Donnerstag, 1. März 2012

Jeder von uns ist Kunst - gezeichnet vom Leben // Casper

Coucou!

Ich habe die seltsame Eigenart, mein Umfeld zu analysieren. Das ist nicht immer positiv, denn Menschen kann man nicht analysieren. Aber ich analysiere auch keine Menschen, sondern eher die Beziehungen, in denen ich zu ihnen stehe. Aber auch das sollte man nicht machen. Ich weiß nicht einmal, ob ich es mache, es kommt mir nur immer so vor. Tobi meint, dass ich es nicht tue und selbst wenn, dass es nicht so schlimm wäre. Worum geht es überhaupt? Ich glaube, er meint nicht so ganz, was ich meine, was wirklich selten vorkommt.
Es geht um meine Lieblingsmenschen. Bisher habe ich ganz artig meine ganze Lebenspalette runtergerattert, für wen auch immer, und meinen wunderbaren Freund erwähnt, soll heißen: erwähnt, dass es ihn gibt und dass er mir wichtig ist. Das reicht ja wohl nicht, weder für ihn noch für meine Freunde, die mir wirklich alles geben, was ich so lange gesucht habe.

Meine beste Freundin S. habe ich in einem der ersten Posts schon etwas genauer vorgestellt. Sie ist einfach wunderbar. Eben wie eine beste Freundin sein sollte. Ich hoffe, dass ich auch eine bin. S. und ich gehen bald wieder auf ein Konzert, welches, darauf konnten wir uns noch nicht einigen, aber es steht fest. Mal sehen, ob ich meine Mama dazu überredet bekomme, wahrscheinlich muss ich dafür mindestens 7 Punkte in der Matheklausur schreiben. Das wird hart, aber nicht unmöglich. Und was tut man nicht alles? Man kann schließlich alles schaffen, wenn man nur will. Es ist nicht so, dass ich für schlechte Noten von meiner Mama Ärger bekomme, das macht sie nicht, das hat sie noch nie gemacht. Aber ich versuche trotzdem immer, gute Noten zu bekommen, einmal, damit ich mit mir selbst zufrieden sein kann und zweitens, damit Mama glücklich sein kann, weil sie weiß, dass ich etwas mit meinem Leben anfange.


Was meine Mama und mich verbindet, das kann ich nicht beschreiben. Ich will es auch gar nicht erst versuchen. Aber ich denke, dass es sich aus einem früheren Post mit meiner Lebensgeschichte erschließen lässt.
Was S. und mich verbindet, ist fast genauso viel. Keine Beschreibungen nötig, das Herz funktioniert ohne Bedienungsanleitung, ansonsten ist irgendetwas kaputt.

Ich werde die gesamte rechte Seite einmal durchgehen, alle Personen, die da stehen. Wen es nicht interessiert, der muss es logischerweise auch nicht lesen. Oben ist ein großes X, womit man die Seite schließen kann, nur zur Info. Wahrscheinlich schreibe ich das alles hier sowieso nur für mich selbst, aber das ist mir egal.


Auch R. habe ich schon ein paar Mal erwähnt, sie ist wirklich wunderbar, mit ihrer ruhigen und verträumten, aber auch feurigen und durchtriebenen Art. Das liegt sicherlich an ihrem spanischen Blut. Auch ihr Bruder, dessen Geburtstag wir ja in den Ferien ganz groß gefeiert haben, liegt mir sehr am Herzen.
R. sagte einmal zu mir: "Eileen, das ist kein Fehler, sondern Erfahrung." Damals habe ich nicht verstanden, was sie gemeint hat. Jetzt tue ich es. R. ist unsere Philosophin. Sie kennt den Sinn des Leben und manchmal raucht mein Kopf ein wenig nach Diskussionen mit ihr, denn ich bin lange nicht so klug und philosophisch wie sie. Das ist ein bisschen anstrengend für meinen tanzverseuchten Kopf.
R. schreibt Songs, sie singt sie auch, und das perfekt. Manchmal ist ein Lied die Welt für mich. Und meistens sind es ihre.

L. habe ich auch schon aufgeschrieben, die beste kleine Verrückte, die ich kenne. Ich hasse Twilight, aber wenn Ashley Greene die Rolle der Alice nicht gespielt hätte, dann hätte es L. spielen müssen. Sie ist genauso. Ein bisschen trantütig, ein wenig verpeilt und zerstreut, total verrückt, perfekt und wirklich winzig. Und sie hilft. Überall, wo sie kann. Es gibt nicht viele Personen, die das tun. L. stiefelt durch ihr Leben, als ob es mit ihr tanzt. Ihr Alter hängt von der Situation ab, in diesem Fall ist sie wie ich.

V. ist Tobis Schwester und mittlerweile ein Mensch, den ich mir aus meinem Leben nicht mehr wegdenken kann. V. und ich verstehen uns so gut, dass Tobi manchmal rausgeschmissen wird und ich mit ihr die Nacht alleine durchquatsche. Wir gehen oft zusammen ins Kino und gucken uns dämliche Mädchenschnulzen an, bei denen man vor allem über die Klamotten schwärmen kann. Und die Schuhe, mhhh, ich liebe Schuhe :9
Sie bekommt meine alten Hefter, Chemie zum Beispiel. Ich meine, was soll ich damit? Oder Wirtschaft. Brauch ich nie wieder. Aber sie hat das jetzt alles. Sie macht mir manchmal die Haare, das kann sie extrem gut.


So etwas hat sie mir auch mal gemacht. Das Foto ist logischerweise nicht von mir, ich stelle KEINE persönlichen Bilder von meinem Leben ins Internet, dafür ist zu viel passiert. Und das, obwohl ich so gerne fotografiere. Aber gibt's nicht, ich bin konsequent. Es schadet nur.

Die Frisur auf dem Bild hätte ich gerne bei meiner Hochzeit. Tobi, ich komme :)
V. kann das, sie hat es mir auch schon einmal gemacht, dabei hat sie sich wirklich selbst übertroffen, Sie sollte als Friseuse für Hochzeiten oder elegante Feiern oder so anfangen, aber das will sie nicht. Wir versuchen, sie dazu zu überreden, dass sie es später nebenbei macht, dann weiß ich auf jeden Fall schon mal, wer mir meine Hochzeitsfrisur macht, wenn es so weit ist.
Manchmal, wenn Tobi noch nicht da ist, machen wir zu zweit ein bisschen Wohlfühlprogramm mit wunderbaren Kosmetik- und Haarstunden. Wenn Tobi dann nach Hause kommt und das sieht, fragt er immer, ob er zu früh dran ist. Das ist immer extrem witzig, weil er dann so schnell wie möglich wieder das Weite sucht. Und V. und ich haben wieder etwas zu lachen.
Oft machen wir auch etwas zu dritt, einmal waren wir zusammen im Kino. V. und ich haben uns durchgesetzt und Tobi in einen Weiberfilm geschleppt. Die geilen Kommentare von seiner Seite waren fast noch unterhaltsamer als der ganze Film

"Freundschaft ist, wenn der Labello kommentarlos weitergereicht wird."
Das habe ich schon oft gehört, aber als V. es gesagt hat, da wurde mir erst bewusst, dass da sogar etwas dran sein könnte, wenn man es jetzt mal ganz simpel betrachtet. Freundschaft ist natürlich noch viel mehr. Aber V. hat damit Recht. Sie ist ein Goldstück.

Ulli ist eine tolle Freundin aus meiner Klasse. Sie hat immer hilfreiche Ratschläge und ist immer da, wenn man sie braucht. Sie lebt vor sich hin und ist eher darauf bedacht, anderen von ihrem schönen Leben abzugeben und alle anderen mit Fröhlichkeit zu beschenken. Das macht sie zu einem unglaublich hilfsbereiten und herzlichen Menschen. Sie kommt manchmal auch mit in die Tanzschule und macht ein paar Trainingseinheiten mit. Aber sie treibt das mit der Tanzerei nicht mit solch einer Akribie wie ich, sondern eher nur aus Spaß. Trotzdem freue ich mich immer sehr, wenn wir zusammen über verkorkste Schrittfehler lachen können. Man kommt nicht umhin, Ulli zu mögen. Sie ist einzigartig.


Anne, unsere allerliebste Anne. Ich bin sehr glücklich, sie zu kennen, sie ist wundervoll. Logisch, alle meine Freunde sind das. Anne setzt sich für andere ein, selbst wenn es für sie selbst Nachteile bedeuten könnte, Anne versucht zu helfen, wo sie kann, Anne ist in der Lage, Verantwortung zu tragen und nimmt sie auch auf sich. Anne ist für alle da.
Man kann Anne alles anvertrauen. Sie hütet Geheimnisse und schweigt wie ein Grab.
Sie geht auch in meine Klasse und macht immer für alle Deutsch-Hausaufgaben, weil da keiner so wirklich Lust zu hat. Dafür bringen wir ihr immer Schokolade mit (schon ne ziemliche Ausbeute, wenn du an einem Tag 27 Tafeln Schokolade einkassierst, und trotzdem hat Anne eine Top-Figur!) und helfen ihr in Chemie, denn das kann sie nicht, das kann fast keiner, aber irgendwie bekommen sie es alle immer hin ohne viel zu lernen, was vielleicht aber auch an der Lehrerin liegt. Nur Anne nicht. Sie erzählt mir immer, dass sie in Chemie genauso aussieht wie ich in Mathe: dekorative Einrichtung, lässt sich berieseln und guckt wie ein Fahrrad wenn sie zu allem Überfluss auch noch etwas gefragt wird. Ich kann sie da durchaus verstehen.
Anne und ich machen sehr viel Unsinn zusammen, wir sind total verrückt.

Sari heißt eigentlich Sarina. Sarina Kathleen. Sie hasst ihren Namen, aber ich werde meine Tochter später definitiv Kathleen nennen :)
Sari ist schon mit der Schule fertig und sogar bereits verheiratet, ihren Mann fürs Leben hat sie vor vier Jahren gefunden, Philipp. Ein netter Kerl, muss man schon sagen. Am meisten hat mich erstaunt, dass er die Eigeninitiative ergriffen und sie gefragt hat. Welcher Kerl mit 21 macht das schon?
Wir waren bei ihrer Hochzeit alle eingeladen, das war so schön. Alles. Das Einzige, was ich nicht toll fand, war, dass ich den Brautstrauß nicht gefangen habe. Tobi meinte dazu nur ganz trocken, dass er das auch besser so finde ;)
Sari ist ein winziges Persönchen, fast so winzig wie L., aber sie hat es faustdick hinter den Ohren. Sie könnte Alice definitiv nicht spielen. Sie kann sehr laut werden, wenn ihr etwas zu bunt wird, sie kämpft für ihre Ziele. Und sie ist immer da, wenn man sie braucht. Viele sagen, Sari ist der gute Geist unserer großen Gruppe. Sie organisiert so viel und macht und tut, damit wir uns alle nicht aus den Augen verlieren. Um sie ein bisschen zu entlasten, haben S. und ich bereits das Zepter der Konzertplanungen an uns gerissen, zusammen mit L., denn Sari kann schließlich nicht alles machen. Sie hat mit ihrem Studium genug zu tun.
Sie ist Mitglied einer der beiden Schulbands unserer Schule, welche auch nach dem Abi nicht zerbrochen ist. Regelmäßig werden Konzerte organisiert.
Sari und ich, wir machen manchmal etwas zu zweit und reden dann über unsere Jungs. Dadurch, dass wir beide bereits unsere große Liebe gefunden haben, gibt es da natürlich viel zu erzählen. Sari versteht mich und ich verstehe sie, denn Männer sind nicht immer einfach ;)
Sari ist wie ein positives Wunder: für alle da und niemals wieder weg!


Line - eine größere Quasselstrippe gibt es nicht. Mehr kann ich dazu nicht sagen.
Kathi ist das genaue Gegenteil. Aber stille Wasser sind tief - seeeehr tief.
Zu Steffie kann man ganze Bücher schreiben, aber die Zeit habe ich gerade nicht. Ich muss gleich los. Steffie ist versaut, ein bisschen asozial, kontra, extrem, verrückt und total krank. Aber nein, man muss nicht studiert haben, um Steffies schwarzen Humor zu verstehen, sogar ich kann es.
Und I. fehlt noch, die Jungs mach ich demnächst mal, wenn ich etwas mehr Zeit habe. I. ist - ja, was soll ich sagen? - einfach toll!

Schluss, aus, vorbei, Erdbeerquarktorte. Yum!

xoxo :)

Montag, 27. Februar 2012

J'ai envie de parler en francais!

Coucou!

H. ist da und es läuft richtig gut. Klar, was anderes habe ich auch nicht erwartet, wir sind schließlich ein ganzes Jahr miteinander klargekommen, ein halbes davon in Deutschland, das andere halbe in Frankreich. Tobi und ich haben sie am Samstag wie gesagt vom Flughafen abgeholt, das war so süüüüß :)
Und ich habe mir in den Kopf gesetzt, ihr so lange auf Französisch zu antworten, bis sie mindestens einmal drei Tage am Stück nur Französisch mit mir spricht. Bisher hat das noch nicht geklappt, sie ist genauso stur wie ich, aber ich arbeite daran :)
Wir sind heute in W. gewesen, zuerst in der Tanzschule und dann noch schön shoppen. Muss auch mal sein. Morgen schreibe ich Sozi-Test, wünscht mir Glück! Und morgen ist außerdem Tobis Bewerbungsgespräch. Ich bin schon die ganze Zeit am Daumen drücken!

Alles für heute, ich muss noch lernen.
Chéri - je t'aime. C'est important que tu le sais!
xoxo

Samstag, 25. Februar 2012

Voltaire-Programm.

Ich möchte von meiner ersten richtigen und vor allem längeren Auslandserfahrung, die ich machen durfte, berichten. Das will ich in der nächsten Zeit öfter machen. Jedes Mal Ausland erhält einen separaten Post und wird rechts oben in der Sidebar aufgelistet. Dann mal ran ans Werk.

Das allererste, was ich machen durfte, war glücklicherweise gleich etwas total Geniales und vor allem auch ein länger als nur ein paar Wochen dauerndes Programm. Ich habe einen Austausch mit Frankreich gemacht. 2009/2010 war ich ein halbes Jahr dort. Vorher war meine Lieblingsfranzösin Hélène ein halbes Jahr bei mir. Eine wunderschöne Zeit, obwohl ich ohne Tobi fast kaputt gegangen bin.

Ablauf
Es ist ein gegenseitiger Austausch zwischen einem Franzosen/einer Französin und einem/einer Deutschen. Es gibt auch gemischte Austausche. Man bewirbt sich dort mit Zeugnissen, Fotos, Lebenslauf, Briefen und ganz vielem anderen Krimskrams, meistens läuft das alles über die Französischlehrerin und die Schule. Man bekommt von dem Programm eine(n) Corres zugewiesen, die Aufgabe heißt dann, sich mit dem Franzosen in Verbindung zu setzen, um alles für die Ankunft (Februar/März) abzuklären. Der Franzose wohnt dann ein halbes Jahr in Deutschland. Im August geht das Ganze dann andersherum.
Meistens können das nur Schüler aus der neunten/zehnten Klasse machen, ich kenne eigentlich keine Ausnahmen. Man ist also 15 oder 16 Jahre alt.

Dinge, um die man sich kümmern muss:

  • Anmeldung des Franzosen/der Französin in der Schule und in der Stadt
  • Auslandskrankenversicherung
  • Anreise des Austauschpartners / Reise nach Frankreich
  • Förderungsgelder / Stipendien

Familienleben
Franzosen sind sehr darauf bedacht, ihr eigenes Ding zu machen. Jeder in der Familie lebt seinen eigenen Stiefel. Die Eltern von Hélène sind beide Mathelehrer (na toll!) und sie hat zwei jüngere Geschwister. Ich hatte schon nach kurzer Zeit einen Stammplatz in der Familie und auch wie jeder andere eigene Rechte und Pfichten. Man hat die Aufgabe, sich einzugliedern und ein aktives Mitglied im französischen Leben zu werden. Ich denke, ich habe das ganz gut geschafft, obwohl es natürlich auch manchmal ein wenig Streit und Diskussionen gab. Meine Mathekenntnisse sind aber dennoch nicht besser geworden, ich bin einfach ein hoffnungsloser Fall ;)


Schule
Man geht natürlich mit seinem Franzosen in die Schule. Ich war nicht in der gleichen Klasse wie Hélène, was aber auch nicht unbedingt schlecht sein muss, im Gegenteil, ich finde, dann knüpft man viel schneller Kontakte.
In meiner Klasse waren noch vier andere Deutsche, doch ich hab schon sehr früh versucht, auch mit den Franzosen in Kontakt zu kommen, was nicht sonderlich schwer war, denn Franzosen sind sehr offen und gehen sofort auf Tuchfühlung. Ich war aus irgendeinem Grund ziemlich beliebt in der Klasse.

Sprache
Auch wenn man am Anfang kein Wort versteht, das gibt sich mit der Zeit, wenn man an die Sprache gewöhnt ist. Was gab es oftmals was zu lachen, wenn irgendwer mir alles dreimal erklären und sich dann kaputtgekringelt hat, weil ich ihn immer noch ahnungslos anstarre. Am Ende hab ich so gut wie alles verstanden und musste erst mal wieder umdenken, als ich zurück in Deutschland war.

Erfahrungen
Gold wert. Man kann es nicht beschreiben, was man alles lernt. Vorurteile werden abgebaut, Philosophie ein Flügelwort. Ich habe vorher noch nie so viel über mich selbst nachgedacht wie zu dieser Zeit. Und ich habe seitdem auch nie wieder so viel gelernt. Hélène und alle anderen Franzosen haben mir mehr beigebracht als alle Lehrer in meiner gesamten Schullaufbahn zusammen.

Ich musste damals einen Bericht schreiben, auf Französisch. Aber ich werde die deutsche Version auf einer separaten Seite mit einbauen. Denn auch das gehört zu meinem Leben. Und man vergisst es niemals.

Freitag, 24. Februar 2012

Physik-Idiotie. Scheiße.

Physik-Test, uh. Physik ist scheiße, ich habe genauso wenig Ahnung wie in Mathe. Meine Physik-Lehrerin mag mich eh nicht, wahrscheinlich hat das mein Urteil schon längst besiegelt. Da hilft auch Tobi nicht mehr viel weiter, wenn er sich vor dem gesamten Kurs für mich einsetzt - glücklicherweise haben wir Physik zusammen -, weil sie mal wieder der Meinung ist, mich runterzumachen. Das macht sie leider sehr oft. Ich weiß nicht, ob man es schon Mobbing nennen kann, denn eigentlich hab ich hier nur Positives erfahren. Von Mobbing, Beleidigungen oder Gewalt war an meiner Schule noch niemals die Rede gewesen. Aber meine Physiklehrerin sucht sich ihre Lieblinge eben aus. Deshalb machen Tobi und ich auch so viele Fächer wie möglich gemeinsam, damit wir uns gegenseitig helfen können.

Es gab in Physik einmal eine Situation, in der ich mit der mündlichen LK dran war. Vorne, vor dem gesamten Kurs. Na klasse. Eigentlich wollte sie Alex drannehmen, das hatte sie zumindest in der vorigen Stunde angekündigt. Alex hat sich logischerweise auch darauf vorbereitet. Natürlich hat er sich auch sofort gemeldet, als sie die Liste durch und bei meinem Namen stehen geblieben ist. Wenn es um solche Sachen geht, sind wir alle sehr sozial. Aber sie meinte nur, dass sie mich jetzt haben will, weil ich angeblich noch zu wenig Noten hatte. Ich hatte genauso viele wie alle anderen. Hm. Einmal Gang zum Scheiterhaufen. Totale Bloßstellung. So fühlte sich das an, denn gelernt hatte ich nicht.

Ich bin ziemlich unfähig in Physik, aber auch nicht die Schlechteste. Aber einen goldenen Durchschnitt gibt es bei ihr nicht. Dementsprechend unsicher stand ich da, ihr dämliches Grinsen war zum Kotzen. Alle hatten mir leise Glück gewünscht, ich sah viele, die mir die Daumen drückten. Das gab mir Kraft. Ich sah Tobi, wie er neben meinem leeren Platz mitfieberte und mitfühlte. Ich konzentrierte mich auf ihn, denn wir lernen immer zusammen und ich versuchte, mich an das zu erinnern, was er mir einmal erklärt hatte. Genützt hat es nichts. Einige der Fragen konnte ich einigermaßen beantworten, aber es hat nicht gereicht. Gnadenlos hat sie mir O Punkte gegeben. Eine dicke fette O auf der Notenliste ist immer sehr deprimierend.
Sie war der Meinung gewesen, dass ich nichts zustande gebracht habe. Schön, wieder einmal Kindergarten-Feeling. Yippie, da kommen Erinnerungen hoch. Oh ja, ich kotz gleich vor Freude. Es sei alles falsch gewesen, dabei hatte ich eine Definition erzählt, an die ich mich noch erinnern konnte und die wortwörtlich im Buch stand. Nö, geht nicht wegen is' nicht. Ich bin natürlich zu schlecht. Sie gab mir keine Zeit zum Überlegen, sie triumphierte.
Es folgte eine riesige Diskussion mit dem gesamten Kurs, die fast den Rest der Stunde beanspruchte. Es war so schön gewesen, zu wissen, dass ich nicht alleine bin. Tobi war die ganze Zeit auf 18O und hat sich dann mit ihr angelegt. Ich musste ihn zurückhalten, denn ansonsten hätte er wahrscheinlich auch noch Nachteile daraus gezogen, denn mit sich reden lässt sie natürlich nicht. Sie hatte keine Argumente mehr und ließ und im Buch ein paar Seiten ausarbeiten. Dann verließ sie den Raum. Aha. Problem gelöst. Mit weglaufen. Verstehe. Wenn ich das tue, was leider öfters passiert, gelte ich immer sofort als feige.

Irgendwie bin ich das auch. Zu diesem Zeitpunkt war ich sehr schwach. Denn alle Gemeinheiten der Welt kann ich zwar tapfer über mich ergehen lassen, aber dann folgt in Kürze meistens ein kompletter Dammbruch. Na toll.
Aber diese Physik-Zankerei lässt mich immer wieder spüren, dass hier, wo ich mit meiner Mama hingezogen bin, weil wir in Lübeck nicht mehr konnten, niemand allein und einsam ist. Deshalb lebe ich sehr gerne hier. Man kommt hier her und wird ohne Vorurteile begrüßt und akzeptiert. Sicher mag nicht jeder jeden und es ist auch nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen, aber es wird hier niemand ohne Grund ausgeschlossen.
In Lübeck habe ich mich so alleine gefühlt. Außer meiner Mama hatte ich niemanden. Ab und zu mal eine kichernde Freundin, die sich im Endeffekt aber nur für Schminke, Mode, Klatsch und Tratsch interessierte und mit der ernsthafte Konversationen einfach nicht möglich waren, weil es ihren IQ weitaus überstiegen hätte.

http://www.weheartit.com/
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Dienstag, 21. Februar 2012

Montag, 20. Februar 2012

Schlampenleben.

Schule hat wieder angefangen, ich wollte schon nach den ersten beiden Stunden unsere Ferien zurück haben. Wir haben eine Menge wiederbekommen, bin ganz zufrieden mit mir. Und der Schnee ist endlich weg. Es wird definitiv Zeit für Frühling. Ich hasse Schnee, Winter und Kälte. Jetzt ist der Boden nicht mehr gefroren, sondern einfach nur noch matschig.  Das ist zwar auch nicht so schön, aber besser als Schnee. 

Ich trage trotzdem grundsätzlich kurze Röcke, auch im Winter. Obwohl ich Kälte hasse. Widersprüchlich, weiß ich selbst. Ich mache das, weil - ja, warum? Weil ich mich in Hosen unwohl fühle, weil ich Röcke mag, weil ... was weiß ich!? Ich habe keine Ahnung, wie viele Leute mich in der Schule oder wo auch immer bereits als Schlampe bezeichnet haben. Einmal Schlampe, immer Schlampe, du weißt schon. So entstehen Gerüchte. Ich hasse Gerüchte. Aber ich denke mir immer nur: Wow, muss mein Leben interessant sein, wenn es so viele gibt, die darüber lästern können. Aber egal. Einfach nicken und lächeln. Und abhaken.

NEID!

Anders kann ich mir das nicht erklären. Wobei ich beim besten Willen nicht weiß, worauf man bei mir bitte neidisch sein kann. Neid ist nicht schön. Das Einzige in meinem Leben, was beneidenswert ist, ist Tobi, er ist perfekt.
Ich schere mich nicht um Gerüchte. Es interessiert mich einen Scheißdreck, was andere meinen, von mir halten zu müssen, ohne mich zu kennen. In der Hinsicht ist die schwache Eileen auch mal tough. Aber das wahrscheinlich nur, weil ich so viel Unterstützung und Halt bekomme. Lernt mich erst mal kennen, bevor ihr euch das Maul zerreißt. Mehr kann ich nicht sagen.

Bist du hübsch, kommst du eingebildet rüber.
Bist du hässlich, sagt es dir jeder.
Bist du selbstbewusst, halten dich viele für eine Schlampe.
Bist du schüchtern, meinen alle, dass du den Mund nicht aufbekommst.
Bist du klug, giltst du als Streber.
Bist du dumm, machen sich alle über dich lustig.
Machst du etwas richtig, merkt es keiner.
Manchst du etwas falsch, werden sie dich ein Leben lang daran erinnern.

Und wie soll man diesen Anforderungen gerecht werden? Wo geht das Menschliche hin? Was lernen wir daraus? Ende vom Lied - diese Gesellschaft ist geschädigt und krank. Alle reden von Ehrlichkeit, aber jeder verarscht jeden. Herzlos, chérie. Herzlos.
Ich jammer nicht gerne, ich will auch nicht weinen, aber es passiert immer wieder. Aber wenn ich nicht weine, dann findet sich auch sehr gut etwas, worüber ich mich aufregen kann.

Mittwoch, 15. Februar 2012

Horrortrip.

Wieder zu Hause. Mädels-Abend ist etwas ganz Feines, alle Mädchen wissen das wahrscheinlich. Die gesammelte Mannschaft traf sich im Haus von Tobi und seiner kleinen Schwester Valerie, Valli, die auch zu meinem Freundeskreis gehört. Die Jungs haben wir in die Wüste geschickt, dann hatten wir ganze zwei Nächte und zwei Tage. Sassi, Laura, Romy, Valli und noch ganu viele andere Freundinnen, zu denen ich später noch etwas aufschreibe! Morgen wahrscheinlich erst mal etwas zu Valli.
Was haben wir gemacht? Wii und Singstar gespielt (ich kann nicht singen!), Plätzchen gebacken (im Februar, richtig), zusammen gekocht und gegessen, ganz viel gequasselt, Cocktails gemischt, ...
Mädels-Abende sind Pflicht. Meine Mädchen und ich, wir rocken das Leben. Sie sind wie pures Gold und ich liebe sie so dermaßen.

Eigentlich möchte ich jetzt eine Geschichte aufschreiben. Eine ernste zum Verarbeiten, bei der bis eben gerade nicht ganz fest stand, ob ich das wirklich alles aufschreibe oder doch lieber für mich behalten soll. Es ist mir ziemlich egal, ob sich das hier irgendjemand durchliest oder nicht, es hilft mir aber, wenn ich es aufschreibe. Wenn man den Post mit der Magersucht außen vor lässt, war dieser Blog bisher immer ziemlich fröhlich, weil mein Leben gerade einfach nur guuut und fröhlich ist, aber meine Vergangenheit ist es nicht. Es kostet mich Überwindung, mein Leben aus vergangenen Zeit aufzuschreiben, aber es hilft mir wahrscheinlich und danach fühle ich mich besser.
Diese Geschichte ist nicht besonders schön. Gewalt, Demütigungen und Enttäuschungen spielen eine große Rolle. Aber sie hat wenigstens ein Happy-End.
Mein Leben ist nicht erbärmlich, aber vor nicht allzu langer Zeit wollte ich es noch umtauschen. Ich wollte ein anderes. Ich bin keine Selbstmordkandidatin, ich wollte mich noch nie umbringen, ich bin eher die typische Heulsuse, wenn es mir zu viel wird. Und das wurde es leider oft. Es ist die Geschichte, warum ich keine Familie habe, warum ich so oft weine, warum ich so kaputt bin.

Meine Mutter wurde in Lübeck geboren und ist dort auch aufgewachsen. Ihr ging es dort ziemlich gut, ihre Eltern verdienten nicht schlecht und sie war ein Einzelkind. Das Image eines solchen kennt man ja. Ihre Kindheit verlief wohlbehütet, sie bekam alles, was sie wollte, und war zufrieden. Aber als sie in die Pubertät kam, wurde sie schwierig. Ihre Eltern bezeichneten sie als "undankbar" und "faul". Sie fing an, Schule zu schwänzen, hing den ganzen Tag mit einer zwielichtigen Clique herum und machte ihren Eltern nur Ärger. Denen wurde es irgendwann zu bunt. Und als meine Mama am Ende der neunten Klasse dann auch noch die Schule geschmissen hatte, machten sie kurzen Prozess und steckten sie in ein Internat. Von dort ist Mama aber weggelaufen und zurück nach Lübeck. Zu ihren Eltern wollte sie aber nicht mehr, denn die haben ihr ihrer Meinung nach mit dem Internat die schlimmste Freiheitsberaubung angetan, die es für sie gab.
Mama wusste nicht, wo sie hinsollte. Und irgendetwas musste sie ja machen, ab jetzt auf der Straße. Sie war gerade mal fünfzehn, als jemand sie ansprach, ob sie nicht auf eine einfache und sehr genussvolle Art Geld verdienen möchte. Klar, von irgendetwas musste sie leben.
Ohne zu wissen, worauf sie sich da einließ, sagte sie zu und merkte erst zu spät, wer dieser Typ eigentlich war, der ihr den Job angeboten hatte. Aber einmal logisch denken reicht und man weiß es. Der Typ war ein Zuhälter und meine Mama ab diesem Tag eine Nutte. Sie hat mir unter Tränen von dieser Zeit erzählt, es war noch mehr als jenseits von grauenvoll. Wenn es eine Hölle gäbe, wollte sie damals ihren Urlaub dort verbringen. Freizeit hatte sie keine mehr, nicht mal mehr genug Zeit zum Schlafen, Hauptsache Geld verdienen. Und das mit fünfzehn, auf solche kleinen Mäuse stehen die Männer natürlich. Fast drei Jahre machte sie diese Hölle mit, dann konnte sie nicht mehr.
Als ihre Eltern mitbekommen haben, was aus ihrer wohlerzogenen Tochter aus gutem Hause passiert war, brachen sie alle Brücken ab und verstießen sie. Ich habe bis heute keine Ahnung, wer meine Großeltern sind, denn sie haben sich nie wieder bei ihrer Tochter gemeldet. Mama war dann also allein.
Jeden Tag Sex für Geld, und aussteigen konnte man nicht. Kondome waren für die Männer Vorschrift, der Zuhälter achtete darauf. Er konnte es sich nicht leisten, dass seine Mädchen sich mit HIV oder anderen Krankheiten infizierten oder sogar schwanger wurden. Das wäre ja Geldverlust. Mama war mit Abstand die jüngste Nutte. Junges Frischfleisch wurde sie immer genannt. Und bei ihr hat es den ganzen Freiern am wenigsten gepasst, dass sie immer Kondome benutzen musste, ohne wäre ja schließlich viel geiler. Was haben sie gemacht? Abends oder vielmehr nachts, wenn Mama "Dienstschluss" hatte und der Zuhälter nicht mehr so genau hinsah, was seine Mädchen trieben, weil er schon mehrere Alkoholsorten durcheinander intus hatte, dann kamen sie und haben meine Mama vergewaltigt. Alle, immer wieder. Wie ein riesiger Soldatentrupp, der sich abspricht, heute ich, morgen du. Und jeder ist mal dran, damit es gerecht aufgeteilt ist. Es ist eigentlich ein Wunder, dass meine Mama kein AIDS bekommen hat. Aber schwanger wurde sie, von einem dieser widerlichen Typen. Geld für eine Abtreibung hatte sie nicht, also musste sie wohl oder übel das Kind austragen, und war sich sicher, es niemals lieben zu können und am besten zur Adoption freizugeben.
Ich bin dieses Kind. Ich bin das Ergebnis einer von zahllosen Vergewaltigungen. Wer letztendlich mein Erzeuger ist, kann man also so ohne weiteres nicht feststellen, es gibt mehr als 20 Möglichkeiten.
Als meine Mama merkte, dass sie schwanger geworden war, wollte sie aufhören, doch der Zuhälter ließ sie nicht. "Notfalls prügel ich dir das Kind aus dem Leib", sagte er. Aus Angst lief sie weg und begann wieder ein Leben auf der Straße. Sie lebt heute noch in Angst, dass er sie eines Tages finden könnte.
Sie war 17, als sie mich bekam, in einem Krankenhaus von Lübeck. Die wollten sie zuerst nicht aufnehmen, denn sie hatte kein Geld, keine Krankenkarte, gar nichts, stand also quasi mit Wehen im Flur und wurde abgewiesen. Mein Gott, Deutschland ist so ekelhaft zu seinen Bürgern. Die hätten sie ihr Kind glatt auf der Straße bekommen lassen, wenn nicht ein Pfleger mit Herz ein Auge zugedrückt und gesagt hätte, dass das nicht wahr sein kann und dass sie mit ihm mitkommen solle. Er hat sich durchgesetzt, dass sie ihr Kind normal zur Welt bringen konnte, was ihn aber beinahe seinen Job gekostet hatte. Meine Mama wollte mich zuerst zur Adoption freigeben, sie wollte mich nicht lieben können. Und ich kann es auch verstehen. Aber es kam anders. Sie erzählte mir, dass sie es nicht übers Herz gebracht hatte, mich wegzugeben, als ich in ihrem Arm lag. Ich hätte so lieb ausgesehen und sehr viel von ihr, ich sehe meiner Mutter sehr ähnlich. Hätte ich meinem Erzeuger ähnlicher gesehen, hätte sie mich wahrscheinlich eher weggegeben. Also hat sie ihr Vorhaben aufgegeben und mich aufgezogen. Sie wusste, dass sich die Dinge grundlegend ändern mussten, das ging so nicht weiter. Sie lebte eine Weile in einem Frauenhaus und als sie volljährig wurde, ist sie dort wieder ausgezogen und hat sich Arbeit gesucht. Zu diesem Zeitpunkt hatte meine Mama immer noch keinen Schulabschluss - wann hätte sie den auch machen sollen? - was die ganze Sache erheblich erschwert hatte. Deshalb ist sie so hinterher, dass ich in der Schule gut klar komme, denn sie wünscht sich für mich einen weitaus besseren Berufseinstieg, als sie ihn hatte.
Es war wirklich schwer, Arbeit zu finden, denn welcher Betrieb stellt schon eine junge Frau ohne Schulabschluss ein, noch dazu mit einem schreienden Kind? Sicherlich keiner. Mama hatte keine Freunde, wo sie mich hätte lassen können, deshalb musste sie mich zunächst mitnehmen, bis sie einen Krippenplatz finanzieren konnte. Einen Betrieb gab es. Die Chefin von dieser Arbeitsstelle hatte ein Herz und ließ Mama als Aushilfe arbeiten. So konnte sie wenigstens die Miete ihrer Wohnung bezahlen und wusste, wovon wir beide uns ernähren sollten. Aber die Firma musste bald Insolvenz anmelden, sie war einfach zu klein, um sich auf dem immer weiter steigenden Weltmarkt behaupten zu können. Also hatte Mama wieder nichts. Ich war mittlerweile ein Jahr alt und konnte dann wenigstens im Kindergarten bleiben, während Mama sich um neue Arbeit bemüht hatte.
Ich war im Kindergarten die Kleinste, aber ich konnte schon laufen und mit dem Löffel essen. Mama musste die Wohnung kündigen, weil sie die Miete nicht mehr zahlen konnte. Wir haben dann bei ihrer ehemaligen Chefin gewohnt, die mittlerweile ihre Freundin und meine Patentante geworden war. Ein halbes Jahr hat Mama von Sozialhilfe gelebt, sie hat sich wieder in einer Schule angemeldet und ihren Abschluss nachgemacht. Damit konnte man sich wenigstens bewerben, auch wenn das eine Weile gedauert hat. Zunächst waren erst mal wieder nur Aushilfsjobs drin, zum Beispiel als Putzfrau oder in einer Bäckerei. Irgendwann sind wir bei Sandra, also meiner Patentante, wieder aus- und in eine kleine Wohnung in ihrer Nähe wieder eingezogen. Sandra kam uns oft besuchen. Sie hat ebenfalls eine Tochter, die meine beste Kindergarten- und Grundschulfreundin wurde. Auch heute haben Theresa und ich noch Kontakt, Sandra kommt uns schließlich oft besuchen und bringt sie dann natürlich mit. Theresa ist ein bisschen jünger als ich, aber wir verstehen uns gut.
Mit einem ordentlichen Schulabschluss in der Tasche hat meine Mama eine Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht, fing aber schon bald an, als Taxifahrerin zu arbeiten, was sie auch heute noch tut. Fahrschule hatte sie irgendwann noch dazwischen geklatscht. Ich war den ganzen Tag im Kindergarten und wurde immer von Sandra mitgenommen, wenn sie Theresa abgeholt hatte. Und abends hat Mama mich dann bei ihr abgeholt. So ging das vier Jahre lang, so lange dauerte ihre Ausbildung und die Zeit, die sich brauchte, um Arbeit zu finden, mittlerweile als Taxifahrerin.
Dann kam ich in die Schule, worüber ich sehr froh war, denn im Kindergarten war es schrecklich. Wenn ich heute so drüber nachdenke, finde ich, dass diese ganzen Erzieherinnen absolut keine Ahnung von Pädagogik und/oder diese Unterrichtseinheit wohl verschlafen hatten. Uns wurde beigebracht, wie man sich zu wehren und durchzusetzen hatte. An und für sich eine gute Sache, aber die Art und Weise ging gar nicht. Man sollte sich durchbeißen und anderen nichts lassen, was einen selbst benachteiligt.
Man sollte andere Kinder schlagen, wenn sie einem das Spielzeug weggenommen hatten. Man sollte treten, hauen, kratzen, beißen und brüllen, nur um sich durchzusetzen. Ich habe mich schon frühzeitig geweigert, andere Kinder zu schlagen, denn Mama hatte mir immer wieder gepredigt, dass man das nicht macht, dass Gewalt absolut keine Lösung sei. Die Erzieherinnen sagten mir, ich sei zu klein und zu schwach, um mich durchzusetzen. Ich würde später nichts auf die Reihe bekommen, weil niemand mich je ernst nehmen könne. Mama wurde oft in den Kindergarten zitiert, weil ich ein unmögliches Kind wäre, das sich den Erziehungszielen des Kindergartens widersetzt. Da habe ich angefangen, andere zu hauen, bis sie weinten, denn ein kleines Kind, dem gesagt wird: "Du bist böse, du enttäuscht uns", wird natürlich alles tun wollen, was man von ihm verlangt, damit es nicht mehr böse ist.
Wahrscheinlich kommt daher meine manchmal etwas rüde und raue Art. Bestimmt war ich total unsicher und verwirrt. Mama erzählte immer weiter, dass ich niemanden schlagen sollte - und Mama hat ja bekanntlich immer Recht und weiß alles -, aber im Kindergarten bekam ich das genaue Gegenteil um die Ohren geklatscht. Ein Wunder, dass ich keine aggressive Schlägerbraut geworden bin.
Dann kam ich also in die Schule. Alles neu. Theresa wurde leider erst ein Jahr später eingeschult, aber ich fand einen ganz guten Anschluss in der Klasse. Das hat sich aber schon bald geändert, als sie erfahren haben, dass meine Mama "nur" als Taxifahrerin arbeitete und wir kein Geld hatten. Da war ich dann schnell unten durch. Kinder können so gemein und grausam zueinander sein. Also war die Grundschule gleichbedeutend mit sinnlosem Dahinvegetieren und Versuchen, den Ansprüchen gerecht zu werden. Ich glaube, wenn man so jung ist, dann sind das die besten Jahre, um geformt oder aber auch kaputt gemacht zu werden. Man fragt sich, was die anderen haben, was einem offensichtlich fehlt. Geld, aha. Alle Kinder, deren Eltern nur mittelmäßiges Einkommen hatten, wurden aus der Klassengemeinschaft nach und nach ausgeschlossen, die Lehrer sahen machtlos zu. Man fragt sich: Warum ich? Was habe ich denen getan? Ich hatte nur Theresa, als sie im nächsten Jahr dann endlich auch in die Schule kam. Mit meiner Klasse beruhigten sich die Spannungen irgendwann wieder. Nachdem die Direktorin mal ordentlich ihre Meinung gesagt hatte, schienen sie mich und unsere finanzielle Situation zu akzeptieren. Das war aber alles nur scheinheilige Fassade. Hinter meinem Rücken haben sie sowieso über mich gelästert. Das hat auch nicht aufgehört, als ich aufs Gymnasium kam. Auch hier waren wieder alle sehr nett und freundlich. Man arbeitete zusammen, man wurde hin und wieder auch zu einem Kindergeburtstag eingeladen, man wurde zusammen älter. Aber eine Freundin, eine richtige Freundin, hatte ich in Lübeck nie, nur Mama. Niemanden sonst. Selbst Theresa hat sich immer mehr von mir entfernt. Und nach einer Weile fing ich an, diese oberflächliche Bagage zu verachten. Sie interessierten sich für nichts anderes als für sich selbst. Jahrelang hieß es: Einatmen, Küsschen links, Küsschen rechts - umdrehen und kotzen! Das machten alle, also dachte ich, dass ich es auch machen müsste, obwohl ich es nicht wollte. Gruppenzwang ist echt das Letzte. Aber ich war ja zu schwach, um meinen Willen durchzusetzen und ich hatte auch nie die Chance gehabt, selbst etwas auszuprobieren, selbst gegen den Strom zu schwimmen, das hatten die Kindergartenerzieherinnen erfolgreich vernichtet.
Was war ich froh, als wir dort endlich weg konnten! Mama hat gemerkt, dass es mir schlecht ging, meine Noten haben sehr darunter gelitten. Deswegen sind wir umgezogen. Und was soll ich sagen? Hier sind wir glücklich. Hier habe ich die Liebe meines Lebens und richtige, echte Freunde gefunden. Als ich damals angekommen bin, war ich sofort positiv überrascht. Jahrelang waren in der Schule Demütigungen, Lügen, Verrat, Lästerei, Ignoranz, Egoismus und Oberflächlichkeit an der Tagesordnung. Und hier? Offenheit, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Interesse, das Gefühl, etwas wert zu sein, einen soliden Platz in der Klassengemeinschaft zu haben. Ich glaube, so einen krassen Umschwung erfährt man nur einmal im Leben. Und dann hat das schon sehr bald mit Tobi angefangen.
Ich hatte in Lübeck auch einen Freund gehabt, aber was soll's? Er hatte keinen Bock mehr auf mich und ich wollte ihn nicht mehr, weil er mich dazu gedrängt hatte, mit ihm zu schlafen. Ende vom Lied? Zwei Tage später hatte er eine Neue. Zuckersüß, die Schlampe. Die hat sich bestimmt bereitwillig von ihm vögeln lassen. Mir egal. Tobi war in mein Leben getreten. Und dort ist er heute noch, mittlerweile an erster Stelle. Seine Augen, seine Stimme, sein Lachen. Ich liebe ihn so sehr. Und Sex ohne Liebe gibt's hier auch nicht.
Meine Mama hatte seitdem ein paar Mal wieder einen Freund gehabt, aber es hatte nie funktioniert. Wahrscheinlich hat sie Angst, sich richtig fallen zu lassen. Sie fürchtet sich davor, nicht aufgefangen zu werden. Ich bewundere sie für das, was sie getan hat. Sie hat ein Kind, dass sie eigentlich hassen müsste, behalten und gelernt, es zu lieben. Es war bestimmt ein riesengroßes Opfer für sie und ist es sicherlich noch heute, denn ich weiß, dass es schwer für sie ist. Schon allein, wenn sie mich ansieht, wird sie an ihre Vergangenheit erinnert. Meine Anwesenheit lässt alles wieder aufleben. Ich bin der wandelnde Beweis, dass man seine Vergangenheit selten oder nur sehr schwer hinter sich bringen kann. Sie müsste mich hassen, doch sie tut es nicht. Und dafür liebe ich sie. Sollte irgendjemand jemals etwas Schlechtes über meine Mutter sagen, dann ist der bei mir lebenslänglich unsympathisch und unten durch. Man sollte sich darauf einstellen.
Ich liebe meine wunderbare und unübertrefflich tolle Mama. Es bereitet ihr Schmerzen, mich anzusehen, mit mir zu reden, mich zu berühren, mich zu lieben. Sie tut es trotzdem. Sie erträgt tapfer die Schmerzen, um mir nicht zu schaden. Sie bringt ein riesengroßes Opfer. Und dafür danke ich ihr von ganzem Herzen.

All das habe ich erfahren, als ich 13 war, natürlich war es ein Schock. Aber seit diesem Tag weiß ich wenigstens, warum mein Erzeuger es nicht wert ist, überhaupt jemals seinen Namen in den Mund zu nehmen, wenn man den denn kennen würde, oder jemals auch nur von ihm zu reden.
Als ich klein war, wurde ich immer gefragt, was mein Vater macht, wo er ist und wie er heißt. Ich musste immer sagen, dass ich es nicht weiß. Andere Kinder erzählten, was sie alles Tolles mit ihren Vätern gemacht haben, das versetzte mir schon einen Stich. Wenn es in meinem Leben je etwas gab, worauf ich richtig neidisch gewesen bin, dann darauf. Ich habe es einfach nicht verstanden. Alle hatten einen Vater, nur ich nicht. Ich habe Mama oft gefragt, es hat sie Überwindung gekostet, überhaupt erst zu antworten. Dein Vater hat uns verlassen, hat sie immer gesagt. Wo er ist, wollte ich immer wissen. Das wisse sie nicht. Mehr Fragen hat sie nicht geduldet. Meistens fing sie dann auch an zu weinen, und ich habe mich verstört gefragt, was ich falsch gemacht habe. Also wurden Fragen zu meinem Vater weniger und irgendwann haben wir gar nicht mehr von ihm gesprochen. Es war nie die Rede von ihm gewesen, er hat nie existiert.
"Sind deine Eltern zu Hause?", fragen die Versicherungsfritzen am Telefon. "Mama arbeitet noch", antwortet die neunjährige Eileen. "Und dein Papa?" Aufgelegt.
Sie haben meistens noch mal angerufen und dann war Mama da, je nachdem wie ihre Schicht ging. Aber ich habe nie wieder auch nur ein Sterbenswörtchen von meinem Vater erzählt (zumindest nicht in der Zeit, als wir noch in Lübeck wohnten), ich habe nicht einmal mehr das Wort Papa in den Mund genommen, niemals wieder. Selbst heute nicht. Ich musste mich auch überwinden, dieses Wort überhaupt erst aufzuschreiben.
Ich habe keinen Vater, ich habe keine Familie. Ich habe meine Mama. Einen wunderbaren Freund. Und bombastische Freunde. Mehr brauche ich nicht. Hat schließlich mein ganzes Leben lang gut funktioniert.
Mamas Taxischichten wurden mit der Zeit strenger, je älter ich wurde. Deshalb hat sie mich so sehr zur Selbstständigkeit erzogen. Ich konnte mit sechs Jahren mein Lieblingsessen eigenständig kochen und war mit acht zum ersten Mal über Nacht alleine zu Hause, weil Mama Nachtschicht hatte. Und ständig bei Sandra einladen konnten wir uns ja schließlich auch nicht.
Ich hasse meinen Erzeuger. Ich denke, das versteht sich von selbst.  Er hat meiner Mama nur Schlechtes angetan, er hat sie benutzt. Sie war für ihn kein Mensch, sondern ein wertloses Mittel zum Zweck. Sogar kostenlos. Die schönste Sache der Welt kann so schmutzig werden, indem sie so dermaßen in den Dreck gezogen wird. Und dann ist sie wertlos. Man ist dann wirklich nur noch ein Objekt. Elendig. Kalt. Gefühlstot. Taub. Eingeäschert. Nutzlos. Stumm. Und man lässt es über sich ergehen. Völlig menschenfremd. Wie ein Tier. Ein Tier, das schwächer ist als ein anderes. Man kann sich nicht wehren. Man kann nicht leben. Man kann aber auch nicht sterben.

Das Ganze ist jetzt 18 Jahre her. Meine Mama hat Angst, jemals wieder mit einem Mann zu schlafen. Sie hat es in den gesamten 18 Jahren auch nicht wieder getan. Sie fürchtet sich vor Erinnerungen. Es geht sogar schon so weit, dass sie mir einmal gesagt hat, sie hasse Sex. Kann ich verstehen.
Als sie mir das alles erzählt hat, bin ich in die Welt hinausgestiefelt mit meinen 13 Jahren und habe gedacht, Sex wäre etwas Verdorbenes, etwas Schmutziges, etwas Wertloses. Man solle sich hüten, auch nur jemals dieses Wort zu sagen, dann wäre man gleich selbst eine Hure. Sicher, ich habe Filme gesehen, in denen es Sex-Szenen gab, sie waren liebevoll und schön, wenn man jetzt zum Beispiel an "Titanic" oder "Romeo und Julia" denkt. Aber damals habe ich echt geglaubt, dass 'miteinander schlafen' und 'Sex haben' zwei verschiedene Sachen sind. Wahrscheinlich war das ewig meine Hemmschwelle. Ich wollte nie mit Daniel, meinem Ex-Freund aus Lübeck, schlafen, obwohl er mich immer gefragt und regelrecht dazu gedrängt hatte, mit ihm Sex zu haben. Ich habe mir immer gesagt: Nein, auch wenn du ihn liebst, eine Hure wirst du nicht.

Und dann kam Tobi. Erst Tobi hat mir gezeigt, was richtige Liebe überhaupt bedeutet. Als er mir damals sagte, dass er gerne mit mir schlafen möchte und mich gefragt hat, was ich davon halte, war ich regelrecht überrascht, aber auch neugierig. Und noch viel erstaunter darüber, dass es so schön wurde. Da wusste ich, dass Tobi derjenige ist, der mein Herz verdient hat. Er ist das Beste, was mir je passiert ist. Alleine seine Anwesenheit macht mich verrückt, sein Anblick bringt mich um den Verstand und seine Liebe ist das Wertvollste, was ich besitze. Und das wird immer so bleiben.

Ist etwas länger geworden, Scheiß drauf. Lebensgeschichten sind immer lang.

Montag, 13. Februar 2012

Tanzaufführung.

Erste Tanzaufführung gehabt. Es lief gut. Meine Mama und Tobi haben zugeguckt, das macht die Sache immer ein bisschen einfacher, aber mein Gott, war ich aufgeregt. Tobi tat mir ganz schön leid, der durfte sich vorher mindestens eine Dreiviertelstunde lang anhören, dass das alles total schief gehen wird, dass ich mich hoffnungslos vertanzen werden, dass das alles nicht funktionieren wird. Ich bewundere seine Geduld, wenn ich die totale Panik habe. Wahrscheinlich hab ich das nur deshalb so erfolgreich geschafft. Als ich raus kam, auf die Bühne, saß er da und hat mir die Daumen gedrückt. Ich habe von Anfang an so oft es ging meinen Blick auf ihn geheftet. Es hat geholfen. Guuuut :)

Samstag, 11. Februar 2012

Ferien.

Erst mal kein Stress mehr. Mh, stimmt nicht ganz, ich habe in den Ferien ganz viel zu tun. Fünf Tanzaufführungen in einer Woche, Rekord. Außerdem ganz viele Übungsstunden mit meinen Kleinen, denn wenn ich frei habe, bin ich grundsätzlich in der Tanzschule zu finden. Und zwei Sportwettkämpfe hab ich auch noch. So etwas lege ich immer in die Ferien, denn in der Schulzeit würde meine Mama es nicht so oft erlauben, ist aber auch in Ordnung, Schule geht vor. Ich will schließlich mal was Anständiges werden ;)

Ach so, und nicht zu vergessen: am Montag wollen wir Mädels-Abend machen, für ganze zwei Nächte! Schööön :) Tobi zieht mit seinen Jungs los, seine Eltern und sein kleiner Bruder sind im Urlaub, wir haben das gesamte Haus für uns. Valerie, seine kleine Schwester ist auch mit dabei. Sie hat das arrangiert. Perfekt.
Mal sehen, was sich ansonsten noch so ergibt, eine Woche ist ziemlich kurz für alles, was man gerne mal wieder machen würde. Ich wollte zum Beispiel seit langem mal wieder Urlaub mit Tobi machen, aber wir finden einfach keine günstige Ferienwoche, in der wir beide Zeit haben.