlich auch noch. Aber ich werde den schreiben und meine Austauschpartnerin und auch "Schwester" H. aus Frankreich mal rübergucken lassen. Wir haben eine neue Tänzerin seit gestern, sie ist ziemlich gut und auch total nett, wir wollen heute zusammen in der Mittagspause Kaffee trinken gehen. Und am Freitag geh ich mit S. mal wieder shoppen ;-)
Es ist soweit. Die zwei Wochen sind leider um. Heute fährt H. wieder nach Hause. Beziehungsweise sie fliegt. Ich bringe sie nach H. zum Flughafen, nur wir zwei. Und ich habe mich durchgesetzt. Wir werden im Zug französisch reden! Ich hätte gerne noch zwei weitere so schöne Wochen. Eigentlich könnte sie gleich hierbleiben.
Das kostbarste Vermächtnis eines Menschen ist die Spur, die seine Liebe in unserem Herzen zurück gelassen hat.
Los geht's. Wenn ich wieder zu Hause bin, was wahrscheinlich erst morgen sein wird, weil wir das Wochenende bei Tobis erweiterten Familie verbringen, dann schreib ich Euch natürlich, wie es gelaufen ist.
H. ist da und es läuft richtig gut. Klar, was anderes habe ich auch nicht erwartet, wir sind schließlich ein ganzes Jahr miteinander klargekommen, ein halbes davon in Deutschland, das andere halbe in Frankreich. Tobi und ich haben sie am Samstag wie gesagt vom Flughafen abgeholt, das war so süüüüß :) Und ich habe mir in den Kopf gesetzt, ihr so lange auf Französisch zu antworten, bis sie mindestens einmal drei Tage am Stück nur Französisch mit mir spricht. Bisher hat das noch nicht geklappt, sie ist genauso stur wie ich, aber ich arbeite daran :) Wir sind heute in W. gewesen, zuerst in der Tanzschule und dann noch schön shoppen. Muss auch mal sein. Morgen schreibe ich Sozi-Test, wünscht mir Glück! Und morgen ist außerdem Tobis Bewerbungsgespräch. Ich bin schon die ganze Zeit am Daumen drücken!
Alles für heute, ich muss noch lernen. Chéri - je t'aime. C'est important que tu le sais! xoxo
Ich möchte von meiner ersten richtigen und vor allem längeren Auslandserfahrung, die ich machen durfte, berichten. Das will ich in der nächsten Zeit öfter machen. Jedes Mal Ausland erhält einen separaten Post und wird rechts oben in der Sidebar aufgelistet. Dann mal ran ans Werk. Das allererste, was ich machen durfte, war glücklicherweise gleich etwas total Geniales und vor allem auch ein länger als nur ein paar Wochen dauerndes Programm. Ich habe einen Austausch mit Frankreich gemacht. 2009/2010 war ich ein halbes Jahr dort. Vorher war meine Lieblingsfranzösin Hélène ein halbes Jahr bei mir. Eine wunderschöne Zeit, obwohl ich ohne Tobi fast kaputt gegangen bin. Ablauf Es ist ein gegenseitiger Austausch zwischen einem Franzosen/einer Französin und einem/einer Deutschen. Es gibt auch gemischte Austausche. Man bewirbt sich dort mit Zeugnissen, Fotos, Lebenslauf, Briefen und ganz vielem anderen Krimskrams, meistens läuft das alles über die Französischlehrerin und die Schule. Man bekommt von dem Programm eine(n) Corres zugewiesen, die Aufgabe heißt dann, sich mit dem Franzosen in Verbindung zu setzen, um alles für die Ankunft (Februar/März) abzuklären. Der Franzose wohnt dann ein halbes Jahr in Deutschland. Im August geht das Ganze dann andersherum. Meistens können das nur Schüler aus der neunten/zehnten Klasse machen, ich kenne eigentlich keine Ausnahmen. Man ist also 15 oder 16 Jahre alt. Dinge, um die man sich kümmern muss:
Anmeldung des Franzosen/der Französin in der Schule und in der Stadt
Auslandskrankenversicherung
Anreise des Austauschpartners / Reise nach Frankreich
Förderungsgelder / Stipendien
Familienleben Franzosen sind sehr darauf bedacht, ihr eigenes Ding zu machen. Jeder in der Familie lebt seinen eigenen Stiefel. Die Eltern von Hélène sind beide Mathelehrer (na toll!) und sie hat zwei jüngere Geschwister. Ich hatte schon nach kurzer Zeit einen Stammplatz in der Familie und auch wie jeder andere eigene Rechte und Pfichten. Man hat die Aufgabe, sich einzugliedern und ein aktives Mitglied im französischen Leben zu werden. Ich denke, ich habe das ganz gut geschafft, obwohl es natürlich auch manchmal ein wenig Streit und Diskussionen gab. Meine Mathekenntnisse sind aber dennoch nicht besser geworden, ich bin einfach ein hoffnungsloser Fall ;)
Schule
Man geht natürlich mit seinem Franzosen in die Schule. Ich war nicht in der gleichen Klasse wie Hélène, was aber auch nicht unbedingt schlecht sein muss, im Gegenteil, ich finde, dann knüpft man viel schneller Kontakte.
In meiner Klasse waren noch vier andere Deutsche, doch ich hab schon sehr früh versucht, auch mit den Franzosen in Kontakt zu kommen, was nicht sonderlich schwer war, denn Franzosen sind sehr offen und gehen sofort auf Tuchfühlung. Ich war aus irgendeinem Grund ziemlich beliebt in der Klasse.
Sprache
Auch wenn man am Anfang kein Wort versteht, das gibt sich mit der Zeit, wenn man an die Sprache gewöhnt ist. Was gab es oftmals was zu lachen, wenn irgendwer mir alles dreimal erklären und sich dann kaputtgekringelt hat, weil ich ihn immer noch ahnungslos anstarre. Am Ende hab ich so gut wie alles verstanden und musste erst mal wieder umdenken, als ich zurück in Deutschland war.
Erfahrungen
Gold wert. Man kann es nicht beschreiben, was man alles lernt. Vorurteile werden abgebaut, Philosophie ein Flügelwort. Ich habe vorher noch nie so viel über mich selbst nachgedacht wie zu dieser Zeit. Und ich habe seitdem auch nie wieder so viel gelernt. Hélène und alle anderen Franzosen haben mir mehr beigebracht als alle Lehrer in meiner gesamten Schullaufbahn zusammen.
Ich musste damals einen Bericht schreiben, auf Französisch. Aber ich werde die deutsche Version auf einer separaten Seite mit einbauen. Denn auch das gehört zu meinem Leben. Und man vergisst es niemals.