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Dienstag, 30. April 2013

Moderne vs. Tradition.

Auf der Suche nach dem nächsten Land, was ich mir vornehmen werde, ist mir sofort die Ukraine mit ihrer wunderschönen Hauptstadt Kiew eingefallen, in der wir ebenfalls zwei unbeschreibliche Wochen verbringen durften. Wir haben viel erlebt, neue nette Menschen kennen gelernt und mit ihnen unvergessliche Momente geteilt. Kiew ist eine total faszinierende Metropole und auf jeden Fall der allergrößte Geheimtipp von mir für die nächste Urlaubsreise innerhalb Europas. Wir hatten zwar recht kaltes Wetter und viele Regentage, aber dennoch hat es einen guten Grund, warum ich Kiew nicht mehr aus dem Kopf bekomme. Was wir dort alles gemacht haben, was wir erleben durften, welche Menschen und beeinflusst haben, habe ich größtenteils bereits in diesem Post und auch in den darauffolgenden niedergeschrieben.


IN DIESEM POST SOLL ES AUSSCHLIEßLICH UM MEINE GEDANKEN GEHEN.


http://www.weheartit.com/

EINTAUCHERLEBNIS...


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Kiew ist eine der ältesten Städte Europas und ohne Wenn und Aber ein ganz großes Kunstwerk! Ich habe an keinem anderen Ort so viel Flexibilität gelernt wie in der ukrainischen Hauptstadt. Man kommt nicht umhin, alles schön zu finden, selbst wenn es noch so schäbig und heruntergekommen ist. Kiew ist wirklich total kontrastreich und genau das ist das Faszinierende. Ich habe beispielsweise panische Angst vor Krabbelviechern, Arina meinte immer scherzhaft, sie halte sich eine Kakerlakenzucht als Haustiere. NEIN, da waren keine Kakerlaken, wo wir gewohnt haben, aber es soll in Kiew nicht unüblich sein, dass die schickste Kirche neben dem am meisten von Ratten befallenen Haus steht. Man lernt, so was gelassen zu betrachten.
Ich habe dort einen Lieblingsort gefunden, den ich so oft wie möglich aufgesucht habe, meistens alleine: der Botanische Garten bei Druzhby Narodiv. Wenn man durch Kiew schlendert und die ganzen Parkanlagen und Grünflächen bewundert, kommt man nicht dran vorbei, den größten Botanischen Garten der Stadt wunderschön zu finden. Die Bewohner von Kiew sehen das genauso und doch trifft man dort nie eine Menschenseele an.

Ukrainer sind extrem genügsam und machen sich nichts aus Regeln. Bei Spontanbesuchen wird herzzerreißend gut improvisiert (selbst wenn der Kühlschrank leer ist!), Geduld heißt das Zauberwort. Alles war total unkompliziert, wenn man von unserer Einreise am Flughafen einmal absieht, die meisten machen sich überhaupt keine Gedanken um morgen. Unsere Gastfamilie war da auch nicht anders. Sew und Arina haben auch ihre Kinder total unkompliziert und stressfrei erzogen. Dayana, der kleine Tollpatsch, hat einmal eine teure Blumenvase umgestoßen. Sie musste die Scherben zwar wegräumen, hatte aber überhaupt keinen Ärger bekommen. Alle drei Kinder sind jetzt schon total verantwortungsbewusst und selbstständig, nicht zu fassen.

Neben unserer Arbeit haben wir ja sehr viele Ausflüge gemacht, der nervenaufreibendste war definitiv die Fahrt nach Tschernobyl. Ein wenig Gedanken um gefährliche radioaktive Strahlen mache ich mir mittlerweile ja doch. Wollen wir hoffen, dass nichts passiert ist.
Am interessantesten war definitiv die Babushka-Tour, eine Rundfahrt in entfernte Dörfer, die noch traditionsgemäß die alten Bräuche und Sitten beherrschen. Ich kann jetzt einen ukrainischen Volkstanz, durfte selbstgebackenes Brot probieren (viel leckerer als das aus dem Supermarkt!) und mich sogar im Spinnen versuchen. Ich finde so was furchtbar spannend, in längst vergangene Zeiten einzutauchen und auch selbst mitzumachen, als wäre man ein Teil davon. Eine Dorfbewohnerin hat mir sogar eine Matroschka geschenkt. Ich mag es, eine Welt kennen zu lernen, die durch Technik langsam am Verschwinden ist. Und ich bin glücklich, diesen Volkstanz zu können, vielleicht kann ich ihn irgendwann weitergeben und jemandem beibringen, vielleicht kann ich weiterüben, zu spinnen (so bescheuert das jetzt auch klingt! :D) und vielleicht werde ich meine Matroschka an meine Kinder weitergeben. Einfach, damit nichts verloren geht und die alten Werte da bleiben. Wenn man in der Ukraine ist, denkt man darüber automatisch nach.

Und das Beste zum Schluss: unsere Gastfamilie! Was vermiss ich sie! Veronica schreibt mir ellenlange Nachrichten über Facebook, wann wir denn endlich wieder kommen. Ich glaube, mein Leben ist gar nicht so lang, wenn ich daran denke, wo wir alles wiederkommen sollen. ;)


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EINE UKRAINISCHE GASTFAMILIE KANN MAN NICHT BESCHREIBEN, MAN MUSS SIE ERLEBEN. 

Samstag, 16. März 2013

Geisterstadt.

Vorletzten Donnerstag, als wir noch in der Ukraine waren, hieß ein Tagestrip Tschernobyl. Ich habe mich ehrlich gesagt ein klein wenig gefürchtet, dort hin zu fahren, schon allein wegen der radioaktiven Strahlung - Physik war noch nie meine Stärke, wenn sie dort Menschen hinlassen, scheint es ja nicht mehr ganz so gefährlich zu sein.
Tschernobyl ist eine Geisterstadt. Es wohnt dort niemand mehr. Um die Stadt herum sieht man vereinzelte Häuser, es sind nicht mehr als 400 Bewohner, haben wir uns sagen lassen. Die Führung war glücklicherweise auf Englisch, also konnte ich folgen, als wir durch die leere Stadt spaziert sind, sogar am Atomkraftwerk vorbei. Fotografieren war verboten, warum auch immer. Aber ich glaube, ich hätte sowieso keine Bilder gemacht.

Ich hatte Angst, als wir dort waren. Ich kam mir so klein und verloren vor. Es ist alles mit Gras, Moos, Sträuchern und Unkraut überwuchert, die Häuser teilweise eingestürzt, halb verrottet und verlassen, Bauwerke nicht mehr zu erkennen und schon total verrostet. Eine kaputte Autoscooterbahn war noch voller Schnee. Es war, als ob man durch ein verlassenes Industriegebiet ging und nicht durch eine Stadt, in der früher einmal tausende von Menschen gelebt haben. Es war eine wertvolle Erfahrung, aber ich war dann auch froh, als wir wieder in den Bus steigen konnten. Obwohl eigentlich nicht viel dabei war, habe ich trotzdem ganz ängstlich jede Regung um mich herum registriert. Und beim Anblick des Skeletts eines toten verkrüppelten Hundes konnte ich auch einen Schrei nicht unterdrücken.

Freitag, 8. März 2013

Voll ukrainisch...

...ist eigentlich weder Kaffee bzw. heiße Schokolade trinken noch shoppen gehen, denn Ukrainer machen sich viel eher was aus türkischem Kaffee und die meisten haben eh nicht genug Geld, das sie zum Einkaufen ausgeben könnten. Shoppen ist hier purer Luxus, dementsprechend leer war der H&M hier auch. Ich war ganz begeistert, als ich am Mittwoch einen entdeckt hatte, da musste ich dann natürlich sofort rein! Ich habe nicht viel gekauft, nur zwei Armbänder für 84 Griwna (ca. 8 €). Und die heiße Schokolade war lecker! :-)



Verzeiht diese Bilder, ich ärgere mich jeden Tag aufs Neue, dass ich meine Kamera in Deutschland vergessen habe und somit alles mit dem Handy abfotografieren muss.

Mittwoch, 6. März 2013

Ey, wie süß ist das denn bitte?

Veronica hat mir heimlich eine Tasche genäht! Mein Gott, ist sie ein Zuckerstück! Arina hat ihr ein bisschen geholfen, aber im Prinzip hat Veronica alles so gut wie allein gemacht. Sogar so, dass ich nichts mitbekommen habe. Tobi wusste Bescheid, diese kleine Schweinebacke kann aber auch total ahnungslos wirken. "Eigentlich wollte ich dir die Tasche zum Abschied schenken", meinte Veronica. "Aber ich mag dich so gerne, deshalb bekommst du sie schon heute." Wenn das nicht süß ist, dann weiß ich auch nicht.





Wir haben natürlich in jedes Land Gastgeschenke mitgenommen und möchten jeder Familie etwas mitbringen (für Cluj/Rumänien müssen wir uns noch was ausdenken, das wussten wir ja vorher nicht). Der Koffer mit den Geschenken wird aber trotzdem nicht leerer, dort stapeln sich jetzt Souvenire drin. ;-)
Jedenfalls haben wir vor, allen Menschen, die uns so gastfreundlich aufgenommen, betreut, beraten und glücklich gemacht haben (dazu zählen nicht nur unsere Gastfamilien, sondern auch Leute von den Arbeitsorten wie zum Beispiel Fiona und Robert aus Irland, Voka aus Kroatien, Björk aus Schweden oder die Tanzschulbesitzerin aus Spanien), ein weiteres Geschenk zu schicken, wenn wir wieder in Deutschland sind. Einfach als Dankeschön für wunderschöne Eindrücke, Lebenserfahrungen, Begegnungen, Länder, Kulturen, Möglichkeiten, Augenblicke, Menschen, Meinungen, eben einfach Marmeladenglasmomente, die ich hier natürlich festhalten muss.
Natürlich ist uns klar, dass das noch mal ein ziemliches Mammutprojekt wird und wir haben ein bisschen Angst, ob wir das in zwei Wochen schaffen, doch ich bin da ziemlich zuversichtlich. Diese Menschen, die uns so viel gegeben haben, verdienen das einfach, da wurde zwischen Tobi und mir überhaupt nicht diskutiert. Dann müssen wir uns eben ins Zeug legen!

Montag, 4. März 2013

Sechste Etappe: Kiew/Ukraine.

Jetzt komm ich endlich mal dazu, meinen zusammenfassenden Bericht aufzuschreiben, das Fazit zu Schweden lässt ja leider auch schon sehr lange auf sich warten, damit möchte ich gleich anfangen!


S C H W E D E N - F A Z I T :

Es war so verdammt süß in Gävle, aber leider auch genauso kalt. Macht nichts, Mützen, dicke Socken und Schals besitze ich jetzt im Überfluss. Unsere Gastfamilie war sehr lieb, aber auch sehr fundamental. Bei uns wurde über einiges hinweg gesehen, weil wir nun mal aus einem Land kamen, in dem einige Dinge vielleicht nicht so üblich sind wie in Schweden, aber bei den beiden Töchtern Svea und Lovis haben sie manchmal echt durchgegriffen. Dabei sind sie volljährig. Ich habe aber erkannt, dass da ein ziemlich traditionsgebundener Sinn hinter steckt. Irgendwie kommt es mir so vor, dass allen Schweden noch die alten Werte mitgegeben werden, die in Deutschland langsam verloren gehen. Und es geht ihnen vor allem um Höflichkeit. Ohne das Wort "Tack!" ist man in Schweden aufgeschmissen. Alles in allem hatten wir aber wieder eine sehr schöne Zeit und vor allem auch supersüße Arbeit mit den Kindergartenkindern. Und ich habe mich in Stockholm verliebt!

Von der abenteuerlichen Einreise in Kiew habe ich hier ja bereits berichtet, irgendwie geht das hier nur so zu. Eine sehr chaotische Stadt und ich habe mir sagen lassen, auch ein sehr chaotisches Land.  Und genauso chaotisch ist auch unsere Arbeit, aber der Reihe nach!


K I E W:

...oder Kyjiw, wie die Ukrainer ihre Hauptstadt nennen, ist für meinen Geschmack etwas zu kontrastreich. Nach und nach werden traditionelle Gebäude immer verwahrloster und direkt daneben stehen die ganzen Plattenbauten aus sozialistischen Zeiten. Es gibt hier vor allem besonders viele Kirchen mit goldenen Kuppeln und Parkanlagen, überall ist es grün. Das ist vor allem jetzt, zum Frühlingsanfang, besonders schön, wenn überall die Knospen aufgehen. Es gibt auffällig viele Kastanien. Und überall in der Stadt schlängelt sich der Dnjepr durch.
Metro fahren ist hier sehr abenteuerlich, vom Bus fang ich gar nicht erst an zu reden. Jeder Zebrastreifen wird von Autofahrern geflissentlich ignoriert. Und sonntags haben alle Geschäfte offen... Dafür gibt es kein amerikanisches Fast-Food, also keinen McDonald's oder so, zumindest habe ich noch keinen entdeckt. Nur ukrainisches Fast-Food. Ich habe mir vorgenommen, es zu probieren!
Als wir angekommen sind, war es noch regelrecht winterlich kalt, aber mittlerweile wird es mit jedem Tag wärmer. Auch die Menschen hier scheinen mit der Jahreszeit mitzugehen. Anfangs noch viele etwas launisch und mürrisch, sind jetzt die meisten gemütlich-verspielt und leben fröhlich in den Tag hinein, fast so, als sie froh sind, dass der Winter endlich vorbei ist. Aber trotzdem ist hier so gut wie jeder sehr hilfsbereit und freundlich. Wir haben uns in der Stadt schon zwei Mal verlaufen, jedes Mal hatten wir danach wieder eine neue Begegnung gemacht. Ukrainer sind irgendwie faszinierend.




U N S E R E   G A S T F A M I L I E :

Unsere Gastmutter heißt Arina und unser Gastvater Sewarion-Vyacheslav, was ich bis heute nicht aussprechen kann, worüber er aber ständig lachen muss, wenn ich es versuche. Sew reicht für ihn aus. Er ist Russe, sie Ukrainerin, was in der Nachbarschaft nicht immer Wohlwollen auslöst, da sie nun mal auch seinen russischen Nachnamen trägt und auch Russisch spricht. Ich hatte zwar schon geschrieben, dass Russisch in vielen Gebieten der Ukraine dominiert, aber damit sind nicht immer alle einverstanden, vor allem wahrscheinlich die alteingesessenen Ukrainer nicht. Arina und Sew üben beide Berufe aus, in denen man Englisch braucht, also ist die Kommunikation auch nicht so wirklich kompliziert. An unserem Arbeitsplatz werde ich da schon eher blass, aber dazu später.
Die beiden haben drei Kinder: Yaroslav, Veronica und Dayana gehen alle noch zur Schule, wobei Yaroslav gerade in seiner Abitur-Phase steckt. Manchmal üben er und Tobi bis mitten in die Nacht noch für Englisch oder Geografie. Veronica lernt Deutsch in der Schule und möchte am liebsten den ganzen Tag mit uns "üben". Dayana ist die Kleinste und geht noch zur Grundschule. Eine sehr süße Familie, vor allem auch sehr harmonisch, hilfsbereit und unkompliziert. Wieder ein paar Menschen, mit denen wir sicherlich in Kontakt bleiben werden.




U N S E R E   A R B E I T :

Wir arbeiten in der Deutschen Botschaft von Kiew und helfen beim Organisieren von Veranstaltungen, Events, Feiern und Preisverleihungen jeder Art. Im Prinzip ähnlich wie in Kroatien, doch hier geht es weniger um vorführen und präsentieren, sondern mehr um den Menschen als Person. Schon mehrere Male waren wir in der Deutschen Schule von Kiew eingeteilt, dort Unterricht zu gestalten, das Goethe-Institut haben wir auch schon mehrmals von innen gesehen. Eigentlich haben wir viel mit Deutsch zu tun, alles Deutsche, was es hier in Kiew gibt, ist in unserem Zeitplan mit drin. Wobei es natürlich schwierig wird, wenn jemand mit einer Frage mich erst mal auf Ukrainisch zuquasselt. ;-)
Morgen und übermorgen haben wir zum Beispiel Tagestouren in viele verschiedene Schulen von Kiew und Umgebung, um den Deutschunterricht zu inspezieren. Wichtig ist dabei vor allem die Beobachtung der Schüler, wie sie auf die deutsche Sprache reagieren. Letzte Woche ging es auch häufig in Hochschulen, eine ukrainische Germanistik-Vorlesung ist sehr interessant. ;-)
Wir haben wirklich wenig Zeit, denn die Deutsche Botschaft arbeitet hier rund um die Uhr. Nebenbei noch Sprachkurse, damit ich wenigstens ein bisschen in Russisch und Ukrainisch mithalten kann. Tobi braucht nur einen Sprachkurs für Ukrainisch ablegen, was für eine Überraschung!
Außerdem bekommen wir dann noch außerplanmäßige Tagestrips ab, wenn wir mal einen Tag nicht in der Botschaft sind. Letzten Mittwoch gab es die obligatorische Stadtrundfahrt, gestern am Sonntag haben wir einen Ausflug durch verschiedene traditionelle Dörfer gemacht (Babushka-Tour), in denen die Menschen Brot noch mit der Hand backen. So was wird das "Erbe der UdSSR" genannt, aha. Am Donnerstag geht es nach Tschnernobyl, mal schauen, was das wird, ich bin deshalb leicht angespannt.

Abends bin ich meistens völlig kaputt. Oft setzen wir uns dann aber auch mit unserer Gastfamilie zusammen, trinken Tee, erzählen oder spielen mit den Kindern zusammen Spiele.

Mittwoch, 27. Februar 2013

Abenteuerlich.

Andere Länder, andere Sitten! Eine abenteuerlichere Einreise kann man sich wohl kaum vorstellen. Wir sind vorgestern in Kiew/Ukraine angekommen, das wäre aber beinahe schief gegangen. In der Ukraine braucht man eigentlich kein Einreisevisum, wenn man so wie wir nur zwei Wochen bleibt. Das wird erst ab 90 Tagen benötigt. Allerdings gilt das nur für Touristen. Wir sind aber keine Touristen, sondern zum Arbeiten in diesem Land, was die Flughafen-Security komplett durcheinander brachte.
Glücklicherweise ist in Kiew die russische Sprache sehr dominierend, also konnte wenigstens Tobi mit denen debattieren, der hatte in der Schule mehr oder weniger rudimentäres Russisch gehabt. Er erzählte mir danach allerdings, dass das die größte sprachliche Herausforderung war, die er je gehabt hatte. Auf Englisch wollten die sich nämlich nicht einlassen. Lange Rede, kurzer Unsinn.

Panik 1: Der Schalter hat unsere Reisepässe nicht angenommen, dabei waren die voll gültig. Die Ukraine gehört nicht zur EU, deshalb sind die da alle irgendwie ein wenig komisch drauf, wenn sie EU-Mitglieder vor sich haben. Wir haben dann jemanden von der Security geholt und damit ging der ganze Ärger los.
Panik 2: Der fing an, uns vollzuschnauzen, warum wir kein Einreisevisum haben, nachdem geklärt wurde, dass wir hier arbeiten werden. Zuerst auf Ukrainisch, da standen Tobi und ich dann noch ein bisschen hilflos da. Dann hat Tobi ihn ganz ruhig unterbrochen und fragte ihn trocken auf russisch: "Sprechen Sie Englisch oder Russisch?" Da war der erst mal überrascht. Dann kam zähneknirschend: "Russisch. Wo ist ihr Visum?"
Panik 3: Müsste man die Einreisebestimmungen für sein eigenes Land nicht eigentlich noch besser kennen als die Touristen, die einreisen wollen? Aber mir kam es so vor, als ob Tobi dem das vielmehr erklärt hat - und ich stand blond daneben. Wortwörtlich. Ich kann kein Russisch, und Ukrainisch schon gar nicht.
Letztendlich hat die Einreise doch noch funktioniert, nachdem wir unseren ukrainischen Ansprechpartner angerufen haben. Der hat die Situation am Flughafen dann geklärt. Es ist aber nicht witzig, um die Einreise in ein Land streiten zu müssen. Dementsprechend halb tot kamen wir bei unserer neuen Gastfamilie an.

Ich bekomme hier übrigens Sprachkurse für beides, Ukrainisch und Russisch, Tobi nur für Ukrainisch, super. Ich dreh jetzt schon durch mit der kyrillischen Schrift! Und ich komm total durcheinander! Neben den Sprachkursen ist unsere Arbeit wieder etwas heftiger und wir haben wenig Zeit. Meine Zusammenfassung erfolgt daher erst in den nächsten Tagen oder am Wochenende. Aber sie kommt noch!

Samstag, 23. Februar 2013

Planänderung.

Gestern kam ein schwedischer Vertreter unserer Auslandsorganisation vorbei und wollte mit uns sprechen. Ich war schon völlig schockiert: Haben wir irgendwas falsch gemacht? Der Typ, Björk, ein sehr netter Schwede, hat uns dann sofort beruhigt, dass alles gut wäre, aber der Hammer kam dann trotzdem noch. Unser Arbeitsplan wird geändert.

Ursprünglich wäre es jetzt folgendermaßen weitergegangen:

  • nächste Woche Kiew/Ukraine
  • übernächste Basel/Schweiz
  • danach Lyon/Frankreich
  • Cardiff/Wales
  • Florenz/Italien
  • zurück nach Deutschland 

Dann wäre es Anfang April, wir hätten ungefähr eine Woche Zeit gehabt, um uns wieder in unserem deutschen Leben zurückzufinden, und dann wäre es für mich zurück nach Spanien gegangen, für meinen Freiwilligendienst. Der würde bis August dauern. Jetzt ist alles anders.
Unsere Workshops und auch mein Freiwilligendienst hängen zusammen, das wird alles von ein und der selben Organisation gefördert, geplant und präsentiert. Deshalb haben die extrem viel Spielraum, was sie mit uns machen können. Und nun wurden wir noch für ein weiteres Projekt genommen. Es ist auch wieder ein Freiwilligendienst, das bedeutet, wir bekommen dafür kein Geld, wie das jetzt bei den Workshops der Fall ist. Unser neuer Plan sieht folgendermaßen aus:
  • zwei Wochen Kiew/Ukraine (weil die Leute dort absoluten Personalnotstand ausgerufen haben, do wie ich das jetzt verstanden habe)
  • eine Woche Basel/Schweiz
  • zwei Wochen Lyon/Frankreich (auf Frankreich freu ich mich seit dem Anfang!)
  • eine Woche Cardiff/Wales
  • eine Woche Florenz/Italien (aha, Italien schaffen wir also doch noch, die brauchen da auch Leute!)
Dann sind wir für eine einwöchige Busfahrt eingetragen, die aber nicht direkt etwas mit Arbeit zu tun hat, eher mit Geschichte, Gedenken und Stille. Wo fährt dieser Bus hin? Ganz ehrlich, so etwas wollte ich schon immer mal machen, aber allein trau ich mich einfach nicht: Konzentrationslager , oder das, was von ihnen übrig geblieben ist, anschauen.
Angefangen in Mailand geht es nach Mauthausen, Dachau, Flossenbürg, Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau (davor fürchte ich mich ehrlich gesagt), Belzec, Treblinka, Sachsenhausen, Ravensbrück, Neuengamme, Bergen-Belsen (auch davor habe ich Angst, vor allem weil ich spontan ein Exemplar "Das Tagebuch der Anne Frank" mitgenommen habe, wahrscheinlich werde ich es dort lassen) und es endet in Buchenwald. Meistens stehen natürlich nur noch Gedenkstätten oder Friedhöfe, aber es wird wahrscheinlich trotzdem eine ganz neue Erfahrung werden.

Und wenn man denkt, härter kann es nicht kommen (ich werde weinen, ich kenne meine schwachen Nerven, deshalb würde ich so eine "KZ-Rundfahrt" niemals alleine machen, ein Glück kommt Tobi mit), dann haut Björk noch einen größeren Hammer heraus!

Denn danach sind wir für drei Wochen in Cluj/Rumänien. Ich weiß, man hört viele Horrorgeschichten über die Lebensbedingungen der "Zigeuner" am Rande der Mülldeponie und ich muss Euch sagen: genau das wird unsere Arbeit sein. Björk meinte, dass es heftiger wird als Irland und Kroatien zusammen, weil wir mit sehr viel Elend konfrontiert werden. Nicht zu vergessen die Konzentrationslager. Dabei dachte ich eigentlich, dass mich nach Irland erst mal so schnell nichts mehr erschüttern kann. Oh doch! Wir wurden gefragt, ob wir damit einverstanden sind. Tobi und ich haben uns angesehen und uns war sofort klar, dass wir das machen wollen. Wenn man Menschen helfen kann, wieso sollte man es nicht tun? Es wird hart, elendig und furchtbar, das hat er uns auch klar gemacht, aber wir wollen nicht die Augen davor schließen, sondern verändern und darauf aufmerksam machen.

Ganz genau kenn ich unsere Arbeit in Cluj/Rumänien noch nicht, aber so viel vorneweg: Rumänien ist das zweitärmste Land der EU und dort lebt eine "Minderheit" von Sinti und Roma, abwertend "Zigeuner" genannt, obwohl ich das Wort Zigeuner eigentlich immer süß und schön fand, nachdem ich als Kind "Der Glöckner von Notre Dame" gesehen hatte, da ist das Wort Minderheit viel schlimmer. Klar wurden Zigeuner auch im "Glöckner von Notre Dame" gejagt, verbannt, verraten, gehasst, schikaniert, verhöhnt und eingesperrt, aber ich fand dieses Volk viel sympathischer als die ganze Pariser Stadtbevölkerung, obwohl sie sicherlich gestohlen, gelogen und sich gewaltsam das genommen haben, was ihnen ihrer Meinung nach zusteht.
In Rumänien wurden "Zigeuner" noch nie vollkommen integriert, sie gelten eher als Plage. Wahrscheinlich ist das noch vom Zweiten Weltkrieg hängen geblieben, meine Fresse. Sicherlich haben die Rumänen auch gar kein Geld dazu, das Elend am Rande der Müllkippe von Cluj zu bekämpfen. Aber wenn wir dort sind, schreib ich alles genau auf, allein schon mal für mich selbst, um zu verarbeiten.

Nach diesen drei Wochen ist es Ende April, wo ich eigentlich schon längst in Spanien sein müsste, aber das wurde alles nach hinten verlegt. Wir haben dann zwei Wochen Auszeit bekommen und werden definitiv zurück nach Deutschland, nach Hause, fahren, damit ich mich richtig auf meinen Freiwilligendienst, der dann nur noch fünf Monate dauern wird, vorbereiten kann. Zurück geht es nach Valencia/Spanien. Ich freu mich. Vorher müssen wir allerdings Stärke beweisen.