Freitag, 22. März 2013

Achte Etappe: Lyon/Frankreich

Freu dich, du bist in Spanien, heißt es bei irgendeinem Online-Reiseanbieter doch immer, jedoch freu ich mich jetzt, endlich wieder in Frankreich zu sein! Und ich bin für meinen Teil mehr als happy, denn ich darf hier als Tanzlehrerin arbeiten! Dazu aber später, erst werde ich wie gewohnt Basel in Switzerland auswerten.

S C H W E I Z - F A Z I T :

Es gab bisher nicht ein Land, das so schwer zu beschreiben war wie die Schweiz. Bei der Ukraine war es für mich auch schwierig, die passenden Worte zu finden, jedoch bin ich jetzt wirklich ziemlich überfordert und sitze schon seit einer halben Stunde, ohne zu wissen, was ich denn jetzt schreiben soll. In der Schweiz sind Unterschiede nicht klein, sondern gleich mal schluchten-like. Die Menschen sind verschlossen, aber gleichzeitig auch nicht, sie haben ihre eigene Art und hohe Erwartungen an das Leben, die Leute verdienen hier auch ziemlich viel. Es soll alles einfach und unkompliziert, aber gleichzeitig mit den besten Lebensstandards und total gut organisiert ablaufen. Das Land ist sehr sauber und es wird darauf auch einen großen Wert gelegt. Und es ist zu merken, dass viele Schweizer keinen großen Wert auf Deutschland legen, ich kann es ihnen nicht verübeln.
Unsere Doppelarbeit hat Spaß gemacht, war aber trotzdem so stressig, dass ich von der Schweiz bisher am allerwenigsten mitnehmen konnte, als im Vergleich zu anderen Ländern. Das ist schade, aber auch hier kann ich sagen: "Wir kommen wieder!" Allein schon, um unsere liebe Gastfamilie zu besuchen, die vor allem an den letzten beiden Tagen total aufgetaut ist.

Jetzt sind wir also in Lyon und haben zum ersten Mal keine Gastfamilie, sondern leben in einer WG mit noch drei anderen Jugendlichen, von denen einer Amerikaner, einer Chinese und nur der dritte Franzose ist. Es funktioniert aber alles bestens, das sind total coole Leute.


L Y O N :


Früher war ich zwar schon mal in Lyon, doch das ist drei Jahre her und war leider nur ein Tagestrip. Es ist aber meiner Meinung nach definitiv eine Stadt, der man eigentlich genauso viel Aufmerksamkeit schenken sollte wie Paris. In Frankreich fühle ich mich sowieso überall heimisch, aber dass wir in so einem Zuckerstückchen von Stadt arbeiten dürfen, ist der Wahnsinn. Man wünscht sich hier jeden Tag, wenn man durch die Straßen geht, mindestens fünf Augenpaare mehr, ein Phänomen, das ich bisher erst bei Paris, Stockholm, Kiew und Valencia so intensiv wahrgenommen habe. Die ganze Stadt ist hell erleuchtet, im Dezember müssten wir mal hier sein, da findet nämlich die "Fête des Lumières" statt, wobei es jetzt auch schon faszinierend hell überall ist. Extrem spannend ist auch das Essen, noch einmal ein bisschen anders als beispielsweise in Paris oder Bordeaux. Tobi, der sich nicht viel aus Käse und Meeresfrüchten macht, würde wahrscheinlich am liebsten jeden Tag einen Mecces aufsuchen. Ich gebe zu, Meeresfrüchte und Fische sind auch nicht mein Ding, aber meine Devise lautet, dass wenigstens alles probiert wird. Und Victor, unser französischer Mitbewohner, kann wunderbar regionales Essen kochen.
Lyon hat zwar ziemlich geschmacklose Vororte, aber eine herzzerreißend schöne Innenstadt, auch hier will ich wieder her! Die Welt hat schon viele Goldstücke zu bieten!





U N S E R E   I N T E R N A T I O N A L E   W G :


Also, wir wohnen wie gesagt zu fünft mit noch drei anderen Jungs zusammen in einer WG. Ich bin das einzige Mädchen und weiß noch nicht, wie ich das finden soll. Der Chinese heißt Kam Wing, oder so, und spricht nur Englisch. Sein Französisch ist noch ziemlich mager, wobei er dabei ist, es zu lernen. Er ist ein wenig aufdringlich und neugierig, aber ansonsten schwer in Ordnung und vor allem sehr hilfsbereit.
Der Amerikaner heißt Evan und ist so ein Typisch-Ami, wie ihn sich jeder durchschnittsdeutsche Bundesbürger vorstellt: totaler Football- und Baseball-Fan, Mecces-Suchti (mit ihm zieht Tobi also immer los, wenn sie keinen Bock auf Garnelen mit Kroketten haben), völlig abgedreht, locker drauf, Camping-Freak, hilfsbereit, geduldig und tolerant. Ich glaube, mit Evan und Tobi haben sich echt zwei gefunden! ;)
Und der dritte, der einzige Franzose, ist Victor. Er ist wie gesagt ein fantastischer Koch, leider totaler Kettenraucher, und - ohne Scheiß! - abergläubisch! Ich denke mir immer, irgendwelche Macken hat halt jeder, aber Victor ist schon fast nicht mehr normal, wenn er fast austickt, nur weil die Nachbarn eine schwarze Katze haben. Er ist der Sonnenschein der WG und die ganze Zeit voll am Strahlen, und ein "Typisch-Franzosen-Vorurteil/Klischee" stimmt sogar bei ihm: Es hat keinen Bock, richtig Englisch zu lernen, deshalb ist die Verständigung zwischen ihm und Kam Wing nicht ganz so genial, Evan kann ja wenigstens rudimentäres Französisch!
So viel zu unserer Chaoten-WG, wobei alle vier Jungs wirklich sehr sauber und ordentlich sind. Die stellen sich sogar hin und bügeln, zum Totlachen. :D


U N S E R E   A R B E I T : 


Ich bin total begeistert! Wir arbeiten in der Schauspielschule "École nationale supérieure des arts et techniques du théâtre". Ohne Witz, wir sind in einer Schauspielschule! Tobi, der früher in der Schule in allen Theaterstücken die Hauptrolle hatte, gibt Theaterkurse auf Englisch und hat nebenbei einen Französisch-Sprachkurs, was ihn ziemlich ankotzt, denn "Französisch ist das Schwulste, was ich je gehört habe". Ähm, nein, du Vogel! :D Ich brauch keinen Sprachkurs! :) Ich durfte gleich loslegen. Und ich darf endlich wieder jemandem Tanzschritte beibringen! Es ist so wunderbar, wieder richtig regelmäßig zu tanzen, ich bin so glücklich! Tänzerin durch und durch eben, ich kann nicht anders. Viele machen Ballett, was das einzige ist, was ich nicht tanze, weil ich kein Püppchen sein möchte, aber nach den Ballettstunden kommen total viele dann zu mir, obwohl wir eine abstrakte Form von Streetdance machen. Es geht vor allem um Körperkontrolle. Jede Regung muss man spüren. Und dann geht es mit einem durch. Das ist tanzen! :) Meine Fresse, meine Füße zucken jetzt schon wieder! :D
Wenn wir gerade keine Kurse haben, dann machen wir auch Unterricht mit, ich öfter als Tobi, denn der versteht vieles einfach noch nicht. Es geht um Schauspieltechniken, Selbstfindungskurse, natürlich auch normale Fächer wie Literatur, Englisch oder Politik. In Literatur werden sehr oft Bücher und Texte gelesen und dann rezensiert, nachgespielt oder interpretiert, zurzeit sind sie gerade bei Shakespeare's "Othello". Ich finde, meine schauspielerischen Künste sind nicht so berauschend, aber die Professoren finden es trotzdem gut, was ich tue, sie sagen, ich habe viel Körperkontrolle. Was die Tanzerei einem alles gibt, denke ich dann immer grinsend.

Ich habe meine Hélène auch schon ein paar Mal getroffen, sie will auch noch öfter zu Besuch kommen, wenn ich schon mal in Frankreich bin, muss das sein! Obwohl es für sie nicht gerade um die Ecke ist.
Also auch hier will ich nicht mehr weg, ich werde weinen. Ich weiß es ganz genau. ;)

Samstag, 16. März 2013

Geisterstadt.

Vorletzten Donnerstag, als wir noch in der Ukraine waren, hieß ein Tagestrip Tschernobyl. Ich habe mich ehrlich gesagt ein klein wenig gefürchtet, dort hin zu fahren, schon allein wegen der radioaktiven Strahlung - Physik war noch nie meine Stärke, wenn sie dort Menschen hinlassen, scheint es ja nicht mehr ganz so gefährlich zu sein.
Tschernobyl ist eine Geisterstadt. Es wohnt dort niemand mehr. Um die Stadt herum sieht man vereinzelte Häuser, es sind nicht mehr als 400 Bewohner, haben wir uns sagen lassen. Die Führung war glücklicherweise auf Englisch, also konnte ich folgen, als wir durch die leere Stadt spaziert sind, sogar am Atomkraftwerk vorbei. Fotografieren war verboten, warum auch immer. Aber ich glaube, ich hätte sowieso keine Bilder gemacht.

Ich hatte Angst, als wir dort waren. Ich kam mir so klein und verloren vor. Es ist alles mit Gras, Moos, Sträuchern und Unkraut überwuchert, die Häuser teilweise eingestürzt, halb verrottet und verlassen, Bauwerke nicht mehr zu erkennen und schon total verrostet. Eine kaputte Autoscooterbahn war noch voller Schnee. Es war, als ob man durch ein verlassenes Industriegebiet ging und nicht durch eine Stadt, in der früher einmal tausende von Menschen gelebt haben. Es war eine wertvolle Erfahrung, aber ich war dann auch froh, als wir wieder in den Bus steigen konnten. Obwohl eigentlich nicht viel dabei war, habe ich trotzdem ganz ängstlich jede Regung um mich herum registriert. Und beim Anblick des Skeletts eines toten verkrüppelten Hundes konnte ich auch einen Schrei nicht unterdrücken.

Freitag, 15. März 2013

Siebte Etappe: Basel/Schweiz

Stressig, das ist unser neuer Job vor allem. Ich bin diese Woche echt zu überhaupt nichts gekommen. Und heute haben wir schon Freitag, am Montag geht es sowieso schon weiter. Hoffentlich reicht meine Pause jetzt aus!


U K R A I N E - F A Z I T :

Dieses Land fand ich bis jetzt am aufschlussreichsten von allen. Es war irgendwie eine komplett andere Erfahrung, mit einschneidender Geschichte, ukrainischen Menschen, der Stadt Kiew, unserer liebenswürdigen Gastfamilie und aussagekräftigen Orten konfrontiert zu werden. Ich werde mit Sicherheit noch einen Post über Tschernobyl machen, wo wir ja vorletzten Donnerstag waren. Kiew ist ein echter Reisegeheimtrip und ich habe mir definitiv vorgenommen, wieder herzukommen, wie ich das auch schon in den anderen Ländern unzählige Male festgestellt habe. ;)
Wir haben viel über dieses Land und vor allem auch die Leute gelernt, irgendwie hat mich alles in der Ukraine fasziniert. Ich kann es gar nicht richtig beschreiben. Da war unsere super-süße Gastfamilie, bei der alle, wirklich alle, beim Abschied irgendwie geweint haben. Vorher konnte ich mich, abgesehen in Spanien, noch ziemlich zusammen reißen, aber irgendwie bin ich doch zu nah am Wasser gebaut...

Jetzt sind wir also in Basel angekommen, und es kommt mir so vor, als wären wir hier nur auf der Durchreise. Wir haben so viel zu tun, dass man gar nicht richtig zum "Land einatmen" kommt. Ich war bereits früher in Kindertagen einmal in Basel, aber an viel erinnern kann ich mich leider nicht.



B A S E L :

Irgendwie seh ich hier in der Stadt nicht so ganz durch. Nicht, dass wir bisher schon eine großartige Stadtanschauung unternehmen konnten, aber ich fühl mich hier trotzdem leicht verloren. Man spricht hier Schwizerdütsch, was sich sehr lustig anhört - und was ich nicht verstehe. Das ist vor allem an unserem Arbeitsort immer sehr witzig, wenn ich jemanden fragen muss, ob er langsamer sprechen könnte. Zur Not können hier viele Französisch, das ist dann immer die dankbare Alternative. Ein bisschen gemein, die Leute verstehen mein Hochdeutsch, aber ich verstehe ihr Schweizerdeutsch nicht. Es ist hier schon schönes Frühlingswetter, war heute zum ersten Mal nur mit T-Shirt draußen.


U N S E R E   G A S T F A M I L I E :


...sehen wir leider nicht besonders oft, weil wir so viel zu tun haben, mit Arbeit und so. Aber sie sind trotzdem sehr lieb. Unsere Gastmutter ist Susanne, alle Welt nennt sie Susi (ich bin ziemlich froh, dass es endlich mal wieder Namen gibt, die man aussprechen kann :D), ihr Mann heißt lustigerweise Atreju, so wie der junge Krieger aus "Die unendliche Geschichte", der Fantasia retten soll. Und wie es der Zufall dann natürlich so will, heißt deren Sohn auch noch Bastian. Basti hat eine jüngere Schwester namens Elena. Die Familie ist sehr süß, aber auch sehr verschlossen. Sie sind alle nett zu uns, aber es ist irgendwie nicht so wie in Kiew oder Seinäjoki. Sie gehen auf Abstand, damit wir immer in Erinnerung haben, dass wir nicht hier wohnen. Lieb sind sie aber trotzdem alle und ich fühle mich hier sehr wohl.

http://www.weheartit.com/

U N S E R E   A R B E I T :

...ist zweigeteilt und schon wieder geschichtslastig, Wir arbeiten einerseits im Jüdischen Museum der Schweiz, was wirklich überaus interessant ist, und andererseits in einem italienischen Café in der Innenstadt. Ich hatte gleich am Montag nach unserer Ankunft hier schon Führungen, Lehrkurse und Übungsstunden im Museum, während Tobi hauptsächlich am Empfang eingesetzt wurde. Seit Dienstag durfte ich auch selbst Führungen gestalten, nachdem ich alles über dieses Museum in meinen Kopf gebrannt habe, was ich am Montag noch alles lernen musste. Die Führungen sind hauptsächlich auf Französisch und Englisch, da ich immer alle ausländischen Touristen-Gruppen bekomme. Bisher hatte ich erst eine Führung in Schwizerdütsch. Das Museum hat nur Montag bis Mittwoch und Sonntag auf, nur heute war noch eine Sonderveranstaltung, bei der wir auch eingesetzt wurden. Am Sonntag habe ich dann auch wieder Führungen. In der restlichen Zeit, also Mittwoch, gestern, jetzt und morgen arbeiten wir im Café. Tobi, der bei seiner Arbeit in England auch kellnern musste, kann das natürlich besser als ich, aber ich hab in meiner Tanzschule meistens auch Buchhaltung mitgemacht, deshalb darf ich das hier auch tun, wenn nicht gerade Kellnermangel herrscht. Viel Zeit haben wir wirklich nicht, unsere Gastfamilie bekommt uns nicht oft zu Gesicht.

Freitag, 8. März 2013

Voll ukrainisch...

...ist eigentlich weder Kaffee bzw. heiße Schokolade trinken noch shoppen gehen, denn Ukrainer machen sich viel eher was aus türkischem Kaffee und die meisten haben eh nicht genug Geld, das sie zum Einkaufen ausgeben könnten. Shoppen ist hier purer Luxus, dementsprechend leer war der H&M hier auch. Ich war ganz begeistert, als ich am Mittwoch einen entdeckt hatte, da musste ich dann natürlich sofort rein! Ich habe nicht viel gekauft, nur zwei Armbänder für 84 Griwna (ca. 8 €). Und die heiße Schokolade war lecker! :-)



Verzeiht diese Bilder, ich ärgere mich jeden Tag aufs Neue, dass ich meine Kamera in Deutschland vergessen habe und somit alles mit dem Handy abfotografieren muss.

Donnerstag, 7. März 2013

Noch was zu Spanien und Irland...

Es ist schon eine Weile her, dass wir dort waren, doch eine Sache muss ich dazu noch loswerden, die ich wahrscheinlich vor lauter Faszination ganz vergessen habe, in meine Berichte mit ein zu beziehen. Diese beiden Länder, das europäische Wüstenparadies (Spanien-Post) und die grüne Insel (Irland-Post), sind für mich der Wahnsinn, wenn es ums Tanzen geht! Ich denke noch sehr häufig an meine seltenen Besuche in den Tanzschulen von Valencia und Galway nach. Sobald ich eine Tanzschule sehe, muss ich da rein, wenigstens zum Gucken. Das war auch da nicht anders. Mit der spanischen Tanzschule hab ich sogar noch Kontakt.

Es gibt ja für beide Länder DEN landestypischen Tanz, an den man sofort denkt, wenn man Irland oder Spanien hört. An beiden Tänzen habe ich mich einmal versucht, wahrscheinlich hat ein einfach nicht so ganz funktioniert, weil man das erstens lange üben muss und zweitens war ich völlig von der Rolle vor Faszination und Glücksgefühl.


Es geht um den spanischen Flamenco und um den irischen Riverdance. Beides ist einfach unglaublich!



So tanzen zu können, das wär's. Natürlich hab ich den Film "Carmen" schon tausendmal gesehen, ich hamster Tanzfilme, aber so viel Körperkontrolle, Selbstbeherrschung und "Abstimmung ohne Worte" zeigt mir mal wieder, was ich alles noch üben muss. Flamenco kann höchstens noch getoppt werden durch...




Mir persönlich fehlen die Worte! Diese Tänzer sind Genies! Wem geht es genauso? :-)

Mittwoch, 6. März 2013

Ey, wie süß ist das denn bitte?

Veronica hat mir heimlich eine Tasche genäht! Mein Gott, ist sie ein Zuckerstück! Arina hat ihr ein bisschen geholfen, aber im Prinzip hat Veronica alles so gut wie allein gemacht. Sogar so, dass ich nichts mitbekommen habe. Tobi wusste Bescheid, diese kleine Schweinebacke kann aber auch total ahnungslos wirken. "Eigentlich wollte ich dir die Tasche zum Abschied schenken", meinte Veronica. "Aber ich mag dich so gerne, deshalb bekommst du sie schon heute." Wenn das nicht süß ist, dann weiß ich auch nicht.





Wir haben natürlich in jedes Land Gastgeschenke mitgenommen und möchten jeder Familie etwas mitbringen (für Cluj/Rumänien müssen wir uns noch was ausdenken, das wussten wir ja vorher nicht). Der Koffer mit den Geschenken wird aber trotzdem nicht leerer, dort stapeln sich jetzt Souvenire drin. ;-)
Jedenfalls haben wir vor, allen Menschen, die uns so gastfreundlich aufgenommen, betreut, beraten und glücklich gemacht haben (dazu zählen nicht nur unsere Gastfamilien, sondern auch Leute von den Arbeitsorten wie zum Beispiel Fiona und Robert aus Irland, Voka aus Kroatien, Björk aus Schweden oder die Tanzschulbesitzerin aus Spanien), ein weiteres Geschenk zu schicken, wenn wir wieder in Deutschland sind. Einfach als Dankeschön für wunderschöne Eindrücke, Lebenserfahrungen, Begegnungen, Länder, Kulturen, Möglichkeiten, Augenblicke, Menschen, Meinungen, eben einfach Marmeladenglasmomente, die ich hier natürlich festhalten muss.
Natürlich ist uns klar, dass das noch mal ein ziemliches Mammutprojekt wird und wir haben ein bisschen Angst, ob wir das in zwei Wochen schaffen, doch ich bin da ziemlich zuversichtlich. Diese Menschen, die uns so viel gegeben haben, verdienen das einfach, da wurde zwischen Tobi und mir überhaupt nicht diskutiert. Dann müssen wir uns eben ins Zeug legen!

Montag, 4. März 2013

Sechste Etappe: Kiew/Ukraine.

Jetzt komm ich endlich mal dazu, meinen zusammenfassenden Bericht aufzuschreiben, das Fazit zu Schweden lässt ja leider auch schon sehr lange auf sich warten, damit möchte ich gleich anfangen!


S C H W E D E N - F A Z I T :

Es war so verdammt süß in Gävle, aber leider auch genauso kalt. Macht nichts, Mützen, dicke Socken und Schals besitze ich jetzt im Überfluss. Unsere Gastfamilie war sehr lieb, aber auch sehr fundamental. Bei uns wurde über einiges hinweg gesehen, weil wir nun mal aus einem Land kamen, in dem einige Dinge vielleicht nicht so üblich sind wie in Schweden, aber bei den beiden Töchtern Svea und Lovis haben sie manchmal echt durchgegriffen. Dabei sind sie volljährig. Ich habe aber erkannt, dass da ein ziemlich traditionsgebundener Sinn hinter steckt. Irgendwie kommt es mir so vor, dass allen Schweden noch die alten Werte mitgegeben werden, die in Deutschland langsam verloren gehen. Und es geht ihnen vor allem um Höflichkeit. Ohne das Wort "Tack!" ist man in Schweden aufgeschmissen. Alles in allem hatten wir aber wieder eine sehr schöne Zeit und vor allem auch supersüße Arbeit mit den Kindergartenkindern. Und ich habe mich in Stockholm verliebt!

Von der abenteuerlichen Einreise in Kiew habe ich hier ja bereits berichtet, irgendwie geht das hier nur so zu. Eine sehr chaotische Stadt und ich habe mir sagen lassen, auch ein sehr chaotisches Land.  Und genauso chaotisch ist auch unsere Arbeit, aber der Reihe nach!


K I E W:

...oder Kyjiw, wie die Ukrainer ihre Hauptstadt nennen, ist für meinen Geschmack etwas zu kontrastreich. Nach und nach werden traditionelle Gebäude immer verwahrloster und direkt daneben stehen die ganzen Plattenbauten aus sozialistischen Zeiten. Es gibt hier vor allem besonders viele Kirchen mit goldenen Kuppeln und Parkanlagen, überall ist es grün. Das ist vor allem jetzt, zum Frühlingsanfang, besonders schön, wenn überall die Knospen aufgehen. Es gibt auffällig viele Kastanien. Und überall in der Stadt schlängelt sich der Dnjepr durch.
Metro fahren ist hier sehr abenteuerlich, vom Bus fang ich gar nicht erst an zu reden. Jeder Zebrastreifen wird von Autofahrern geflissentlich ignoriert. Und sonntags haben alle Geschäfte offen... Dafür gibt es kein amerikanisches Fast-Food, also keinen McDonald's oder so, zumindest habe ich noch keinen entdeckt. Nur ukrainisches Fast-Food. Ich habe mir vorgenommen, es zu probieren!
Als wir angekommen sind, war es noch regelrecht winterlich kalt, aber mittlerweile wird es mit jedem Tag wärmer. Auch die Menschen hier scheinen mit der Jahreszeit mitzugehen. Anfangs noch viele etwas launisch und mürrisch, sind jetzt die meisten gemütlich-verspielt und leben fröhlich in den Tag hinein, fast so, als sie froh sind, dass der Winter endlich vorbei ist. Aber trotzdem ist hier so gut wie jeder sehr hilfsbereit und freundlich. Wir haben uns in der Stadt schon zwei Mal verlaufen, jedes Mal hatten wir danach wieder eine neue Begegnung gemacht. Ukrainer sind irgendwie faszinierend.




U N S E R E   G A S T F A M I L I E :

Unsere Gastmutter heißt Arina und unser Gastvater Sewarion-Vyacheslav, was ich bis heute nicht aussprechen kann, worüber er aber ständig lachen muss, wenn ich es versuche. Sew reicht für ihn aus. Er ist Russe, sie Ukrainerin, was in der Nachbarschaft nicht immer Wohlwollen auslöst, da sie nun mal auch seinen russischen Nachnamen trägt und auch Russisch spricht. Ich hatte zwar schon geschrieben, dass Russisch in vielen Gebieten der Ukraine dominiert, aber damit sind nicht immer alle einverstanden, vor allem wahrscheinlich die alteingesessenen Ukrainer nicht. Arina und Sew üben beide Berufe aus, in denen man Englisch braucht, also ist die Kommunikation auch nicht so wirklich kompliziert. An unserem Arbeitsplatz werde ich da schon eher blass, aber dazu später.
Die beiden haben drei Kinder: Yaroslav, Veronica und Dayana gehen alle noch zur Schule, wobei Yaroslav gerade in seiner Abitur-Phase steckt. Manchmal üben er und Tobi bis mitten in die Nacht noch für Englisch oder Geografie. Veronica lernt Deutsch in der Schule und möchte am liebsten den ganzen Tag mit uns "üben". Dayana ist die Kleinste und geht noch zur Grundschule. Eine sehr süße Familie, vor allem auch sehr harmonisch, hilfsbereit und unkompliziert. Wieder ein paar Menschen, mit denen wir sicherlich in Kontakt bleiben werden.




U N S E R E   A R B E I T :

Wir arbeiten in der Deutschen Botschaft von Kiew und helfen beim Organisieren von Veranstaltungen, Events, Feiern und Preisverleihungen jeder Art. Im Prinzip ähnlich wie in Kroatien, doch hier geht es weniger um vorführen und präsentieren, sondern mehr um den Menschen als Person. Schon mehrere Male waren wir in der Deutschen Schule von Kiew eingeteilt, dort Unterricht zu gestalten, das Goethe-Institut haben wir auch schon mehrmals von innen gesehen. Eigentlich haben wir viel mit Deutsch zu tun, alles Deutsche, was es hier in Kiew gibt, ist in unserem Zeitplan mit drin. Wobei es natürlich schwierig wird, wenn jemand mit einer Frage mich erst mal auf Ukrainisch zuquasselt. ;-)
Morgen und übermorgen haben wir zum Beispiel Tagestouren in viele verschiedene Schulen von Kiew und Umgebung, um den Deutschunterricht zu inspezieren. Wichtig ist dabei vor allem die Beobachtung der Schüler, wie sie auf die deutsche Sprache reagieren. Letzte Woche ging es auch häufig in Hochschulen, eine ukrainische Germanistik-Vorlesung ist sehr interessant. ;-)
Wir haben wirklich wenig Zeit, denn die Deutsche Botschaft arbeitet hier rund um die Uhr. Nebenbei noch Sprachkurse, damit ich wenigstens ein bisschen in Russisch und Ukrainisch mithalten kann. Tobi braucht nur einen Sprachkurs für Ukrainisch ablegen, was für eine Überraschung!
Außerdem bekommen wir dann noch außerplanmäßige Tagestrips ab, wenn wir mal einen Tag nicht in der Botschaft sind. Letzten Mittwoch gab es die obligatorische Stadtrundfahrt, gestern am Sonntag haben wir einen Ausflug durch verschiedene traditionelle Dörfer gemacht (Babushka-Tour), in denen die Menschen Brot noch mit der Hand backen. So was wird das "Erbe der UdSSR" genannt, aha. Am Donnerstag geht es nach Tschnernobyl, mal schauen, was das wird, ich bin deshalb leicht angespannt.

Abends bin ich meistens völlig kaputt. Oft setzen wir uns dann aber auch mit unserer Gastfamilie zusammen, trinken Tee, erzählen oder spielen mit den Kindern zusammen Spiele.

Mittwoch, 27. Februar 2013

Abenteuerlich.

Andere Länder, andere Sitten! Eine abenteuerlichere Einreise kann man sich wohl kaum vorstellen. Wir sind vorgestern in Kiew/Ukraine angekommen, das wäre aber beinahe schief gegangen. In der Ukraine braucht man eigentlich kein Einreisevisum, wenn man so wie wir nur zwei Wochen bleibt. Das wird erst ab 90 Tagen benötigt. Allerdings gilt das nur für Touristen. Wir sind aber keine Touristen, sondern zum Arbeiten in diesem Land, was die Flughafen-Security komplett durcheinander brachte.
Glücklicherweise ist in Kiew die russische Sprache sehr dominierend, also konnte wenigstens Tobi mit denen debattieren, der hatte in der Schule mehr oder weniger rudimentäres Russisch gehabt. Er erzählte mir danach allerdings, dass das die größte sprachliche Herausforderung war, die er je gehabt hatte. Auf Englisch wollten die sich nämlich nicht einlassen. Lange Rede, kurzer Unsinn.

Panik 1: Der Schalter hat unsere Reisepässe nicht angenommen, dabei waren die voll gültig. Die Ukraine gehört nicht zur EU, deshalb sind die da alle irgendwie ein wenig komisch drauf, wenn sie EU-Mitglieder vor sich haben. Wir haben dann jemanden von der Security geholt und damit ging der ganze Ärger los.
Panik 2: Der fing an, uns vollzuschnauzen, warum wir kein Einreisevisum haben, nachdem geklärt wurde, dass wir hier arbeiten werden. Zuerst auf Ukrainisch, da standen Tobi und ich dann noch ein bisschen hilflos da. Dann hat Tobi ihn ganz ruhig unterbrochen und fragte ihn trocken auf russisch: "Sprechen Sie Englisch oder Russisch?" Da war der erst mal überrascht. Dann kam zähneknirschend: "Russisch. Wo ist ihr Visum?"
Panik 3: Müsste man die Einreisebestimmungen für sein eigenes Land nicht eigentlich noch besser kennen als die Touristen, die einreisen wollen? Aber mir kam es so vor, als ob Tobi dem das vielmehr erklärt hat - und ich stand blond daneben. Wortwörtlich. Ich kann kein Russisch, und Ukrainisch schon gar nicht.
Letztendlich hat die Einreise doch noch funktioniert, nachdem wir unseren ukrainischen Ansprechpartner angerufen haben. Der hat die Situation am Flughafen dann geklärt. Es ist aber nicht witzig, um die Einreise in ein Land streiten zu müssen. Dementsprechend halb tot kamen wir bei unserer neuen Gastfamilie an.

Ich bekomme hier übrigens Sprachkurse für beides, Ukrainisch und Russisch, Tobi nur für Ukrainisch, super. Ich dreh jetzt schon durch mit der kyrillischen Schrift! Und ich komm total durcheinander! Neben den Sprachkursen ist unsere Arbeit wieder etwas heftiger und wir haben wenig Zeit. Meine Zusammenfassung erfolgt daher erst in den nächsten Tagen oder am Wochenende. Aber sie kommt noch!

Sonntag, 24. Februar 2013

Ein Völkchen für sich.

Heute melde ich mich ein letztes Mal aus dem kalten Schweden. Wahrscheinlich kommt mir das nur so vor, aber es fühlt sich hier wärmer an als in Finnland. Gestern waren wir in Örebro. Faszinierende Stadt. Überhaupt finde ich alle schwedischen Städte faszinierend. Es ist auch nicht leicht, zu sagen, welche nun meine Lieblingsstadt ist. Ich würde aber sagen: STOCKHOLM!


Ich liebe es, Pullover von den Städten, in denen ich war, zu kaufen. Bisher hab ich das immer, wo es einen gab, gemacht. Meistens musste ich dafür auch ziemlich lange suchen, aber so ein Pullover ist eine schöne Erinnerung und wenn man ihn trägt, möchte man am liebsten zurück!
Es war zwar leicht anstrengend, die ganzen kleinen Gören ;)  immer ordentlich in Schach zu halten, vor allem in einer Riesenstadt wie Stockholm, aber irgendwie haben wir es hingekriegt. Außerdem habe ich mal wieder so viele Dinge für meine Mama gekauft, hauptsächlich irgendwas mit Elchen, warum nur? ;)

Eins haben wir über Schweden gelernt: sie haben ihren eigenen Willen und der Ausländer hat sich anzupassen. Das gefällt mir persönlich gut, denn - zum Beispiel - anders als in Deutschland werden türkische Frauen hier toleriert und gastfreundlich aufgenommen, aber nicht mit Burka und Kopftuch.
Unsere Gastfamilie sind vom Verhalten her ebenfalls "typische Schweden", das haben sie selbst gesagt. Sie achten sehr auf Bräuche, Sitten und Traditionen und mögen es nicht, wenn sich andere, die sie aufnehmen, nicht daran halten. Unser Gastvater Jonte hat uns gleich am ersten Tag die Hausregeln im perfekten Englisch erklärt und deutlich gemacht, dass wir uns eine andere Familie suchen müssen, wenn wir die nicht akzeptieren. Das mag hart klingen, war aber letztendlich herzlich gemeint, denn die beiden, die sich nebenbei etwas Geld verdienen, indem sie Ausländer für einige Zeit bei sich beherbergen, haben uns gleich am nächsten Tag gesagt, dass sie froh sind, uns bei sich zu haben, weil wir uns die ganze Woche tunlichst an ihre Regeln gehalten haben. Und wenn mal etwas schief ging, haben sie gemerkt, dass es für uns befremdlich ist, weil wir aus einem anderen Land kommen, dann wurde drüber gelacht und gut war.
Heute gibt es sozusagen eine kleine Abschiedsparty für uns. Britta macht ganz viel traditionell schwedisches Essen (ich werde wohl Elchfleisch probieren müssen!), die Töchter Lovis und Svea kommen auch und wahrscheinlich sind wir nicht vor Mitternacht im Bett. Witzig, morgen früh halb sieben geht der Flieger von Stockholm. ;)
Morgen geht es in die Ukraine. Ich will hier nicht weg.

Samstag, 23. Februar 2013

Planänderung.

Gestern kam ein schwedischer Vertreter unserer Auslandsorganisation vorbei und wollte mit uns sprechen. Ich war schon völlig schockiert: Haben wir irgendwas falsch gemacht? Der Typ, Björk, ein sehr netter Schwede, hat uns dann sofort beruhigt, dass alles gut wäre, aber der Hammer kam dann trotzdem noch. Unser Arbeitsplan wird geändert.

Ursprünglich wäre es jetzt folgendermaßen weitergegangen:

  • nächste Woche Kiew/Ukraine
  • übernächste Basel/Schweiz
  • danach Lyon/Frankreich
  • Cardiff/Wales
  • Florenz/Italien
  • zurück nach Deutschland 

Dann wäre es Anfang April, wir hätten ungefähr eine Woche Zeit gehabt, um uns wieder in unserem deutschen Leben zurückzufinden, und dann wäre es für mich zurück nach Spanien gegangen, für meinen Freiwilligendienst. Der würde bis August dauern. Jetzt ist alles anders.
Unsere Workshops und auch mein Freiwilligendienst hängen zusammen, das wird alles von ein und der selben Organisation gefördert, geplant und präsentiert. Deshalb haben die extrem viel Spielraum, was sie mit uns machen können. Und nun wurden wir noch für ein weiteres Projekt genommen. Es ist auch wieder ein Freiwilligendienst, das bedeutet, wir bekommen dafür kein Geld, wie das jetzt bei den Workshops der Fall ist. Unser neuer Plan sieht folgendermaßen aus:
  • zwei Wochen Kiew/Ukraine (weil die Leute dort absoluten Personalnotstand ausgerufen haben, do wie ich das jetzt verstanden habe)
  • eine Woche Basel/Schweiz
  • zwei Wochen Lyon/Frankreich (auf Frankreich freu ich mich seit dem Anfang!)
  • eine Woche Cardiff/Wales
  • eine Woche Florenz/Italien (aha, Italien schaffen wir also doch noch, die brauchen da auch Leute!)
Dann sind wir für eine einwöchige Busfahrt eingetragen, die aber nicht direkt etwas mit Arbeit zu tun hat, eher mit Geschichte, Gedenken und Stille. Wo fährt dieser Bus hin? Ganz ehrlich, so etwas wollte ich schon immer mal machen, aber allein trau ich mich einfach nicht: Konzentrationslager , oder das, was von ihnen übrig geblieben ist, anschauen.
Angefangen in Mailand geht es nach Mauthausen, Dachau, Flossenbürg, Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau (davor fürchte ich mich ehrlich gesagt), Belzec, Treblinka, Sachsenhausen, Ravensbrück, Neuengamme, Bergen-Belsen (auch davor habe ich Angst, vor allem weil ich spontan ein Exemplar "Das Tagebuch der Anne Frank" mitgenommen habe, wahrscheinlich werde ich es dort lassen) und es endet in Buchenwald. Meistens stehen natürlich nur noch Gedenkstätten oder Friedhöfe, aber es wird wahrscheinlich trotzdem eine ganz neue Erfahrung werden.

Und wenn man denkt, härter kann es nicht kommen (ich werde weinen, ich kenne meine schwachen Nerven, deshalb würde ich so eine "KZ-Rundfahrt" niemals alleine machen, ein Glück kommt Tobi mit), dann haut Björk noch einen größeren Hammer heraus!

Denn danach sind wir für drei Wochen in Cluj/Rumänien. Ich weiß, man hört viele Horrorgeschichten über die Lebensbedingungen der "Zigeuner" am Rande der Mülldeponie und ich muss Euch sagen: genau das wird unsere Arbeit sein. Björk meinte, dass es heftiger wird als Irland und Kroatien zusammen, weil wir mit sehr viel Elend konfrontiert werden. Nicht zu vergessen die Konzentrationslager. Dabei dachte ich eigentlich, dass mich nach Irland erst mal so schnell nichts mehr erschüttern kann. Oh doch! Wir wurden gefragt, ob wir damit einverstanden sind. Tobi und ich haben uns angesehen und uns war sofort klar, dass wir das machen wollen. Wenn man Menschen helfen kann, wieso sollte man es nicht tun? Es wird hart, elendig und furchtbar, das hat er uns auch klar gemacht, aber wir wollen nicht die Augen davor schließen, sondern verändern und darauf aufmerksam machen.

Ganz genau kenn ich unsere Arbeit in Cluj/Rumänien noch nicht, aber so viel vorneweg: Rumänien ist das zweitärmste Land der EU und dort lebt eine "Minderheit" von Sinti und Roma, abwertend "Zigeuner" genannt, obwohl ich das Wort Zigeuner eigentlich immer süß und schön fand, nachdem ich als Kind "Der Glöckner von Notre Dame" gesehen hatte, da ist das Wort Minderheit viel schlimmer. Klar wurden Zigeuner auch im "Glöckner von Notre Dame" gejagt, verbannt, verraten, gehasst, schikaniert, verhöhnt und eingesperrt, aber ich fand dieses Volk viel sympathischer als die ganze Pariser Stadtbevölkerung, obwohl sie sicherlich gestohlen, gelogen und sich gewaltsam das genommen haben, was ihnen ihrer Meinung nach zusteht.
In Rumänien wurden "Zigeuner" noch nie vollkommen integriert, sie gelten eher als Plage. Wahrscheinlich ist das noch vom Zweiten Weltkrieg hängen geblieben, meine Fresse. Sicherlich haben die Rumänen auch gar kein Geld dazu, das Elend am Rande der Müllkippe von Cluj zu bekämpfen. Aber wenn wir dort sind, schreib ich alles genau auf, allein schon mal für mich selbst, um zu verarbeiten.

Nach diesen drei Wochen ist es Ende April, wo ich eigentlich schon längst in Spanien sein müsste, aber das wurde alles nach hinten verlegt. Wir haben dann zwei Wochen Auszeit bekommen und werden definitiv zurück nach Deutschland, nach Hause, fahren, damit ich mich richtig auf meinen Freiwilligendienst, der dann nur noch fünf Monate dauern wird, vorbereiten kann. Zurück geht es nach Valencia/Spanien. Ich freu mich. Vorher müssen wir allerdings Stärke beweisen.