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Sonntag, 24. Februar 2013

Ein Völkchen für sich.

Heute melde ich mich ein letztes Mal aus dem kalten Schweden. Wahrscheinlich kommt mir das nur so vor, aber es fühlt sich hier wärmer an als in Finnland. Gestern waren wir in Örebro. Faszinierende Stadt. Überhaupt finde ich alle schwedischen Städte faszinierend. Es ist auch nicht leicht, zu sagen, welche nun meine Lieblingsstadt ist. Ich würde aber sagen: STOCKHOLM!


Ich liebe es, Pullover von den Städten, in denen ich war, zu kaufen. Bisher hab ich das immer, wo es einen gab, gemacht. Meistens musste ich dafür auch ziemlich lange suchen, aber so ein Pullover ist eine schöne Erinnerung und wenn man ihn trägt, möchte man am liebsten zurück!
Es war zwar leicht anstrengend, die ganzen kleinen Gören ;)  immer ordentlich in Schach zu halten, vor allem in einer Riesenstadt wie Stockholm, aber irgendwie haben wir es hingekriegt. Außerdem habe ich mal wieder so viele Dinge für meine Mama gekauft, hauptsächlich irgendwas mit Elchen, warum nur? ;)

Eins haben wir über Schweden gelernt: sie haben ihren eigenen Willen und der Ausländer hat sich anzupassen. Das gefällt mir persönlich gut, denn - zum Beispiel - anders als in Deutschland werden türkische Frauen hier toleriert und gastfreundlich aufgenommen, aber nicht mit Burka und Kopftuch.
Unsere Gastfamilie sind vom Verhalten her ebenfalls "typische Schweden", das haben sie selbst gesagt. Sie achten sehr auf Bräuche, Sitten und Traditionen und mögen es nicht, wenn sich andere, die sie aufnehmen, nicht daran halten. Unser Gastvater Jonte hat uns gleich am ersten Tag die Hausregeln im perfekten Englisch erklärt und deutlich gemacht, dass wir uns eine andere Familie suchen müssen, wenn wir die nicht akzeptieren. Das mag hart klingen, war aber letztendlich herzlich gemeint, denn die beiden, die sich nebenbei etwas Geld verdienen, indem sie Ausländer für einige Zeit bei sich beherbergen, haben uns gleich am nächsten Tag gesagt, dass sie froh sind, uns bei sich zu haben, weil wir uns die ganze Woche tunlichst an ihre Regeln gehalten haben. Und wenn mal etwas schief ging, haben sie gemerkt, dass es für uns befremdlich ist, weil wir aus einem anderen Land kommen, dann wurde drüber gelacht und gut war.
Heute gibt es sozusagen eine kleine Abschiedsparty für uns. Britta macht ganz viel traditionell schwedisches Essen (ich werde wohl Elchfleisch probieren müssen!), die Töchter Lovis und Svea kommen auch und wahrscheinlich sind wir nicht vor Mitternacht im Bett. Witzig, morgen früh halb sieben geht der Flieger von Stockholm. ;)
Morgen geht es in die Ukraine. Ich will hier nicht weg.

Samstag, 23. Februar 2013

Planänderung.

Gestern kam ein schwedischer Vertreter unserer Auslandsorganisation vorbei und wollte mit uns sprechen. Ich war schon völlig schockiert: Haben wir irgendwas falsch gemacht? Der Typ, Björk, ein sehr netter Schwede, hat uns dann sofort beruhigt, dass alles gut wäre, aber der Hammer kam dann trotzdem noch. Unser Arbeitsplan wird geändert.

Ursprünglich wäre es jetzt folgendermaßen weitergegangen:

  • nächste Woche Kiew/Ukraine
  • übernächste Basel/Schweiz
  • danach Lyon/Frankreich
  • Cardiff/Wales
  • Florenz/Italien
  • zurück nach Deutschland 

Dann wäre es Anfang April, wir hätten ungefähr eine Woche Zeit gehabt, um uns wieder in unserem deutschen Leben zurückzufinden, und dann wäre es für mich zurück nach Spanien gegangen, für meinen Freiwilligendienst. Der würde bis August dauern. Jetzt ist alles anders.
Unsere Workshops und auch mein Freiwilligendienst hängen zusammen, das wird alles von ein und der selben Organisation gefördert, geplant und präsentiert. Deshalb haben die extrem viel Spielraum, was sie mit uns machen können. Und nun wurden wir noch für ein weiteres Projekt genommen. Es ist auch wieder ein Freiwilligendienst, das bedeutet, wir bekommen dafür kein Geld, wie das jetzt bei den Workshops der Fall ist. Unser neuer Plan sieht folgendermaßen aus:
  • zwei Wochen Kiew/Ukraine (weil die Leute dort absoluten Personalnotstand ausgerufen haben, do wie ich das jetzt verstanden habe)
  • eine Woche Basel/Schweiz
  • zwei Wochen Lyon/Frankreich (auf Frankreich freu ich mich seit dem Anfang!)
  • eine Woche Cardiff/Wales
  • eine Woche Florenz/Italien (aha, Italien schaffen wir also doch noch, die brauchen da auch Leute!)
Dann sind wir für eine einwöchige Busfahrt eingetragen, die aber nicht direkt etwas mit Arbeit zu tun hat, eher mit Geschichte, Gedenken und Stille. Wo fährt dieser Bus hin? Ganz ehrlich, so etwas wollte ich schon immer mal machen, aber allein trau ich mich einfach nicht: Konzentrationslager , oder das, was von ihnen übrig geblieben ist, anschauen.
Angefangen in Mailand geht es nach Mauthausen, Dachau, Flossenbürg, Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau (davor fürchte ich mich ehrlich gesagt), Belzec, Treblinka, Sachsenhausen, Ravensbrück, Neuengamme, Bergen-Belsen (auch davor habe ich Angst, vor allem weil ich spontan ein Exemplar "Das Tagebuch der Anne Frank" mitgenommen habe, wahrscheinlich werde ich es dort lassen) und es endet in Buchenwald. Meistens stehen natürlich nur noch Gedenkstätten oder Friedhöfe, aber es wird wahrscheinlich trotzdem eine ganz neue Erfahrung werden.

Und wenn man denkt, härter kann es nicht kommen (ich werde weinen, ich kenne meine schwachen Nerven, deshalb würde ich so eine "KZ-Rundfahrt" niemals alleine machen, ein Glück kommt Tobi mit), dann haut Björk noch einen größeren Hammer heraus!

Denn danach sind wir für drei Wochen in Cluj/Rumänien. Ich weiß, man hört viele Horrorgeschichten über die Lebensbedingungen der "Zigeuner" am Rande der Mülldeponie und ich muss Euch sagen: genau das wird unsere Arbeit sein. Björk meinte, dass es heftiger wird als Irland und Kroatien zusammen, weil wir mit sehr viel Elend konfrontiert werden. Nicht zu vergessen die Konzentrationslager. Dabei dachte ich eigentlich, dass mich nach Irland erst mal so schnell nichts mehr erschüttern kann. Oh doch! Wir wurden gefragt, ob wir damit einverstanden sind. Tobi und ich haben uns angesehen und uns war sofort klar, dass wir das machen wollen. Wenn man Menschen helfen kann, wieso sollte man es nicht tun? Es wird hart, elendig und furchtbar, das hat er uns auch klar gemacht, aber wir wollen nicht die Augen davor schließen, sondern verändern und darauf aufmerksam machen.

Ganz genau kenn ich unsere Arbeit in Cluj/Rumänien noch nicht, aber so viel vorneweg: Rumänien ist das zweitärmste Land der EU und dort lebt eine "Minderheit" von Sinti und Roma, abwertend "Zigeuner" genannt, obwohl ich das Wort Zigeuner eigentlich immer süß und schön fand, nachdem ich als Kind "Der Glöckner von Notre Dame" gesehen hatte, da ist das Wort Minderheit viel schlimmer. Klar wurden Zigeuner auch im "Glöckner von Notre Dame" gejagt, verbannt, verraten, gehasst, schikaniert, verhöhnt und eingesperrt, aber ich fand dieses Volk viel sympathischer als die ganze Pariser Stadtbevölkerung, obwohl sie sicherlich gestohlen, gelogen und sich gewaltsam das genommen haben, was ihnen ihrer Meinung nach zusteht.
In Rumänien wurden "Zigeuner" noch nie vollkommen integriert, sie gelten eher als Plage. Wahrscheinlich ist das noch vom Zweiten Weltkrieg hängen geblieben, meine Fresse. Sicherlich haben die Rumänen auch gar kein Geld dazu, das Elend am Rande der Müllkippe von Cluj zu bekämpfen. Aber wenn wir dort sind, schreib ich alles genau auf, allein schon mal für mich selbst, um zu verarbeiten.

Nach diesen drei Wochen ist es Ende April, wo ich eigentlich schon längst in Spanien sein müsste, aber das wurde alles nach hinten verlegt. Wir haben dann zwei Wochen Auszeit bekommen und werden definitiv zurück nach Deutschland, nach Hause, fahren, damit ich mich richtig auf meinen Freiwilligendienst, der dann nur noch fünf Monate dauern wird, vorbereiten kann. Zurück geht es nach Valencia/Spanien. Ich freu mich. Vorher müssen wir allerdings Stärke beweisen.

Dienstag, 19. Februar 2013

Fünfte Etappe: Gävle/Schweden.

Es tat fast schon weh, Finnland Lebewohl zu sagen, wobei Schweden auch schön ist. Unsere neue Etappe ist so gut wie gegenüber von Seinäjoki, wir mussten ein bisschen fahren und uns dann auf eine Fähre begeben - ich hasse Schiff fahren, ich werde seekrank -.-

F I N N L A N D - F A Z I T :


Zum ersten Mal war unser Arbeitsplatz fast wie Urlaub. Wir haben ein bisschen Fremdenführer für die Bibliothek der Fachhochschule von Seinäjoki gespielt. Das hieß natürlich, ordentlich über Finnland Bescheid wissen. Ich habe noch nie so viel über ein Land gelernt wie in dieser einen Woche. Das Einzige, woran es noch hapert, ist die Sprache, da braucht man wirklich Jahre für. Und ich hab jetzt schon wieder die Hälfte vergessen, denn jetzt werden wir ja mit einer ähnlichen Sprache konfrontiert. Unsere Gastfamilie in Finnland war super nett und vor allem Tobi hat da Gleichgesinnte getroffen, mit denen er sich über Politik austauschen kann. Wir haben mit unseren "Lieblingsfinnen" immer noch Kontakt, irgendwie sind aus jedem Land ein paar Leute hängen geblieben.
Die Landschaft ist natürlich mehr als eindrucksvoll, vor allem im Winter, und wenn es nicht so verdammt kalt wäre, könnte man dort echt super und total entspannt leben!

http://weheartit.com/

Nun sind wir aber in Gävle, Schweden, angekommen.

G Ä V L E :

Hier ist es genauso kalt, was mich in den ersten Tagen leicht frustriert hat, woran man sich aber schnell gewöhnt. Es ist süß hier, und vor allem sieht die Stadt an einigen Stellen noch genauso aus wie vor hundert Jahren, was mir persönlich immer sehr gut gefällt. Wir haben uns sagen lassen, dass in Gävle in den meisten bunten Holzhäusern, die man in Schweden überall finden kann, Künstler wohnen, und wollen uns auch am Wochenende eine Ausstellung einer Freundin unserer Gastmutter angucken.

U N S E R E   G A S T F A M I L I E :

...sind viel eher nur Gasteltern, denn ihre beiden Töchter sind schon längst ausgezogen. Unsere Gastmutter heißt Britta und ist jetzt schon dabei, mir das dritte Paar Wollsocken zu stricken, weil mir einfach so verdammt kalt ist. Sie ist total lieb und ich sitze manchmal mit ihr bis in die Nacht teetrinkend in der Küche. Unterhalten ist ein bisschen schlecht, ihr Englisch ist recht mager, aber allein ihre Gegenwart ist so angenehm, dass es mir dort einfach gut geht. Unser Gastvater Jonte ist ein echtes Energiebündel und irgendwie jeden Abend, wenn wir von der Arbeit nach Hause kommen, am Holz hacken. Tobi und er können sich stundenlang unterhalten. Tobi kann wenigstens auch schon ein paar Worte Schwedisch, er hat früher zu Schulzeiten immer schwedische Austauschpartner aufgenommen.
Britta und Jonte haben zwei Töchter, die älteste, Svea, war gestern noch zu Besuch, und ist eine sehr liebe, aber auch ein wenig bestimmende Frau. Die andere, Lovis, kennen wir noch nicht.

U N S E R E   A R B E I T :

...ist definitiv furchtbar spannend. Wir machen jeden Tag Tagestouren mit Kindergartenkindern. Das darf man sich so vorstellen, dass wir ähnlich wie in Spanien jeden Tag einer anderen Gruppe zugeteilt werden, welche zurzeit alle ihre - in Deutschland würden sie Wandertage genannt werden - haben. Und da fahren eben alle mit dem Bus in andere Städte. Gestern ging es schon gleich nach Falun, heute sind wir in Uppsala. Tobi und ich haben gerade ein bisschen Pause, also hab ich mir gleich das nächste Internetcafé geschnappt und Tobi holt uns was zu essen.
Morgen fahren wir nach Västeras, übermorgen wird dann richtig spannend, zwei Städte an zwei Tagen mit Übernachtung: Stockholm und  Norrköping. Die letzte Stadt am Wochenende wird Örebro sein. Im Prinzip machen wir hier also einmal Mittelschweden in mehreren Etappen, richtig genial. Und nebenbei muss eine gewisse Anzahl von Schwedisch-Kurs-Stunden belegt werden, ich brauche noch 7, wann mach ich die denn? ;)

Ein schönes Land! :)
Ich hab nun leider keine Zeit mehr, wenn ich noch was essen möchte, vielleicht schaff ich es innerhalb der Woche noch mal! :)