Posts mit dem Label Friends werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Friends werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 24. Januar 2014

Andenken.

Coucou,

wisst ihr, man tut Sachen und weiß danach nicht, warum. Man möchte Dinge und kann sie trotzdem nicht erreichen, weil das Schicksal es nicht gut mit einem meint. Dieser Blog war mein Baby. Mein persönliches Tagebuch, in das ich alles hineinschreiben konnte, was ich wollte. Völlig anonym und unverfroren konnte ich die Eileen sein, die ich bin. Das kann ich auch immer noch, mein Baby ist noch da. Aber irgendwas ist anders. Ich habe auch drüber nachgedacht, ob ich mein Marmeladenglas löschen sollte, mich dann aber dagegen entschieden.

Es ist ein Dreivierteljahr her, als man zum letzten Mal was von mir gehört hat. Ich lebe noch, das mal zum Anfang. Und es geht mir gut. In meinem Leben hat sich nicht viel verändert und gleichzeitig hat sich alles verändert. Ich würde sagen, ich bin erwachsener geworden. Ich bin immer noch mit meinem Freund Tobi zusammen und immer noch die Verrückte, die am liebsten den ganzen Tag in der Tanzschule verbringt. Das hat sich also nicht geändert.

Vor einem Dreivierteljahr befand ich mich gerade in Rumänien. Harter Job. Wenn ich so drüber nachdenke, waren alle unsere Freiwilligendienste (Work&Travel) harte Jobs, aber wir sind froh, dass wir sie erleben durften. Was ist dann passiert?



Nach den drei Wochen in Rumänien hatten wir erst mal eine Auszeit von zwei Wochen, die wir zu Hause in Deutschland verbracht haben. Es war wunderschön, so nach fast einem Jahr in der weiten Welt endlich mal wieder nach Hause zu kommen. In diesen zwei Wochen habe ich mir selbst auch strengstens verboten, irgendwas anderes zu machen als zu verarbeiten. Ich habe nichts geschrieben, ich habe nur nachgedacht. Ich bin viel tanzen gegangen, um mich zu beruhigen. Außerdem haben Tobi und ich uns die Mammutaufgabe gestellt, allen lieben Menschen, bei denen wir in gesamt Europa Zeit verbringen durften, ein Dankeschön zu schicken, das hat dann auch die vollsten zwei Wochen in Anspruch genommen. Tobi ist den lieben, langen Tag durch die Gegend gefahren und hat Geschenke gekauft und ich saß zu Hause und habe in mehreren Sprachen Briefe verfasst, Videos von uns beiden geschnitten, die Geschenke eingepackt und Fotos entwickeln lassen. Abends haben Tobi und ich uns dann immer hingesetzt, die Videos gedreht und uns Gedanken gemacht, wem wir was schicken könnten. Es war eine riesengroße Arbeit und hat uns viel Geld, Zeit und Nerven gekostet, aber das war es wirklich wert!

Von einigen bekamen wir dann auch ziemlich bald darauf eine Antwort, wir müssten sie besuchen kommen und wären jederzeit herzlich willkommen, aber das habe ich schon alles nicht mehr mitbekommen, denn für mich ging es nach den zwei Wochen vier Monate nach Valencia, Spanien. Neben meiner eigentlichen Arbeit in einem Kinderheim habe ich dort auch meine ehemalige Gastfamilie und unsere Schule, in der wir gearbeitet haben, besucht. Und natürlich auch die Tanzschule von damals, in der ich in jeder freien Minuten zu finden war. Sie haben mir dort Flamenco beigebracht, wofür ich sehr dankbar bin. Das sieht leichter aus als es ist und kostet einen sehr viel Übung und Körperbeherrschung.

Auch in Spanien habe ich keinen einzigen Tag gebloggt und ich muss gestehen, ich habe es nicht vermisst. Ich habe dort ein klein wenig die Mentalität der Spanier angenommen. Feuer im Blut, aber Ruhe in der Seele. Ich war dort so ausgeglichen wie noch nirgendwo anders, mir hat es an nichts gefehlt, abgesehen von Tobi, der in Deutschland geblieben ist und die vier Monate noch gearbeitet hat. Es ging mir dort gut, obwohl bei mir zu Hause die Welt zusammen gebrochen ist. Das Schicksal ist eben gnadenlos und schlägt manchmal liebend gerne zu.

Es war gerade die Hälfte von meinem Spanienaufenthalt um, als mich ein Anruf aus Deutschland erreichte: „Ihre Mutter wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Es geht ihr sehr schlecht. Ist es Ihnen möglich, herzukommen?“ – „Was ist passiert?“ Aber eigentlich wollte ich es gar nicht wissen, denn mein Verdacht bestätigte sich auch noch. Unsere Vergangenheit hat uns eingeholt. Meine Mama konnte nicht mehr. Natürlich musste ich zu ihr, ich muss immer bei ihr sein, wenn etwas ist, wir brauchen uns gegenseitig. Es gab nichts zu diskutieren, ich bin zurück nach Deutschland und war für sie da. Und sie für mich. Und Tobi für uns. .
Auch in dieser schweren Zeit gab es keine verfügbaren Nerven für mein Baby, ich wusste einfach nicht, was ich machen sollte, so weitermachen wie bisher kam mir zu banal vor. Dennoch bin ich wieder zurück nach Spanien gereist. Ich fühlte mich feige und egoistisch deswegen, aber ich habe meinen Freiwilligendienst mechanisch zuende geführt, mein Zertifikat bekommen und ab nach Hause. Es ging allen besser, aber die seelischen Narben bleiben. Auch meine.

Es war ursprünglich geplant, dass Tobi und ich zusammen in Rostock studieren. Aber als ich dann gerade frisch gebacken aus Spanien wiederkam, konnte ich Rostock nicht mehr sehen. Ich wollte weg von zu Hause und gleichzeitig auch meine Mama nicht alleine lassen, die mit mir jedoch ellenlange Diskussionen geführt hatte, dass ich mein Leben nicht aufgeben sollte, um ihres zu beschützen. Also sind Tobi und ich zusammen weggezogen, weit weg. Wir leben jetzt in Leipzig und studieren hier auch beide. Mein Studiengang hat keinen NC, also konnte ich nachträglich noch hineinrutschen, aber Tobi musste für seinen extrem kämpfen, hat es aber geschafft. Wir haben hier eine Wohnung gefunden, tolle neue Leute kennen gelernt und ich habe eine Tanzschule für mich entdeckt. Mein Studium macht mir Spaß, mit mir zusammen studiert Romy, und zwar genau das Gleiche, wir haben uns so kaputt gelacht, als wir uns im Vorlesungssaal zum ersten Mal gesehen haben. Ich habe Französisch, Spanisch und Italienisch – genau wie Romy auch. Ich wusste zwar, dass sie auch hier in Leipzig gelandet ist, aber bin trotzdem völlig gedankenversunken zur Vorlesung gegangen, um die Überraschung meines Lebens zu bekommen. Außerdem habe ich noch Rumänisch, voll gut, dann verlern ich wenigstens nicht sofort alles, was ich mir dort eingeprägt habe.

Da Romy und ich jetzt so ziemlich auf einen Haufen sind und uns jeden Tag sehen, haben wir beschlossen, unsere Babys zu verbinden, sie ist genauso eine Schreiberin wie ich. Sie hatte zwar bisher nie einen Blog, aber sie wird hier ab und zu ein paar Posts als Gastautorin verfassen. Wir haben uns natürlich einen ungünstigen Zeitpunkt für den Start ausgesucht, nächste Woche fangen unsere Prüfungen an und ich muss noch so viel lernen, aber in Angriff nehmen wollen wir das Ganze schon. Wir wollen diesen Blog, dieses Marmeladenglas zu zweit wieder aufleben lassen, ich will mein Baby nicht wegschmeißen. Und zu zweit ist vieles einfacher, dann muss ich nicht mehr ganz so viel Angst haben oder mich verstecken.
Romy ist ein bisschen offener als ich, wahrscheinlich wird sie der repräsentative Teil und ich der organisatorische. Wir wissen es noch nicht, wie wir das aufziehen wollen, aber wir möchte zu zweit etwas erreichen, was uns Spaß macht.

So viel von meiner Seite. Ich bin also nicht tot, sondern noch motivierter als vorher, etwas aus meinem Leben zu machen und nichts dem Zufall zu überlassen. Mein Name ist Eileen, ich lebe und ich bin glücklich.

Samstag, 6. Oktober 2012

Briefe, die nie gelesen werden. Dennoch schreibe ich sie.

Coucou!

Ich habe so große Angst vor Montag! Ich bin jetzt schon total zittrig, wenn ich daran denke! Jeder sagt mir, dass ich stark bin und das schaffen werde, aber ich kenn mich. Ich weiß, wie sehr ich heulen werde, wenn ich Annes Bild und daneben die Urne stehen sehen werde. So eine Urne anzuschauen ist bestimmt komisch, ich komme mit dem Gedanken nicht klar, dass dort drin ein Mensch sein soll, das ist unwirklich. Dann ist Anne endgültig weg, das schmerzt.



Ich schreibe wirklich schon Briefe an sie. Selbst wenn ich eigentlich überhaupt keine Zeit habe, wenn ich total unter Strom stehe und tanzen muss bis zum Umfallen, trotzdem schreibe ich manchmal bis in die Nacht Briefe an sie, vier sind schon fertig. Vielleicht darf ich ja etwas mit in die Urne hineinlegen, sie hat nämlich einmal einen Schlüsselanhänger bei mir vergessen, einen kleinen Marienkäfer. Der muss in die Urne rein, ich wünsche ihr viel Glück auf ihrem Weg ins Jenseits oder wo auch immer tote Menschen hingehen, keine Ahnung. Ich habe über so etwas noch nie nachdenken müssen, jetzt erschlägt mich das alles.



Ich habe für Montag eine Freistellung bekommen, die anderen Mädchen haben schon längst angefangen zu lästern. Ich glaube, wenn ich trotz meiner ganzen Fehltage bisher (es sind schon zwei, oh mein Gott, ihr Schlampen!) bei diesem Tanzlehrgang gut abschneide, werde ich von allen noch mehr gehasst als sie es sowieso schon tun. Selbst wenn die todkrank sind, schleppen die sich zum Lehrgang, denn es geht denen nur ums Gewinnen.
Die Einzige, die nett zu mir ist, ist Nina, mit der konnte ich schon immer gut, wir tanzen immer die Partnerübungen zusammen. Alle anderen lassen immer mehr ihre andere Seite heraus. Jeder will hier gewinnen, und zwar alleine. Also sind einige der Meinung, dass man sich natürlich auch nicht mehr helfen muss. Es ist anstrengend, sich den ganzen Tag Rumgezicke anhören zu müssen. Klar will ich auch gewinnen, Paula Abdul treffen wäre einfach DER Hammer, aber ich hasse diesen Zickenkrieg und beteilige mich auch nicht daran. Deshalb bin ich natürlich nicht durchsetzungsfähig und werde diesen Lehrgang niemals bestehen, irgendwas müssen sie ja finden, was es an mir auszusetzen gibt. Gefolgt von meinen dünnen, wasserstoffblonden Haaren (es ist zwar dunkelblond, aber egal), meinen kurzen Röcken, meiner ruhigen Art (dass ich zurzeit nach Annes Tod nicht so gern auf die Pauke hauen möchte, interessiert diese arroganten Weiber aber auch nicht) und meinem Freund, den es ja angeblich nicht gibt, weil sie ihn noch nicht gesehen haben. Es ist völliger Irrsinn, wenn man versuchen will, ihnen die Wahrheit zu erklären. Auf gut Deutsch gesagt bin ich also nur eine kleine, an Aufmerksamkeitsdefiziten leidende Schlampe, die nichts auf die Reihe kriegt. Richtig geraten.



Heute kommt Kathy in Hamburg an, morgen kommen Tobi und J. aus England zurück, V., I., mein Schwesterchen aus Frankreich, die gestern angekommen ist, und ich holen sie zusammen vom Flughafen ab, alle da. Tobi habe ich zwar "gerade" gesehen, aber ich leide jetzt schon wieder unter Liebesentzug. Ich brauche ihn.
Und J. wiederzusehen, wäre auch mal wieder schön, mein bester Freund ist genauso unersetzbar wie durchgeknallt.

Am Mittwoch hatten wir ja alle frei und es war sogar einigermaßen schönes Wetter. Wir haben uns an der Ostsee getroffen, Steffie, R. und Kathi hatten Gitarren mit. Singen und Lagerfeuer am Strand machen ist sooo schön. Sari war da, Linchen, Christian, Flori, D., F., Simón, V., I., L., meine allerbeste S. natürlich und noch ein paar andere Leute, die Anne kannten und mochten. Einige hatte ich noch nie gesehen, aber in so einer Situation rücken natürlich alle zusammen. Wenigstens was.




Wir vermissen Anne sehr. Warum ist das Leben so ungerecht?

Lots of Love,
Eure Eileen

Montag, 1. Oktober 2012

"Ich weiß, wie ihr euch fühlt." - Sei still, halt einfach die Klappe, du hast keine Ahnung.

Coucou!

Tja, was soll ich sagen? Am besten gar nichts. Es hat sich nichts verändert, aber alles ist anders. Das Schicksal meint es mal wieder nicht gut mit uns. Aber der Reihe nach. Als letztes war ja das Rachel-Problem aktuell, mein Gott, erscheint mir das jetzt bedeutungslos. Das wird ein langer Post, es gibt viel zu verarbeiten. Ich muss das alles loswerden und aufschreiben und ich brauche viele schöne Bilder für die Seele. Lasst mich, ihr versteht meine Welt eh nicht!
Ich weiß, ich wiederhol mich, aber da oben ist ein [x] für die, die es nicht wissen wollen.



Rachel hat immer noch nicht aufgegeben, aber Tobi bleibt ziemlich hart, das fühlt sich in meiner Seele irgendwie gut an, denn er will mich und keine andere, warum auch immer. Tja, Applaus Hure. Aber du bist ihm nicht gut genug. Du bist ja so geil und jeder steht auf dich. Nur er nicht. Er will mich.
Bin ich so gut? Ich sei die Beste, sagte er schlicht. Ich weiß ja nicht.
Am 8. September hatte er Geburtstag, endlich sind wir beide 19. Ja, Tobi ist ein paar Monate jünger als ich, na los, es gibt genug, dich sich ihre Mäuler darüber zerreißen, also tut es bitte auch, der Ordnung halber. Und für mein Image.
Nein, so ist das nicht gemeint, aber es regt mich trotzdem auf. Vielleicht versteht das ja einer.



Ich habe mal wieder nicht nachgedacht und frei nach dem Kurschlussreaktionsprinzip gehandelt. Dadurch, dass ich zu seinem Geburtstag ziemlich fertig war - der Tanzlehrgang, die Entfernung, die Eifersucht, die Anstrengung, die Sehnsucht - das wurde mir alles ein bisschen zu viel und ich hatte eine gelegentlich mal auftretende Austick-Phase, die sich zu einem explodierenden Pulverfass entwickelt hat. Sie fing damit an, dass ich mittlerweile nur noch 45 kg wiege und endete damit, dass ich mein gesamtes Studiumskonto leergepumpt habe und nach London geflogen bin. Tobi hatte Geburtstag, ich vermisste ihn, ich konnte nicht anders, ich musste es tun. Ergebnis: kein Geld mehr, Mama völlig sauer, wütend, besorgt und vorwurfsvoll, weil ich ihr kein Wort gesagt hatte. Sie ist fast wahnsinnig geworden, weil ich mich erst wieder Stunden später aus England gemeldet habe, Tobi auch nicht sonderlich begeistert (wobei er sich gefreut hat, mich zu sehen), er wusste von nichts, außerdem einen verlorenen Tag beim Tanzlehrgang, eine zickige und wütende Rachel und noch eine ganze Menge Stress und Ärger.



Ich weiß, das versteht keiner, aber ich musste es tun, ich konnte nicht anders. Ich habe mit ihm also seinen Geburtstag in London gefeiert, er hat mich mit zu seinem Arbeitsplatz genommen und mir seine Gastfamilie vorgestellt. Und Rachel habe ich auch kennen gelernt, wirklich eine arrogante Barbie-Puppe mit zehn Tonnen Schminke im Gesicht. Meine Fresse, war die sauer.

Meine Mama war doppelt sauer. Sie kommt von der Arbeit nach Hause und findet eine leere Wohnung vor. Kein Zettel, keine Nachricht. Und ich war nicht zu erreichen, weil ich im Flugzeug keinen Empfang hatte. Wenn ich unüberlegt handel, denke ich nur an die Hälfte, das kommt davon.

Als ich aus England wiederkam, hat Mama mich vom Flughafen abgeholt und mir die gesamte Autofahrt über Vorträge gehalten. Ja Mama, ich weiß, dass ich Mist gebaut habe, ich weiß auch, dass du dir Sorgen machst, aber ich bin mittlerweile 19 und nicht mehr dein kleines Küken.

Den einen Tag vom Tanzlehrgang, den ich verloren habe, war schwer, wieder aufzuholen und ich bin mittlerweile jeden Tag froh, wenn ich nach Hause komme und mich einfach nur auf die Couch packen kann. Vor allem zum Essen. Womit wir beim nächsten Problem wären: 45 Kilo. Als ich das auf der Waage gesehen habe, wäre ich vor Schreck fast umgefallen. Das geht ja gar nicht! Ich muss dringend essen. Disziplin, Madame. Ich fühle mich auch irgendwie komisch, ein bisschen schlapp, ausgepowert und kaputt. Dieser Tanzlehrgang zerrt ganz schön an den Kräften. Das wusste ich zwar vorher, aber hinterher ist man ja bekanntlich immer schlauer.

Damit könnte ich theoretisch noch leben, aber der nächste Hammer, der nun folgt, damit kann ich nur schwer leben, obwohl ich es muss.

Anne ist tot.




Ich weiß echt nicht, was ich dazu sagen soll, es ist noch so unwirklich und weit weg, das hat wahrscheinlich noch niemand realisiert. Es ist, als ob die Zeit stehen geblieben ist und sich nichts mehr bewegt.









Nichts hat sich verändert. Was nicht stimmt, weil sich alles verändert hat. Sie ist nicht mehr.




Sie wurde Ende August ins Krankenhaus eingeliefert, das hatte ich ja noch geschrieben, es sah nach einer Lungenentzündung aus. Anderthalb Wochen musste sie sich aufregen, wie öde und langweilig das Krankenhausleben doch ist, dann durfte sie endlich wieder nach Hause.
Am nächsten Abend war sie wieder wie immer, wir waren zusammen bei Freunden, das war zwar keine Party oder so, aber trotzdem hätten wir sie niemals mitnehmen dürfen!
Am nächsten Tag ist sie zusammengebrochen und wieder ins Krankenhaus eingeliefert worden. Disgnose: Lungenembolie. Ich frage mich, was die Ärzte bei ihrem ersten Aufenthalt gemacht haben. Karten gespielt? Geld verwettet? Däumchen gedreht?
Zwei Operationen, die zweite hat Anne nicht überlebt.




Ich habe das in der Mittagspause von meinem Tanzlehrgang erfahren, S. hat mich angerufen, das war der Schock des Tages. Wie geht man damit um? Ich habe erst mal weitergetanzt, ich brauchte irgendwas zu tun. Aber dann, wenn man nichts mehr zu tun hat? Zu Hause bin ich in Tränen ausgebrochen. Doch nicht unser Annchen! Ich konnte mich noch nicht einmal richtig von ihr verabschieden. Ich mache mir Vorwürfe, dass ich sie nicht öfter besucht habe, weil ich durch den Lehrgang total unter Strom stand, aber hätte, wenn und könnte...
Zwei Dinge stehen fest: Wir hätten sie niemals zu den anderen mitnehmen dürfen, wir haben versagt, wir haben nicht auf sie aufgepasst. Und hätten die Ärzte bei ihrer ersten Krankenhauszeit ihren Job richtig gemacht, würde Anne vielleicht noch leben. Soviel zur Theorie.
Ich könnte ehrlich gesagt immer noch heulen, dabei ist es schon eine Woche her. Alle unsere Freunde sind aus allen Ecken zurück gekommen, um diese schweren Stunden durchzustehen, letztes Wochenende ist sogar Steffie aus Tansania wieder eingeflogen und Linchen aus Russland zurück gekommen. Bei mir ist zurzeit I., die ihr FSJ unterbrochen hat. Zu Hause wollte sie nicht schlafen.
Tobi und J. kommen zur Beerdigung aus England und sogar unsere Amerikanerin Kathy aus Denver kommt wieder her. Meine Schwester aus Frankreich kommt auch, die muss ich am Freitag vom Flughafen abholen.

Am 8. Oktober ist die Beerdigung, das wird hart. Ich war noch nie auf einer Beerdigung, weil es bisher in meinem Leben niemanden gab, den man unter die Erde bringen musste, glücklicherweise. Aber ich hatte gehofft, ich kann bei meiner ersten Bestattung mit etwas weniger Heftigem anfangen. Doch nicht Anne! Das ist nicht fair, sie wollte doch noch so viel machen! In drei Wochen wäre sie 19 geworden.
Sie hat mir bei so vielem geholfen, ich konnte mich noch nicht einmal bedanken! Ich fühle mich so schlecht. Ich bin traurig, ich mache mir Vorwürfe, ich könnte den ganzen Tag heulen, ich will unsere Anne zurück haben!
Ich muss das alles aufschreiben, um zu verarbeiten, um nicht verrückt zu werden. Ich muss irgendwas tun, sonst geh ich kaputt. Ich dreh noch durch!

Ich habe schon angefangen, Briefe zu schreiben, zwei sind schon fertig. Das hilft irgendwie, ich wollte Anne doch noch so viel erzählen.








Sie wird immer einen Schlüssel zu meinem Herzen haben, ich habe sie dort mittlerweile eingeschlossen und die Schlüssel weggeworfen. Sie kommt dort nie wieder heraus.
Anne, ich liebe dich, wir lieben dich alle. Es tut uns leid, dass wir es nicht besser konnten, wir fühlen uns, als hätten wir dich zerstört. Niemand kann das wieder gut machen. Niemand kann beschreiben, wie schrecklich wir uns fühlen. Niemand kann es ändern, niemand kann es erklären. 

Die Zeit bleibt stehen, ich will in die Kirche gehen und Millionen von Teelichtern für Anne anzünden, dabei bin ich gar nicht gläubig. Ich denke, ich werde es in dieser Woche trotzdem machen, I. und S. kommen bestimmt mit.


Ich habe seit anderthalb Wochen nicht mehr als 20 Stunden geschlafen, jede Nacht immer ein bisschen, die meiste Zeit war ich wach und hab vor mich hin gequietscht. Ohne heulen bin ich wohl kein Mensch. Ein Wunder, dass ich bei dem ganzen Stress, der mich zurzeit so umgibt, noch nicht zusammen gebrochen bin.



Ich muss ans Meer, Ostseeluft um mich herum. bestimmt machen wir das morgen alle zusammen, ist ja Feiertag. Lagerfeuer am Strand, Gitarren mit, Salz in den Augen, Meeresgeruch im Haar, Sterne, ... ohne Anne...
Jetzt weine ich schon wieder...


Hilft nichts, da müssen wir durch.


Lots of Love,
Eure traurige Eileen

Sonntag, 26. August 2012

Hätte ich einen Lolly, wäre meine Situation nur halb so schlimm.

Coucou!

Gestern war ich mit J. im Heide-Park. Nur wir beide, niemand sonst. Das war lustig. Eigentlich bin ich nicht so ein Freizeit-Park-Fan, da man die meiste Zeit mit anstehen verschwendet, aber gestern ging es eigentlich. Und das, obwohl Samstag war. Es gibt Fotos, aber ich zeig sie Euch nicht :P
J. ist nur noch zwei Wochen hier, dann geht er zurück in seine Heimat - nach London, um dort zu studieren. Dann ist er der Glückliche, der Tobi wiedersehen kann. Mein Gott, die Welt ist groß, aber trotzdem klein.




Wie gern wäre ich jetzt in London. Mir kommt es so vor, als sind dort alle, die ich liebe. Oder werden dort sein.
Vorhin bin ich aus Schwerin zurückgekommen, denn die liebe Anne liegt dort im Krankenhaus. Lungenentzündung, die Ärmste. Und dann hat sie noch etwas anderes Undefinierbares. Die Ärzte meinten: "Wenn du nicht so jung wärst, würden wir meinen, du hättest Burn-Out." Ô.Ô !?!? Na, das gibt einem ja Kraft. Anne ist zwar chronisch müde und hat sehr viel um die Ohren, noch mehr als ich, aber ich hoffe, bete und drücke die Daumen, dass es einfach "nur" Überlastung oder Überanstrengung ist, die man mit viel schlafen, ordentlich essen und vielen schönen Dingen wieder hinkriegen kann. Ihre Eltern wollen sie in eine Klinik einweisen lassen, weil die natürlich den Ärzten glauben, als wären es Heilige, aber Anne will das nicht. Außerdem wird das sowieso schwierig werden, denn sie ist volljährig.
Irgendwann wird dieses Land uns noch alle umbringen, wenn das so weitergeht. Ich hoffe nur, dass Anne nicht den Anfang macht.

Nun aber zu mir. So viel gibt's da nicht zu sagen, denn ich komm zurzeit nur zum Tanzen, zu nichts anderem. Ich habe schon wieder 0.5 kg zugenommen, es wird, ich muss einfach nur weiteressen. Ich darf nicht abnehmen. Tobi macht sich schon Sorgen.



Lots of Love,
Eure Eileen

Sonntag, 19. August 2012

Wie gern wäre ich jetzt bei dir.

Coucou!

Woche eins geschafft. Wochenende hauptsächlich Entspannung. Das Wetter ist Bombe, über 30 °C. Also lag ich gestern mit L., S. und R. faul am Ostseestrand herum, leider nicht braun geworden, ich Bäckermütze werde wohl immer eine bleiben.



S. hat mir gestern übrigens auch ihren neuen Freund vorgestellt, er heißt Jonathan - Johnny - und ist ein lieber Kerl. Er macht meine beste Freundin wieder fröhlich und glücklich, also mag ich ihn. Ich wünsche den Beiden alles Gute.
S. zieht bald um, sie ist eine der Letzten, die noch zu Hause wohnen, abgesehen von mir. Alle anderen sind schon in ganz Deutschland verstreut, es wird schwer werden, sich nicht aus den Augen zu verlieren, aber wir schaffen das!

Ist ein klassisches Nichts-Tun-Wochenende. Ich gehe zwar jeden Tag joggen und lerne artig meine Tänze, aber mehr nicht. Zu mehr habe ich keine Lust. Nur mit Tobi skype ich ganz viel. Er hat am Wochenende auch meistens frei und viel Zeit, also haben wir heute schon fast vier Stunden miteinander telefoniert, gestern noch länger. Ich weiß, ich bin verrückt. Ich vermisse ihn.




Weitere Geburtstagsgeschenke (meine Freunde haben nun mal echt 'n Knall! :D):

  • Buch "Die Känguru-Chroniken" von I. Sie hat es mir zugeschickt
  • Buch "Das Känguru-Manifest" von Vivi. Die beiden haben sich wohl abgesprochen

Ich liebe diese beiden Bücher, Tobi hat sie auch und mir mal zum Lesen gegeben, zum Schreien komisch, aber gleichzeitig furchtbar tiefgründig! Ein stoischer Kleinkünstler, der nicht als solcher bezeichnet werden will, lebt mit einem Känguru zusammen. Das Känguru ist Kommunist und steht total auf die Band Nirvana. Aussage des Buches ist relativ eindeutig: In Deutschland läuft schon lange nichts mehr so, wie es versprochen und nur vorgetäuscht wird. Lustige und versteckte Kritik, was will man mehr?
  • Anne hat mir eine total tolle Kette geschenkt
  • Sari, Steffie, Linchen und Kathi haben sich zusammen getan und mir einmal einen Shopping-Gutschein für H&M, außerdem ein bisschen Schmuck und Kosmetik und drittens einen traumhaften Rock geschenkt (ich bin noch nicht dazu gekommen, ihn abzufotografieren, denn wenn er nicht in der Wäsche ist, trage ich ihn und umgekehrt, so sehr gefällt er mir)

Morgen ist Montag, jeden Montag habe ich jetzt immer Vortanzen. Da müssen wir dann zeigen, was wir alles von der letzten Woche behalten und wie sehr wir am Wochenende alle unsere Tänze gelernt haben. Deswegen sollte ich jetzt wahrscheinlich noch ein bisschen war tun und unsere Nachbarn mit lauter Tanzmusik ärgern.

Song: Opium von Serebro, Choreo muss sitzen!

Nächstes Wochenende fahre ich mit J. in den Heidepark. Das hatte er mir ja zum Geburtstag geschenkt. Nur wir beide, das wird ein Bester-Freund-Tag. Ich freu mich!

Lots of Love,
Eure Eileen

Montag, 13. August 2012

Gedanken überschlagen sich, erschlagen mich.

Coucou!

Er ist weg. Ich fühle mich - ja, ich weiß nicht, wie ich mich fühle. Irgendwie ungewohnt. Eine Stunde muss ich noch warten, dann können wir skypen. Gestern Abend kam eine SMS, dass er gut angekommen ist und heute Morgen hat er mir viel Spaß für meinen Lehrgang gewünscht. Er ist bei mir, obwohl ich ihn nicht sehe, aber es ist seltsam.



Mein Tanzlehrgang ist hart, sehr hart sogar. Heute war erst der erste Tag und ich bin schon total kaputt, obwohl es auch viel Spaß macht. Die verlangen ganz schön viel von uns, aber wer in Berlin, Hamburg, Frankfurt und München auftreten will, sollte schon etwas dafür tun. Wir müssen ganz viel trainieren. Und jeden Tag kommt mindestens ein neuer Tanz dazu, ich sitze hier gerade in einem Meer von Zetteln und versuche, mir alles zu merken und die Schritte nicht durcheinander zu bringen. Ziel ist klar - Auftritt. Wenn ich das geschafft habe, gibt es eine Akkreditierungsurkunde, eine Auszeichnung, ein bisschen Geld und ein Treffen mit Paula Abdul. Das wäre der Wahnsinn, deshalb trainiere ich wirklich wie eine Besessene ;-)



Hmm, was gibt es sonst noch Neues? Ich bekomme demnächst ein paar Produkte zum Testen zugeschickt, mal schauen, was das wird.
S. hat einen neuen Freund, den sie mir am Wochenende vorstellen möchte.
Ich werde in der nächsten Zeit wahrscheinlich besonders viel bloggen, da ich irgendetwas brauche, um mit Tobis Abwesenheit klarzukommen. Er hat mich auch gebeten, das zu tun, um trotzdem alles mitzubekommen, was um mich herum passiert, er ist der Einzige, der von meinem Blog weiß, er liest ihn. Also wird Euch Eileen noch mehr mit sinnfreiem Zeug zumüllen ;-)


Noch was Anderes, was ich Euch zeigen wollte:

Während meines Tanztrainingslagers waren wir ja in Leipzig in der Deutschen Nationalbibliothek (Ich + Bücher = <3). Dort gibt es eine sehr interessante Ausstellung "Von der Keilschrift bis zum Binärcode". Ich habe davon viele Fotos gemacht, aber am besten haben mir die Sprüche auf den umstehenden Säulen gefallen. Verzeiht dir Qualität, es sind nur Handybilder ;-)











Außerdem wollte ich Euch ja noch meine Geburtstagsgeschenke zeigen. Mittlerweile sind das so viele, dass ich die wahrscheinlich in mehreren Posts aufteilen muss, meine Hayopays sind echt verrückt. Ich sage ihnen jedes Jahr, dass sie um Gottes Willen nicht so einen riesigen Aufwand wegen meinem Geburtstag machen sollen, aber jedes Jahr wird das geflissentlich ignoriert, was soll man machen? ;-)
Dafür haben sie auch alle mal Geburtstag, da kann ich mich dann revanchieren :-)


Fangen wir mal an, das auseinander zu nehmen:

  • zwei Karten für das Tarzan-Musical in Hamburg (im Dezember): von Tobis Eltern. Ich liebe Musicals, vor allem wegen der Tänzer, da kann man viel lernen. Und den Disneyfilm Tarzan mag ich sowieso gerne.
  • einen Gutschein von Tobis Schwester V., dass sie mir in Zukunft immer die Haare bei wichtigen Veranstaltungen macht. Damit wäre meine Hochzeit schon mal gesichert ;-) Im Prinzip brauche ich nie wieder einen Frisör, denn fürs Spitzen schneiden hat sie sich auch schon bereit erklärt, super :-) Außerdem hat sie mir noch ein Parfüm geschenkt.
Es ist traumhaft!
  • meine allerbeste S. hat mir eine Collage gebastelt, die ich aber nicht zeigen werde, und zwar aus dem Grund, weil S. und ich beide nicht unser Gesicht im Internet zeigen wollen
  • Von meiner Mama bekam ich ein Fotoalbum für meine Romy-Momente und außerdem einen lange schon überfälligen Mutter-Tochter-Tag, wahrscheinlich sogar mehrmals. Mama ist Romy-Schneider-Fan und deshalb sammel ich "Romy-Momente". Das kann der Blumenladen von neulich sein oder das hier:
Insgesamt habe ich schon 38 Romy-Momente, Tendenz steigend :-)
  • J., mein bester Freund, will mit mir in den Heide-Park, übernächstes Wochenende. Nur wir beide, das kann was werden.
Die restlichen Geschenke kommen in den folgenden Posts irgendwann, ich muss mal gucken, wie ich das mach. Und das beste - nämlich das von Tobi - kommt sowieso zum Schluss ;-)
Jetzt war es das erst mal, Skype ruft!


Lots of Love,
Eure Eileen